Die acht einflussreichen Punkte bilden eine besondere Gruppe innerhalb der traditionellen Akupunkturlehre. Sie werden auch bezeichnet als:
- acht Hui-Punkte,
- acht Versammlungspunkte,
- acht Zusammenkunftspunkte,
- Eight Influential Points,
- Eight Hui-Meeting Points.
Jedem dieser Punkte wird traditionell ein größerer Funktions- oder Gewebebereich zugeordnet. Dazu gehören die Zang- und Fu-Funktionskreise sowie Qi, Blut, Sehnen, Gefäße, Knochen und Mark. Auch in der nordamerikanischen Ausbildungs- und Prüfungsnomenklatur werden sie als acht Versammlungspunkte bestimmter Energien, Organe und Gewebe geführt.
Die Zuordnungen gehören zum traditionellen Modell der Chinesischen Medizin. Sie bedeuten nicht, dass sich über einen einzelnen Punkt Erkrankungen der Knochen, Blutgefäße, Organe oder des Knochenmarks sicher feststellen oder behandeln lassen.
Für Qigong-Übende können die acht Punkte vor allem als Orientierung für größere Körperräume dienen:
- Brustkorb und Atmung,
- Bauch und Körpermitte,
- Rippen und Flanken,
- Rücken und Wirbelsäule,
- Handgelenke,
- Knie und Unterschenkel.
Der übergeordnete Rahmen dieser Punktlehre wird im Beitrag Akupunkturpunkte in TCM und Qigong ausführlich beschrieben.
Was bedeutet Hui?
Der chinesische Begriff Hui kann mit „zusammenkommen“, „sich versammeln“ oder „sich treffen“ übersetzt werden.
Nach traditioneller Vorstellung besitzt jeder der acht Punkte eine besondere Beziehung zu einer übergeordneten Kategorie:
- LE 13 zu den Zang-Funktionskreisen,
- KG 12 zu den Fu-Funktionskreisen,
- KG 17 zum Qi,
- BL 17 zum Blut,
- GB 34 zu den Sehnen,
- LU 9 zu den Gefäßen,
- BL 11 zu den Knochen,
- GB 39 zum Mark.
Deshalb werden die Punkte nicht nur nach ihrem eigenen Meridian eingeordnet. Ein Punkt kann gleichzeitig:
- Teil eines Hauptmeridians sein,
- eine eigene lokale Bedeutung besitzen,
- einer Sonderpunktgruppe angehören,
- mit einem größeren Funktionsbereich verbunden werden.
Die acht einflussreichen Punkte im Überblick
| Traditionelle Zuordnung | Punkt | Chinesischer Name | Körperregion |
|---|---|---|---|
| Zang-Funktionskreise | LE 13 | Zhangmen | seitlicher Rippenbereich |
| Fu-Funktionskreise | KG 12 | Zhongwan | Oberbauch |
| Qi | KG 17 | Shanzhong | Brustmitte |
| Blut | BL 17 | Geshu | mittlerer Rücken |
| Sehnen | GB 34 | Yanglingquan | Knie/Unterschenkel |
| Gefäße | LU 9 | Taiyuan | Handgelenk |
| Knochen | BL 11 | Dashu | oberer Rücken |
| Mark | GB 39 | Xuanzhong | äußerer Unterschenkel |
Die internationale Punktbezeichnung und die anatomische Lokalisation der Akupunkturpunkte wurden durch die WHO standardisiert. Die Einteilung als einflussreiche oder Hui-Punkte gehört dagegen zur traditionellen Punktkategorisierung.
LE 13 – Zhangmen: einflussreicher Punkt der Zang-Funktionskreise
LE 13 liegt seitlich am Rumpf nahe dem freien Ende der elften Rippe.
Der Punkt befindet sich auf dem Leber-Meridian, wird traditionell jedoch nicht nur mit dem Leberfunktionskreis verbunden. Als einflussreicher Punkt der Zang-Funktionskreise steht er übergeordnet für die fünf Yin-Funktionskreise:
- Leber,
- Herz,
- Milz,
- Lunge,
- Niere.
