Die unteren Meerpunkte bilden eine besondere Gruppe aus sechs Akupunkturpunkten an den Beinen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden sie den sechs Yang- beziehungsweise Fu-Funktionskreisen zugeordnet:
- Magen,
- Dickdarm,
- Dünndarm,
- Blase,
- Gallenblase,
- Dreifacher Erwärmer.
International werden sie meist als Lower-He-Sea Points bezeichnet. In deutschsprachigen Texten finden sich außerdem Begriffe wie untere He-Punkte, untere Vereinigungspunkte oder untere Meerpunkte.
Die Punktgruppe darf nicht mit den regulären Meerpunkten der fünf antiken Punkte verwechselt werden. Drei Punkte gehören zwar gleichzeitig zu beiden Gruppen, die übrigen drei unteren Meerpunkte liegen jedoch auf einem anderen Meridian als der Funktionskreis, dem sie traditionell zugeordnet sind.
Für Qigong-Übende sind die unteren Meerpunkte vor allem deshalb interessant, weil sie unterschiedliche Bereiche der Knie und Unterschenkel einbeziehen. Diese Regionen können über Stand, Gewichtsverlagerung, Beugen und Strecken der Knie sowie sanftes Ausstreichen wahrgenommen werden, ohne dass die einzelnen Punkte kräftig gedrückt werden müssen. Der übergeordnete Rahmen dieser Punktlehre wird im Beitrag Akupunkturpunkte in TCM und Qigong ausführlich beschrieben.
Was sind untere Meerpunkte?
Die unteren Meerpunkte sind sechs besondere Akupunkturpunkte an den unteren Extremitäten. Nach traditioneller Vorstellung sammelt oder vereinigt sich an ihnen das Qi der sechs Fu-Funktionskreise. Zu diesen gehören Magen, Dickdarm, Dünndarm, Gallenblase, Blase und Dreifacher Erwärmer.
Die sechs Punkte sind:
| Fu-Funktionskreis | Unterer Meerpunkt | Meridian |
|---|---|---|
| Magen | MA 36 – Zusanli | Magen-Meridian |
| Dickdarm | MA 37 – Shangjuxu | Magen-Meridian |
| Dünndarm | MA 39 – Xiajuxu | Magen-Meridian |
| Dreifacher Erwärmer | BL 39 – Weiyang | Blasen-Meridian |
| Blase | BL 40 – Weizhong | Blasen-Meridian |
| Gallenblase | GB 34 – Yanglingquan | Gallenblasen-Meridian |
Alle sechs Punkte befinden sich an den Beinen. Drei liegen auf dem Magen-Meridian, zwei auf dem Blasen-Meridian und einer auf dem Gallenblasen-Meridian.
Warum heißen sie untere Meerpunkte?
Die Bezeichnung „untere Meerpunkte“ weist zunächst auf ihre Lage an den unteren Extremitäten hin.
Das Wort He wird innerhalb der traditionellen Punktlehre mit Zusammenkommen, Vereinigen oder Einmünden verbunden. Ähnlich wie bei den regulären He-Sea-Punkten wird deshalb das Bild eines Flusses verwendet, der in ein größeres Gewässer mündet.
Bei den unteren Meerpunkten geht es jedoch nicht um die fünfte Stufe der fünf antiken Punkte eines bestimmten Meridians. Sie bilden eine zusätzliche traditionelle Verbindung zwischen den sechs Fu-Funktionskreisen und bestimmten Punkten an den Beinen.
Das Wasserbild beschreibt keinen anatomisch vorhandenen Strom. Es ist eine traditionelle Metapher zur Ordnung der Akupunkturpunkte.
Reguläre und untere Meerpunkte: Was ist der Unterschied?
Die regulären Meerpunkte gehören zu den fünf antiken Punkten:
- Brunnenpunkt,
- Quellpunkt,
- Bachpunkt,
- Flusspunkt,
- Meerpunkt.
Jeder der zwölf Hauptmeridiane besitzt einen solchen regulären He-Sea-Punkt.