In manchen Einteilungen wird auch der Herzbeutel als zusätzlicher Yin-Funktionskreis berücksichtigt.
Was bedeutet Zang?
Der Begriff Zang wird häufig mit „Speicherorgane“ übersetzt. Gemeint sind jedoch nicht einfach die anatomischen Organe der westlichen Medizin.
Die Zang-Funktionskreise beschreiben in der TCM umfassende Zusammenhänge zwischen:
- Körperfunktionen,
- Geweben,
- Sinnesorganen,
- Emotionen,
- Flüssigkeiten,
- verschiedenen traditionellen Qi- und Blutprozessen.
Die Aussage, LE 13 beeinflusse die Zang-Organe, darf deshalb nicht so verstanden werden, dass der Punkt nachweislich sämtliche anatomischen Organe behandelt.
LE 13 im Qigong wahrnehmen
Die Region um LE 13 bewegt sich bei:
- Seitneigungen,
- Rumpfdrehungen,
- tieferer Rippenbewegung,
- seitlichen Armbewegungen,
- Gewichtsverlagerungen.
Eine einfache Wahrnehmung entsteht, wenn beide Hände locker an den seitlichen unteren Rippen liegen.
Beim Einatmen kann die seitliche Ausdehnung des Brustkorbs gespürt werden. Beim Ausatmen dürfen Rippen und Bauchdecke wieder weicher werden.
Der Punkt liegt an einer empfindlichen Rippenregion. Kräftiger oder bohrender Druck gegen das freie Rippenende ist nicht notwendig.
KG 12 – Zhongwan: einflussreicher Punkt der Fu-Funktionskreise
KG 12 liegt auf der vorderen Körpermittellinie im Oberbauch, ungefähr in der Mitte zwischen Bauchnabel und Verbindung von Brustbein und Rippenbogen.
In der standardisierten WHO-Lokalisation befindet sich KG 12 vier proportionale Cun oberhalb des Bauchnabels.
KG 12 ist:
- ein Punkt des Konzeptionsgefäßes,
- der Front-Mu-Punkt des Magens,
- der einflussreiche Punkt der Fu-Funktionskreise.
Was bedeutet Fu?
Fu wird häufig mit „Hohlorgane“ übersetzt. Zu den sechs Fu-Funktionskreisen gehören traditionell:
- Magen,
- Dünndarm,
- Dickdarm,
- Gallenblase,
- Blase,
- Dreifacher Erwärmer.
Auch diese Funktionskreise sind nicht vollständig mit den anatomischen Organen gleichzusetzen.
Der Dreifache Erwärmer besitzt beispielsweise kein direkt entsprechendes Einzelorgan. Er beschreibt ein traditionelles Funktionsmodell der oberen, mittleren und unteren Körperräume.
KG 12 im Qigong wahrnehmen
KG 12 liegt in einem zentralen Bereich für:
- Bauchbewegung,
- Atmung,
- Aufrichtung,
- Entspannung des Oberbauchs,
- Verbindung zwischen Brustkorb und Becken.
Lege eine oder beide Hände locker auf den Oberbauch.
Spüre, ob die Bauchdecke beim Atmen weich bleiben kann. Der Atem muss nicht absichtlich tief in den Bauch gedrückt werden.
Nach dem Essen oder bei akuten und ungeklärten Bauchbeschwerden sollte der Bereich nicht kräftig massiert werden.
KG 17 – Shanzhong: einflussreicher Punkt des Qi
KG 17 liegt auf der vorderen Körpermittellinie in der Mitte des Brustkorbs, ungefähr auf Höhe des vierten Zwischenrippenraumes. Die WHO verwendet diesen Zwischenrippenraum als einen anatomischen Orientierungspunkt für die Punktlokalisation am Brustkorb.
KG 17 wird traditionell als einflussreicher Punkt des Qi bezeichnet.
Dabei ist nicht jede Form von Qi gemeint. Der Punkt wird besonders mit dem Qi des Brustkorbs und der Atmung in Beziehung gebracht.
Qi im Brustraum
In der TCM wird der Brustraum unter anderem mit dem sogenannten Zong-Qi verbunden. Dieses wird in traditionellen Erklärungen mit:
- Atmung,
- Stimme,
- Brustraum,
- Herz- und Lungenfunktion,
- Verteilung von Qi im Oberkörper
in Beziehung gebracht.
Diese traditionelle Zuordnung ist kein Nachweis, dass KG 17 Erkrankungen von Herz oder Lunge behandelt.
KG 17 im Qigong wahrnehmen
Der Bereich eignet sich gut für eine sanfte Handauflage.
Lege eine Hand locker auf die Brustmitte. Die Schultern sinken, ohne nach vorn gezogen zu werden.
Spüre:
- die Bewegung des Brustbeins,
- die Ausdehnung der Rippen,
- die Weite zwischen den Schulterblättern,
- die Verbindung zwischen Atem und Armbewegung.
Beim Qigong sollte der Brustkorb weder herausgedrückt noch absichtlich starr gehalten werden.
Bei Brustschmerzen, Atemnot oder starkem Druckgefühl ist eine medizinische Abklärung erforderlich. Der Punkt dient nicht zur Selbstdiagnose.
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BL 17 – Geshu: einflussreicher Punkt des Blutes
BL 17 liegt beidseits der Wirbelsäule im mittleren Brustwirbelsäulenbereich. Nach der standardisierten Lokalisation befindet er sich auf Höhe des unteren Randes des Dornfortsatzes des siebten Brustwirbels und seitlich der hinteren Körpermittellinie.
Der Punkt wird traditionell bezeichnet als:
- Rücken-Shu-Punkt des Zwerchfells,
- einflussreicher Punkt des Blutes.
Was bedeutet Blut in der TCM?
Der traditionelle Begriff Xue, meist mit Blut übersetzt, überschneidet sich nur teilweise mit dem medizinischen Begriff Blut.
Xue wird in der TCM unter anderem mit:
- Ernährung der Gewebe,
- Versorgung der Sinnesorgane,
- Bewegung,
- Menstruation,
- innerer Ruhe,
- Verbindung von Körper und Geist
in Beziehung gebracht.
Die Bezeichnung „einflussreicher Punkt des Blutes“ bedeutet daher nicht, dass BL 17 Blutwerte, Blutgerinnung oder Bluterkrankungen zuverlässig beeinflusst.
BL 17 im Qigong wahrnehmen
BL 17 liegt in einer Region, die beim Qigong häufig durch:
- Armöffnungen,
- Drehbewegungen,
- Aufrichtung,
- Rippenatmung,
- Weiten des Rückens
angesprochen wird.
Eine mögliche Übung:
- Beide Arme vor dem Körper halten.
- Die Hände langsam nach außen führen.
- Den Brustraum öffnen, ohne ins Hohlkreuz zu gehen.
- Gleichzeitig die Region zwischen und unter den Schulterblättern weit lassen.
- Die Arme wieder nach vorn führen.
Der Punkt ist für die eigene Hand nur schwer erreichbar. Eine genaue Punktmassage ist für Qigong nicht erforderlich.
GB 34 – Yanglingquan: einflussreicher Punkt der Sehnen
GB 34 liegt an der Außenseite des Unterschenkels in einer Vertiefung vor und unterhalb des Wadenbeinköpfchens. Diese Orientierung an der Fibula entspricht der WHO-Punktlokalisation.
GB 34 ist:
- Meerpunkt des Gallenblasen-Meridians,
- Erde-Punkt des Gallenblasen-Meridians,
- einflussreicher Punkt der Sehnen.
Was bedeutet „Sehnen“?
Der traditionelle Begriff Jin umfasst mehr als die anatomischen Sehnen.
Je nach Übersetzung kann er auch Beziehungen einschließen zu:
- Bändern,
- Faszien,
- Muskel-Sehnen-Ketten,
- Spannung und Beweglichkeit,
- Beugen und Strecken,
- Stabilität der Gelenke.
Es wäre daher zu eng, GB 34 nur einer einzelnen Sehne am Knie zuzuordnen.
Ebenso wenig beweist eine Druckempfindlichkeit an GB 34 eine allgemeine Sehnenerkrankung.