Die unteren Meerpunkte bilden dagegen eine eigene Gruppe aus nur sechs Punkten. Sie werden ausschließlich den sechs Fu-Funktionskreisen zugeordnet und liegen sämtlich an den Beinen.
| Merkmal | Reguläre Meerpunkte | Untere Meerpunkte |
|---|---|---|
| Anzahl | zwölf | sechs |
| Zugehörigkeit | fünf antike Punkte | eigenständige Punktgruppe |
| Meridiane | alle zwölf Hauptmeridiane | nur Magen-, Blasen- und Gallenblasen-Meridian |
| Körperregion | Ellenbogen, Knie und angrenzende Bereiche | nur Beine |
| Zuordnung | zum jeweiligen Meridian | zu den sechs Fu-Funktionskreisen |
Welche Punkte gehören zu beiden Gruppen?
Drei der sechs unteren Meerpunkte sind gleichzeitig reguläre Meerpunkte ihres eigenen Meridians:
- Magen 36 ist regulärer Meerpunkt des Magen-Meridians und unterer Meerpunkt des Magens.
- Blase 40 ist regulärer Meerpunkt des Blasen-Meridians und unterer Meerpunkt der Blase.
- Gallenblase 34 ist regulärer Meerpunkt des Gallenblasen-Meridians und unterer Meerpunkt der Gallenblase.
Bei diesen drei Punkten stimmen Meridian und zugeordneter Fu-Funktionskreis überein.
Die übrigen drei unteren Meerpunkte gehören dagegen zu einem anderen Meridian:
- Magen 37 wird dem Dickdarm zugeordnet.
- Magen 39 wird dem Dünndarm zugeordnet.
- Blase 39 wird dem Dreifachen Erwärmer zugeordnet.
Diese Besonderheit macht deutlich, dass ein unterer Meerpunkt nicht zwingend auf dem Meridian des gleichnamigen Funktionskreises liegen muss.
Die sechs unteren Meerpunkte im Überblick
Magen 36 – Zusanli
Magen 36 liegt an der vorderen Außenseite des Unterschenkels. Als Orientierung befindet er sich unterhalb des Knies und etwas seitlich der vorderen Schienbeinkante.
Nach standardisierter Beschreibung liegt der Punkt drei proportionale Körpermaße unterhalb von Magen 35 und etwa eine Fingerbreite seitlich der vorderen Schienbeinkante.
Magen 36 ist gleichzeitig:
- regulärer Meerpunkt des Magen-Meridians,
- unterer Meerpunkt des Magens,
- Erde-Punkt des Magen-Meridians.
Damit gehört er zu mehreren traditionellen Punktkategorien.
Im Qigong wird die Region bei nahezu jeder Gewichtsverlagerung und Kniebewegung einbezogen. Statt den Punkt kräftig zu drücken, kann der gesamte Bereich zwischen Knie, Schienbein und äußerem Unterschenkel wahrgenommen werden.
Magen 37 – Shangjuxu
Magen 37 befindet sich ebenfalls an der vorderen Außenseite des Unterschenkels. Er liegt weiter unterhalb des Knies als Magen 36.
Als standardisierte Orientierung wird der Punkt sechs proportionale Körpermaße unterhalb von Magen 35 und etwa eine Fingerbreite seitlich der vorderen Schienbeinkante beschrieben.
Magen 37 ist der untere Meerpunkt des Dickdarms. Er liegt also nicht auf dem Dickdarm-Meridian, sondern auf dem Magen-Meridian.
Traditionell wird diese Zuordnung mit der Beziehung zwischen den Yangming-Meridianen von Hand und Fuß erklärt:
- Dickdarm-Meridian der Hand,
- Magen-Meridian des Fußes.
Für Qigong kann die Region durch sanftes Ausstreichen der Außenseite des Unterschenkels oder eine bewusste Wahrnehmung der Schienbeinmuskulatur einbezogen werden.