GB 34 im Qigong wahrnehmen
Der Bereich wird bei fast allen stehenden Übungen einbezogen:
- Knie beugen und strecken,
- Gewicht verlagern,
- Schritte ausführen,
- Hüfte drehen,
- Standweite verändern.
Achte darauf, dass das Knie in Richtung der Zehen geführt wird. Es sollte nicht nach innen fallen.
Eine kleine, ruhige Kniebeugung ist für die Körperwahrnehmung meist sinnvoller als eine tiefe Haltung.
LU 9 – Taiyuan: einflussreicher Punkt der Gefäße
LU 9 liegt an der Daumenseite der Handgelenksfalte nahe der Speichenarterie.
Die WHO lokalisiert den Punkt auf der vorderen Außenseite des Handgelenks zwischen Speichengriffelfortsatz und Kahnbein, in einer Vertiefung neben der Sehne des langen Daumenabspreizers.
LU 9 ist:
- Ursprungspunkt des Lungen-Meridians,
- Bachpunkt des Lungen-Meridians,
- Erde-Punkt des Lungen-Meridians,
- einflussreicher Punkt der Gefäße.
Was bedeutet „Gefäße“?
Der traditionelle Begriff Mai kann je nach Zusammenhang bedeuten:
- Gefäße,
- Pulsgefäße,
- Meridianbahnen,
- verbindende Leitungsstrukturen,
- Puls und Zirkulation.
Die Einordnung von LU 9 als einflussreicher Punkt der Gefäße ist keine Aussage darüber, dass der Punkt Gefäßkrankheiten, Thrombosen oder Durchblutungsstörungen sicher behandelt.
LU 9 im Qigong wahrnehmen
LU 9 lässt sich gut über sanfte Handbewegungen einbeziehen.
Bewege die Handgelenke langsam:
- beugen und strecken,
- nach innen und außen drehen,
- Handflächen öffnen,
- Finger entspannt spreizen.
Der Pulsbereich sollte nicht kräftig zusammengedrückt werden.
Eine sanfte Berührung reicht aus. Taubheit, elektrisierende Empfindungen oder ein unangenehmer Druck auf die Arterie sind kein Übungsziel.
BL 11 – Dashu: einflussreicher Punkt der Knochen
BL 11 liegt im oberen Rücken beidseits der Wirbelsäule, ungefähr auf Höhe des ersten Brustwirbels. In der standardisierten Punktlokalisation befindet er sich seitlich des unteren Randes des Dornfortsatzes von T1.
Der Punkt ist der einflussreiche Punkt der Knochen.
Knochen in der TCM
Die Knochen werden traditionell dem Nierenfunktionskreis zugeordnet. Gleichzeitig besitzt BL 11 als Hui-Punkt eine übergeordnete Beziehung zum gesamten Knochensystem.
Diese traditionelle Zuordnung bedeutet nicht, dass Druck oder Akupunktur an BL 11:
- Osteoporose diagnostiziert,
- Knochenbrüche behandelt,
- die Knochendichte sicher erhöht,
- Wirbelsäulenerkrankungen ausschließt.
BL 11 im Qigong wahrnehmen
Die Region liegt am Übergang von:
- Nacken,
- Schultergürtel,
- oberem Rücken,
- Brustwirbelsäule.
Bei Qigong-Übungen kann auf eine sanfte Aufrichtung geachtet werden:
- Das Kinn leicht zurücknehmen.
- Den Hinterkopf nach oben ausrichten.
- Die Schultern locker sinken lassen.
- Den oberen Rücken weit werden lassen.
- Das Brustbein nicht nach vorn drücken.
Die Aufrichtung entsteht nicht durch eine starre Wirbelsäule, sondern durch eine ausgeglichene Verbindung von Stabilität und Beweglichkeit.
GB 39 – Xuanzhong: einflussreicher Punkt des Marks
GB 39 liegt an der Außenseite des Unterschenkels oberhalb des Außenknöchels, am vorderen Rand des Wadenbeins.