Magen 39 – Xiajuxu
Magen 39 liegt weiter unten auf derselben Linie wie Magen 36 und Magen 37.
Der Punkt wird an der vorderen Außenseite des Unterschenkels, neun proportionale Körpermaße unterhalb von Magen 35 und seitlich der Schienbeinkante lokalisiert.
Er ist der untere Meerpunkt des Dünndarms, obwohl er auf dem Magen-Meridian liegt.
Die drei Punkte bilden damit eine gut nachvollziehbare Reihe am Unterschenkel:
- MA 36 – Magen,
- MA 37 – Dickdarm,
- MA 39 – Dünndarm.
Für die Qigong-Praxis ist es nicht erforderlich, die drei Stellen millimetergenau voneinander abzugrenzen. Häufig genügt es, den gesamten vorderen äußeren Unterschenkel als zusammenhängende Region wahrzunehmen.
Blase 39 – Weiyang
Blase 39 befindet sich an der äußeren Seite der Kniekehle. Er liegt nahe dem äußeren Ende der Kniekehlenfalte und unmittelbar auf der Innenseite der dort tastbaren Sehne des Bizeps femoris.
Der Punkt ist der untere Meerpunkt des Dreifachen Erwärmers.
Diese Zuordnung fällt besonders auf, weil:
- der Dreifache-Erwärmer-Meridian am Arm verläuft,
- sein unterer Meerpunkt jedoch am Knie auf dem Blasen-Meridian liegt.
Die Kniekehle enthält empfindliche Sehnen, Nerven und Blutgefäße. Für Selbstmassage oder Qigong sollte dort nicht kräftig oder tief gedrückt werden.
Eine sanfte Wahrnehmung beim Beugen und Strecken des Knies ist ausreichend.
Blase 40 – Weizhong
Blase 40 liegt in der Mitte der Kniekehlenfalte. Der Punkt befindet sich zwischen den dort tastbaren Sehnen.
Blase 40 ist gleichzeitig:
- regulärer Meerpunkt des Blasen-Meridians,
- unterer Meerpunkt der Blase,
- Erde-Punkt des Blasen-Meridians.
Die Kniekehle ist eine anatomisch empfindliche Region. Dort verlaufen unter anderem größere Nerven und Blutgefäße. Tiefer, bohrender oder lang anhaltender Druck ist deshalb nicht sinnvoll.
Im Qigong kann der Bereich vor allem dadurch einbezogen werden, dass die Knie weder durchgedrückt noch dauerhaft stark gebeugt werden. Die Kniekehlen bleiben weich und beweglich.
Gallenblase 34 – Yanglingquan
Gallenblase 34 liegt an der Außenseite des Unterschenkels in einer Vertiefung vor und unterhalb des Wadenbeinköpfchens.
Der Punkt ist gleichzeitig:
- regulärer Meerpunkt des Gallenblasen-Meridians,
- unterer Meerpunkt der Gallenblase,
- Erde-Punkt des Gallenblasen-Meridians.
Traditionell gehört Gallenblase 34 außerdem zu den acht einflussreichen Punkten und wird dabei den Sehnen zugerechnet.
Im Qigong kann die Region beim Beugen und Strecken der Knie, bei seitlichen Gewichtsverlagerungen und bei Drehbewegungen der Beine wahrgenommen werden.
Je nach Kasse ist eine Erstattung von bis zu 100 % möglich. Präventionskurse entdecken →
Drei untere Meerpunkte auf dem Magen-Meridian
Mit Magen 36, Magen 37 und Magen 39 liegen gleich drei untere Meerpunkte auf dem Magen-Meridian.
Ihre traditionelle Zuordnung lautet:
- MA 36 – Magen,
- MA 37 – Dickdarm,
- MA 39 – Dünndarm.
Diese drei Fu-Funktionskreise werden innerhalb der TCM besonders mit Aufnahme, Weiterleitung, Umwandlung und Ausscheidung von Nahrung und Flüssigkeiten in Verbindung gebracht.
Die Punktgruppe wird deshalb in traditionellen Behandlungen häufig bei Beschwerden des Verdauungssystems berücksichtigt. Die Zuordnung gehört jedoch zum TCM-Modell und bedeutet nicht, dass Druck auf die Punkte eine bestimmte Verdauungsstörung sicher diagnostiziert oder behandelt.
Studien zur Akupunktur bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden verwenden untere Meerpunkte regelmäßig, die Ergebnisse hängen jedoch stark von Diagnose, Studiendesign, Vergleichsbehandlung und Punktkombination ab.
Zwei untere Meerpunkte in der Kniekehle
Blase 39 und Blase 40 liegen beide in beziehungsweise nahe der Kniekehlenfalte.
Blase 39
- liegt weiter außen,
- nahe der Sehne des Bizeps femoris,
- wird dem Dreifachen Erwärmer zugeordnet.
Blase 40
- liegt in der Mitte der Kniekehle,
- ist regulärer und unterer Meerpunkt der Blase,
- gehört zum Blasen-Meridian.
Für Qigong und Selbstmassage sollte der gesamte Bereich zurückhaltend behandelt werden. Kräftiges Kneten, tiefes Drücken oder hartes Klopfen in die Kniekehle ist nicht erforderlich.
Warum liegt der untere Meerpunkt des Dreifachen Erwärmers am Bein?
Der Dreifache Erwärmer besitzt keinen direkt vergleichbaren anatomischen Gegenstand. Innerhalb der TCM wird er als Funktionssystem verstanden, das unter anderem die Körperräume sowie die Verteilung und Bewegung von Flüssigkeiten und Qi miteinander verbindet.
Sein regulärer Meerpunkt ist Dreifacher Erwärmer 10 am Ellenbogen. Der untere Meerpunkt ist dagegen Blase 39 an der Kniekehle.
Das zeigt besonders deutlich, dass reguläre und untere Meerpunkte unterschiedlichen traditionellen Systemen angehören.
Welche traditionelle Bedeutung haben untere Meerpunkte?
In klassischen TCM-Lehrsystemen werden die unteren Meerpunkte insbesondere mit den sechs Fu-Funktionskreisen und deren inneren Funktionen verbunden.
Traditionell finden sich Zuordnungen wie:
- Magen 36 zum Magen,
- Magen 37 zum Dickdarm,
- Magen 39 zum Dünndarm,
- Blase 39 zum Dreifachen Erwärmer,
- Blase 40 zur Blase,
- Gallenblase 34 zur Gallenblase.
Daraus werden in der Akupunktur traditionelle Anwendungsgebiete abgeleitet, beispielsweise in Bezug auf:
- Verdauung,
- Ausscheidung,
- Flüssigkeitsverteilung,
- Unterbauch,
- Gelenke und Bewegungsstrukturen.
Diese Beschreibungen sind Teil des TCM-Modells. Sie sind nicht als pauschale oder garantierte medizinische Wirkungen zu verstehen.
Unterer Meerpunkt und Organerkrankung
Ein empfindlicher unterer Meerpunkt ist kein verlässliches Zeichen für eine Erkrankung des zugeordneten Organs.
Druckempfindlichkeit kann unter anderem entstehen durch:
- beanspruchte Unterschenkelmuskulatur,
- sportliche Belastung,
- langes Stehen oder Gehen,
- Kniebeschwerden,
- Sehnenreizungen,
- frühere Verletzungen,
- Druck durch Kleidung oder Haltung,
- individuelle Schmerzempfindlichkeit.
Eine empfindliche Stelle an Magen 37 erlaubt beispielsweise keine Diagnose einer Dickdarmerkrankung.
Unklare oder anhaltende Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden und nicht allein anhand eines Akupunkturpunktes gedeutet werden.
Warum können die Punkte druckempfindlich sein?
Die unteren Meerpunkte liegen in anatomisch unterschiedlichen Regionen.
Am vorderen äußeren Unterschenkel befinden sich unter anderem:
- Muskeln,
- Muskelhäute,
- Knochenränder,
- sensible Nerven,
- Blutgefäße,
- Bindegewebe.