Traditionell wird der Punkt etwa drei proportionale Cun oberhalb der höchsten Stelle des Außenknöchels lokalisiert.
GB 39 ist der einflussreiche Punkt des Marks.
Was bedeutet Mark?
Der traditionelle Begriff Sui wird häufig mit „Mark“ übersetzt. Er umfasst im TCM-Modell jedoch mehr als das anatomische Knochenmark.
Traditionell werden dazu Beziehungen beschrieben zu:
- Knochenmark,
- Rückenmark,
- Gehirn,
- geistiger Klarheit,
- Ernährung der Knochen,
- Entwicklung und Alterungsprozessen.
Diese Zusammenfassung entspricht nicht der modernen anatomischen und neurologischen Einteilung.
GB 39 kann daher weder Erkrankungen des Knochenmarks noch des Gehirns oder Rückenmarks zuverlässig erkennen oder behandeln.
GB 39 im Qigong wahrnehmen
Die Region wird bei:
- Standübungen,
- Gewichtsverlagerungen,
- Fersenheben,
- langsamen Schritten,
- Drehbewegungen der Beine
angesprochen.
Achte darauf, den Fuß nicht dauerhaft nur über die Außenkante zu belasten.
Ein ausgeglichener Fußkontakt umfasst:
- Ferse,
- Großzehenballen,
- Kleinzehenballen.
Dadurch kann sich die Beinachse ruhiger bis zum Knie und zur Hüfte fortsetzen.
Warum liegen die acht Punkte auf unterschiedlichen Meridianen?
Die acht einflussreichen Punkte befinden sich auf sieben verschiedenen Meridianen beziehungsweise Gefäßen:
- Leber-Meridian,
- Konzeptionsgefäß,
- Blasen-Meridian,
- Gallenblasen-Meridian,
- Lungen-Meridian.
Das Konzept folgt daher nicht einem einzigen Meridianverlauf.
Die Punkte wurden traditionell nach ihrer übergeordneten Beziehung zu bestimmten Funktions- und Gewebebereichen zusammengefasst.
Das unterscheidet sie beispielsweise von:
- den fünf antiken Punkten, die auf jedem Hauptmeridian eine feste Abfolge bilden,
- den Luo-Punkten, die jedem Hauptmeridian einen Verbindungspunkt zuordnen,
- den Xi-Punkten, die Hauptmeridianen und vier außerordentlichen Gefäßen zugeordnet sind,
- den Rücken-Shu-Punkten, die alle auf dem Blasen-Meridian liegen.
Überschneidung mit anderen Punktgruppen
Mehrere der acht einflussreichen Punkte gehören gleichzeitig zu anderen Sonderpunktgruppen.
| Punkt | Weitere traditionelle Zuordnung |
|---|---|
| LE 13 | Front-Mu-Punkt der Milz |
| KG 12 | Front-Mu-Punkt des Magens |
| KG 17 | Front-Mu-Punkt des Herzbeutels |
| BL 17 | Rücken-Shu-Punkt des Zwerchfells |
| GB 34 | Meerpunkt und Erde-Punkt |
| LU 9 | Ursprungspunkt, Bachpunkt und Erde-Punkt |
| BL 11 | besonderer Punkt des Blasen-Meridians |
| GB 39 | besonderer Punkt des Gallenblasen-Meridians |
Das zeigt, dass die traditionellen Punktkategorien keine voneinander vollständig getrennten Systeme darstellen.
Ein Punkt kann je nach Zusammenhang aus unterschiedlichen Gründen ausgewählt werden.
Gehören die acht einflussreichen Punkte zu den fünf antiken Punkten?
Nur zwei der acht Punkte gehören gleichzeitig zur Gruppe der fünf antiken Punkte:
- GB 34 ist der Meerpunkt des Gallenblasen-Meridians.
- LU 9 ist der Bachpunkt des Lungen-Meridians.
Die übrigen sechs einflussreichen Punkte gehören nicht zur Abfolge von Brunnen-, Quell-, Bach-, Fluss- und Meerpunkt.
Unterschied zu den acht Öffnungspunkten
Die acht einflussreichen Punkte werden leicht mit den acht Öffnungspunkten der außerordentlichen Gefäße verwechselt.