In der Kniekehle verlaufen:
- Sehnen,
- größere Nerven,
- Arterien und Venen,
- Gelenkkapselstrukturen.
In der Nähe von Gallenblase 34 liegen:
- Wadenbeinköpfchen,
- Sehnenansätze,
- Muskeln,
- der nahe verlaufende Wadenbeinnerv.
Diese anatomischen Gegebenheiten können erklären, warum Druck an den Punktstellen deutlich wahrgenommen wird. Sie bestätigen jedoch nicht automatisch die traditionelle Organ- oder Meridianzuordnung.
Müssen untere Meerpunkte deutlich spürbar sein?
Nein. Ein korrekt lokalisierter Punkt muss weder schmerzen noch kribbeln oder warm werden.
Mögliche Wahrnehmungen reichen von:
- neutralem Druck,
- leichter Empfindlichkeit,
- Wärme,
- einem dumpfen Gefühl,
- bis zu keiner besonderen Reaktion.
Die Empfindung hängt unter anderem von Druckstärke, Muskelspannung, Körperposition und persönlicher Sensibilität ab.
Für Qigong ist keine besondere Punktreaktion notwendig.
Kann man untere Meerpunkte selbst drücken?
Die Punkte an der Vorder- und Außenseite des Unterschenkels sind grundsätzlich gut erreichbar. Trotzdem sollte bei Selbstmassage vorsichtig gearbeitet werden.
Sinnvoll ist:
- den gesamten Bereich zunächst flächig zu berühren,
- mit leichtem Druck zu beginnen,
- nicht direkt auf Knochenkanten zu bohren,
- stechende oder elektrisierende Empfindungen zu vermeiden,
- anschließend den Unterschenkel sanft zu bewegen.
Besondere Vorsicht gilt bei:
- Blase 39,
- Blase 40,
- der Region um das Wadenbeinköpfchen bei Gallenblase 34.
Auf intensiven Druck sollte verzichtet werden bei:
- akuten Knieverletzungen,
- Schwellungen,
- Entzündungen,
- Gefühlsstörungen,
- unklaren Schmerzen,
- Thromboseverdacht,
- offenen Hautstellen.
Akupunktur mit Nadeln sollte von qualifizierten Personen durchgeführt werden. Unsachgemäße oder unsterile Anwendung kann unter anderem Infektionen, Nervenverletzungen und andere ernsthafte Komplikationen verursachen.
Untere Meerpunkte im Qigong
Im Qigong können die Punktregionen über größere Bewegungen einbezogen werden, ohne die sechs Punkte einzeln zu drücken.
Knie weich halten
Blase 39 und Blase 40 liegen in der Kniekehle. Ein sanft gelöstes Knie verhindert, dass diese Region dauerhaft zusammengepresst oder überstreckt wird.
Unterschenkel bewusst wahrnehmen
Magen 36, Magen 37 und Magen 39 liegen entlang des vorderen äußeren Unterschenkels.
Beim Stehen kann die Aufmerksamkeit von den Knien über die Außenseite der Schienbeine bis zu den Fußgelenken geführt werden.
Außenseite der Beine einbeziehen
Gallenblase 34 liegt nahe dem Wadenbeinköpfchen. Seitliche Gewichtsverlagerungen und langsame Drehbewegungen machen die äußere Beinlinie bewusster.
Knie und Füße verbinden
Die Knie sollten bei Gewichtsverlagerungen möglichst in eine stimmige Richtung zu den Füßen geführt werden. Dadurch werden Kniegelenke, Unterschenkel und Fußgelenke gemeinsam in die Bewegung eingebunden.
Ausstreichen statt punktuell drücken
Die Vorder- und Außenseiten der Unterschenkel können mit offenen Händen sanft ausgestrichen werden.
Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Wirkung zu erzwingen, sondern die Wahrnehmung der Beine zu verbessern.