Es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Gruppen.
| Acht einflussreiche Punkte | Acht Öffnungspunkte |
|---|---|
| Beziehung zu Organen, Qi, Blut und Geweben | Beziehung zu den acht außerordentlichen Gefäßen |
| LE 13, KG 12, KG 17, BL 17, GB 34, LU 9, BL 11, GB 39 | MI 4, PE 6, LU 7, NI 6, DÜ 3, BL 62, GB 41, 3E 5 |
| keine festen Punktpaare | traditionell in vier Paaren kombiniert |
| Hui- oder Versammlungspunkte | Meister-, Schlüssel- oder Öffnungspunkte |
Die Bezeichnung „acht“ ist die wichtigste Gemeinsamkeit. Inhaltlich erfüllen beide Gruppen unterschiedliche traditionelle Funktionen.
Lassen sich die acht Kategorien wissenschaftlich nachweisen?
Die Punkte besitzen standardisierte anatomische Lagen. Die WHO beschreibt dafür Körperregionen, anatomische Orientierungspunkte und proportionale Messverfahren.
Nicht entsprechend standardisiert oder naturwissenschaftlich bestätigt ist jedoch die Vorstellung, dass jeweils ein Punkt eine übergeordnete Kontrolle über:
- alle Zang-Organe,
- alle Fu-Organe,
- das gesamte Qi,
- das gesamte Blut,
- sämtliche Sehnen,
- alle Gefäße,
- alle Knochen,
- oder das gesamte Mark
besitzt.
Wissenschaftliche Untersuchungen zu Akupunktur prüfen meist einzelne Beschwerden oder konkrete Punktkombinationen. Aus einem möglichen Ergebnis für eine bestimmte Anwendung lässt sich nicht automatisch die gesamte traditionelle Hui-Systematik bestätigen.
Ein sachlicher Zugang unterscheidet deshalb zwischen:
- der klar beschreibbaren anatomischen Lage,
- der traditionellen Punktkategorie,
- der jeweiligen klinischen Forschung,
- individuellen Erfahrungen mit Berührung oder Bewegung.
Zeigt Druckempfindlichkeit eine Störung des zugeordneten Gewebes?
Nein. Ein empfindlicher Hui-Punkt erlaubt keine sichere Diagnose.
Mögliche örtliche Ursachen sind:
- Muskelspannung,
- sportliche Belastung,
- Druck durch Kleidung oder Schuhe,
- gereizte Sehnen,
- Gelenkbelastung,
- frühere Verletzungen,
- Rippen- oder Wirbelgelenke,
- empfindliche Nerven,
- individuelle Schmerzwahrnehmung.
Beispiele:
- Ein empfindlicher GB 34 beweist keine allgemeine Sehnenstörung.
- Ein schmerzhafter BL 11 beweist keine Knochenerkrankung.
- Ein druckempfindlicher LU 9 beweist keine Gefäßkrankheit.
- Ein empfindlicher BL 17 erlaubt keine Aussage über das Blutbild.
Die acht einflussreichen Punkte im Qigong verbinden
Für Qigong ist es nicht notwendig, alle Punkte nacheinander zu drücken.
Der Grundgedanke lässt sich über größere Körperräume erfahren.
Brustkorb und Qi
KG 17 kann als Orientierung für die Brustmitte dienen.
Eine weiche Armöffnung verbindet:
- Brustbein,
- Rippen,
- Schulterblätter,
- Atembewegung.
Oberbauch und Fu-Funktionskreise
KG 12 liegt in der Mitte des Oberbauchs.
Eine entspannte Bauchdecke unterstützt:
- freie Atmung,
- Beweglichkeit des Rumpfes,
- Verbindung von Brustkorb und Becken.
Flanken und Zang-Funktionskreise
LE 13 liegt seitlich am unteren Rippenbereich.
Drehungen und Seitbewegungen lassen die Flanken weich und beweglich werden.
Oberer und mittlerer Rücken
BL 11 und BL 17 können als Orientierung für:
- Aufrichtung,
- obere Brustwirbelsäule,
- Schulterblattbewegung,
- Rückenweite
dienen.