Eine einfache Qigong-Übung für Knie und Unterschenkel
Stelle dich aufrecht hin. Die Füße stehen ungefähr hüftbreit und die Knie bleiben weich.
Verlagere dein Gewicht langsam nach links und rechts.
Achte darauf, dass:
- die Füße Bodenkontakt behalten,
- die Knie der Bewegungsrichtung folgen,
- die Knie nicht nach innen fallen,
- die Kniekehlen nicht durchgedrückt werden.
Beuge anschließend beide Knie leicht und richte dich wieder auf.
Die Bewegung bleibt klein. Du musst nicht tief gehen.
Lege danach beide Hände locker auf die Außenseiten der Unterschenkel. Streiche langsam von unterhalb der Knie in Richtung Fußgelenke und wieder zurück.
Lass die Hände anschließend sinken und spüre:
- die Vorderseiten der Unterschenkel,
- die Außenseiten,
- die Kniekehlen,
- die Verbindung zu Füßen und Hüften.
Es ist nicht notwendig, einen einzelnen unteren Meerpunkt deutlich wahrzunehmen. Wenn du solche Bewegungen begleitet lernen möchtest, findest du in meinen Qigong-Übungsvideos der Kraftquelle einfache Anleitungen für zu Hause.
Die Beine als zusammenhängende Bewegungslinien
Die sechs unteren Meerpunkte verteilen sich auf:
- Vorderseite der Unterschenkel,
- Außenseite der Unterschenkel,
- Rückseite der Knie.
Für die Qigong-Praxis ist es meist sinnvoller, diese Bereiche als zusammenhängende Linien wahrzunehmen.
Eine Bewegung wird nicht nur im Knie ausgeführt. Sie verbindet:
- Füße,
- Fußgelenke,
- Unterschenkel,
- Knie,
- Oberschenkel,
- Hüften,
- Becken.
Die Punkte können dabei eine innere Orientierung geben, sollten die natürliche Gesamtbewegung jedoch nicht durch angestrengte Konzentration ersetzen.
Untere Meerpunkte müssen nicht einzeln stimuliert werden
Die sechs Punkte können bereits durch alltägliche Qigong-Bewegungen einbezogen werden:
- Gewichtsverlagerungen,
- leichtes Beugen und Strecken,
- langsame Schritte,
- Kreisen der Knie in sehr kleinem Umfang,
- Ausstreichen der Unterschenkel,
- sanftes Klopfen der Beinmuskulatur,
- bewusstes Verwurzeln über die Füße.
In der Kniekehle sollte auf kräftiges Klopfen oder tiefen Druck verzichtet werden.
Häufige Missverständnisse
Untere Meerpunkte sind einfach die Meerpunkte der Beinmeridiane
Nein. Sie bilden eine eigene Gruppe aus sechs Punkten, die den sechs Fu-Funktionskreisen zugeordnet wird.
Jeder untere Meerpunkt liegt auf dem Meridian seines Organs
Nein. Dies gilt nur für Magen 36, Blase 40 und Gallenblase 34.
Magen 37, Magen 39 und Blase 39 liegen auf anderen Meridianen als die zugeordneten Funktionskreise.
Dickdarm und Dünndarm besitzen keine eigenen unteren Meerpunkte
Doch. Ihre unteren Meerpunkte sind Magen 37 und Magen 39 auf dem Magen-Meridian.
Der Dreifache Erwärmer besitzt keinen unteren Meerpunkt
Doch. Sein unterer Meerpunkt ist Blase 39 in der äußeren Kniekehle.
Ein schmerzhafter Punkt zeigt eine Erkrankung des zugeordneten Organs
Nein. Druckempfindlichkeit ist unspezifisch und kann zahlreiche örtliche Ursachen haben.
Die Kniekehle sollte kräftig massiert werden
Nein. Dort verlaufen empfindliche Nerven, Gefäße und Sehnen. Sanfte Bewegung und leichte Berührung sind angemessener.
Untere Meerpunkte müssen beim Qigong genau lokalisiert werden
Nein. Für Qigong genügt meist die bewusste Einbeziehung der Knie und Unterschenkel.
Traditionelle und moderne Einordnung
Die unteren Meerpunkte bilden eine traditionelle Punktgruppe innerhalb der TCM.
Ihre gemeinsame Einordnung beruht auf:
- ihrer Lage an den unteren Extremitäten,
- ihrer Zuordnung zu den sechs Fu-Funktionskreisen,
- der Vorstellung, dass sich dort das Qi dieser Funktionskreise vereinigt,
- ihrer traditionellen Verwendung in der Akupunktur.
Modern betrachtet liegen die sechs Punkte in unterschiedlichen anatomischen Regionen der Knie und Unterschenkel.
Dort können unter anderem angesprochen werden:
- Muskeln,
- Sehnen,
- Faszien,
- Nerven,
- Blutgefäße,
- Gelenkstrukturen,
- Knochen und Knochenhaut.
Diese anatomischen Strukturen können erklären, weshalb Druck oder Bewegung an den Punktregionen wahrnehmbar ist. Sie bestätigen jedoch nicht automatisch die traditionellen Beziehungen zu den sechs Fu-Funktionskreisen.
Ein bodenständiger Zugang unterscheidet deshalb:
Die unteren Meerpunkte sind anatomisch beschreibbare Körperstellen. Ihre gemeinsame Bedeutung als Lower-He-Sea-Punkte gehört zum traditionellen Ordnungssystem der TCM.
Weiterführende Beiträge zu den unteren Meerpunkten
Die folgenden Beiträge vertiefen die regulären Meerpunkte und weitere Punktgruppen der traditionellen Akupunkturlehre.
Meerpunkte an Ellenbogen und Knien
Die regulären Meerpunkte bilden die fünfte Stufe der fünf antiken Punkte auf jedem Hauptmeridian. Der Beitrag erklärt die zwölf He-Sea-Punkte und grenzt sie von den unteren Meerpunkten ab.
→ Meerpunkte an Ellenbogen und Knien
Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Luo-Punkte werden traditionell mit der Verbindung gekoppelter Yin- und Yang-Meridiane in Beziehung gebracht. Der Beitrag erklärt die Punktgruppe und die klassische Yuan-Luo-Kombination.
→ Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Die fünf antiken Punkte einfach erklärt
Brunnen-, Quell-, Bach-, Fluss- und Meerpunkt bilden eine gemeinsame Reihe auf jedem Hauptmeridian. Der Beitrag erläutert Wasserbild, Lage und Wandlungsphasen.
→ Die fünf antiken Punkte einfach erklärt
Ursprungspunkte der Meridiane
Ursprungspunkte werden traditionell mit dem Yuan-Qi und dem jeweiligen Organfunktionskreis verbunden. Der Beitrag stellt die zwölf Yuan-Source-Punkte vor.
→ Ursprungspunkte der Meridiane
Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Akupunkturpunkte können als Orientierung für Bewegung, Berührung und Selbstmassage dienen. Der Beitrag beschreibt einen sanften Zugang ohne erzwungene Empfindungen.
→ Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Fazit: Sechs besondere Punkte an Knien und Unterschenkeln
Die unteren Meerpunkte bilden eine eigenständige Gruppe aus sechs Akupunkturpunkten an den Beinen.
Sie werden traditionell den sechs Fu-Funktionskreisen zugeordnet:
- MA 36 zum Magen,
- MA 37 zum Dickdarm,
- MA 39 zum Dünndarm,
- BL 39 zum Dreifachen Erwärmer,
- BL 40 zur Blase,
- GB 34 zur Gallenblase.
Drei dieser Punkte sind gleichzeitig reguläre Meerpunkte ihres Meridians:
- Magen 36,
- Blase 40,
- Gallenblase 34.
Die drei übrigen Punkte liegen auf einem anderen Meridian als der ihnen zugeordnete Funktionskreis.
Für Qigong-Übende können die unteren Meerpunkte vor allem als Orientierung für Knie und Unterschenkel dienen. Dafür müssen sie nicht kräftig gedrückt oder exakt einzeln gesucht werden.
Ein sanfter Zugang genügt: Knie weich bewegen, Gewicht ruhig verlagern, Unterschenkel ausstreichen und die Beine als zusammenhängende Verbindung zwischen Füßen und Becken wahrnehmen.
Häufige Fragen zu unteren Meerpunkten (Lower He-Sea)
Was sind untere Meerpunkte?
Untere Meerpunkte (englisch Lower He-Sea) sind eine besondere Gruppe von sechs Akupunkturpunkten, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin den sechs Yang- beziehungsweise Fu-Funktionskreisen zugeordnet werden. Sie liegen ausschließlich an den Beinen – im Kniebereich oder unmittelbar darunter.
Warum heißen sie untere Meerpunkte?
Neben den zwölf regulären Meerpunkten der fünf antiken Punkte kennt die klassische Punktlehre eine zweite Gruppe von „Meerpunkten“, die alle an den unteren Extremitäten liegen – daher der Zusatz „untere“. Sie werden den sechs Fu-Funktionskreisen zugeordnet: Magen, Dickdarm, Dünndarm, Blase, Gallenblase und Dreifacher Erwärmer.
Wo liegen die unteren Meerpunkte am Körper?
Alle sechs unteren Meerpunkte liegen an den Beinen. Drei davon befinden sich auf dem Magen-Meridian (MA 36 für Magen, MA 37 für Dickdarm, MA 39 für Dünndarm), zwei in der Kniekehle auf dem Blasen-Meridian (BL 39 für Dreifachen Erwärmer, BL 40 für Blase) und einer auf dem Gallenblasen-Meridian (GB 34 für Gallenblase).
Wie viele untere Meerpunkte gibt es?
Es gibt genau sechs untere Meerpunkte – je einen für jeden der sechs Fu-Funktionskreise. Auffällig: Drei dieser Punkte gehören zugleich zu den regulären Meerpunkten der fünf antiken Punkte (MA 36, BL 40 und GB 34), erfüllen also gleichzeitig zwei traditionelle Rollen.
Welche Bedeutung haben untere Meerpunkte in der TCM?
Untere Meerpunkte werden in der klassischen Punktlehre traditionell mit den Fu-Funktionskreisen und Themen des inneren Yang verbunden. Ihnen werden Aufgaben wie die zugeordneten Funktionsgebiete regulieren, Qi in tiefere Körperregionen leiten oder Beschwerden im Bereich der Fu-Organe ansprechen zugeschrieben. Diese Angaben beruhen auf dem traditionellen TCM-Modell und sind nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Wirkung gleichzusetzen.
Sind untere Meerpunkte dasselbe wie die regulären Meerpunkte?
Nein, die beiden Gruppen sollten unterschieden werden. Die zwölf regulären Meerpunkte gehören zu den fünf antiken Punkten und liegen auf allen zwölf Hauptmeridianen an Ellenbogen und Knien. Die sechs unteren Meerpunkte sind eine separate Gruppe ausschließlich für die Fu-Funktionskreise und liegen alle an den Beinen. Drei Punkte gehören zu beiden Gruppen gleichzeitig.
Können untere Meerpunkte in der Selbstanwendung oder im Qigong genutzt werden?
Die Akupunktur von unteren Meerpunkten gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen. Für Qigong-Übende können Knie, Unterschenkel und Beinlinien über natürliche Gelenkbewegungen einbezogen werden – Knie locker beugen und strecken, im Stand das Gewicht bewusst spüren – ohne stechenden Druck oder gezieltes Bohren. Ein Beispiel für einen bekannten unteren Meerpunkt ist Blase 40 (BL 40) Weizhong in der Kniekehle, der gleichzeitig der Meerpunkt des Blasen-Meridians ist.
Hinweis zur Einordnung
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.
→ Zurück zur Übersicht: Akupunkturpunkte-Übersicht