Knie und Sehnen
GB 34 liegt nahe dem Knie.
Langsame Kniebewegungen verbinden:
- Füße,
- Knie,
- Hüften,
- Gleichgewicht.
Handgelenk und Gefäße
LU 9 liegt am Handgelenk.
Sanfte Handbewegungen fördern die Wahrnehmung von:
- Fingern,
- Handflächen,
- Unterarmen,
- Ellenbogen,
- Schultern.
Unterschenkel und Mark
GB 39 liegt an der äußeren Beinlinie.
Ruhige Gewichtsverlagerungen verbinden Fuß, Unterschenkel, Knie und Hüfte.
Eine einfache Ganzkörperübung
Stelle dich etwa hüftbreit hin. Die Knie bleiben weich.
1. Körpermitte wahrnehmen
Lege beide Hände locker auf den Oberbauch.
Atme einige Atemzüge ruhig. Spüre KG 12 nicht als isolierten Punkt, sondern als Teil der gesamten Körpermitte.
2. Brustraum öffnen
Hebe die Hände langsam vor den Brustkorb.
Öffne die Arme zur Seite. Der Brustraum wird weiter, während der obere Rücken ebenfalls offen bleibt.
Spüre die Region um KG 17 sowie den Raum um BL 11 und BL 17.
3. Hände und Handgelenke bewegen
Drehe die Handflächen nach oben und wieder nach unten.
Lass die Handgelenke weich. Nimm die Daumenseite um LU 9 wahr.
4. Gewicht verlagern
Lass die Hände sinken und verlagere das Gewicht langsam nach links und rechts.
Spüre:
- die Außen- und Innenseiten der Füße,
- die Knie,
- den Bereich um GB 34,
- die äußere Beinlinie um GB 39.
5. Flanken einbeziehen
Führe beide Hände seitlich nach außen und drehe den Oberkörper sanft nach links und rechts.
Die Bewegung bleibt klein. Spüre die seitlichen Rippenbereiche um LE 13.
6. Abschluss
Kehre zur Mitte zurück.
Lege die Hände auf den Unterbauch und stehe einige Atemzüge ruhig.
Es ist nicht notwendig, eine besondere energetische Empfindung hervorzurufen. Die Übung dient der ruhigen Verbindung verschiedener Körperräume. Wenn du solche Bewegungen begleitet lernen möchtest, findest du in meinen Qigong-Übungsvideos der Kraftquelle einfache Anleitungen für zu Hause.
Sanfte Berührung statt kräftiger Punktstimulation
Für eine körperorientierte Wahrnehmung reichen meist:
- flächige Handauflage,
- sanftes Ausstreichen,
- kleine Kreisbewegungen,
- ruhige Gelenkbewegungen,
- bewusste Atmung.
Besonders vorsichtig sollten folgende Regionen behandelt werden:
- LE 13 an der freien Rippe,
- KG 12 am Oberbauch,
- KG 17 am Brustbein,
- BL 11 und BL 17 am Brustkorb,
- LU 9 nahe der Speichenarterie,
- GB 34 nahe dem Wadenbeinköpfchen.
Akupunktur mit Nadeln sollte qualifizierten Behandelnden vorbehalten bleiben. Unsachgemäße oder nicht sterile Anwendung kann unter anderem Infektionen, Organverletzungen und Verletzungen des Nervensystems verursachen.
Häufige Missverständnisse
Jeder einflussreiche Punkt behandelt den gesamten zugeordneten Bereich
Nein. Die Zuordnung beschreibt eine traditionelle Punktkategorie und keine garantierte Wirkung.
Der einflussreiche Punkt des Blutes verändert das Blutbild
Nein. BL 17 ersetzt weder Laboruntersuchungen noch eine medizinische Behandlung.
Der einflussreiche Punkt der Knochen stärkt nachweislich die Knochendichte
Diese pauschale Aussage ist wissenschaftlich nicht belegt.
Mit „Mark“ ist ausschließlich das Knochenmark gemeint
Nein. Der traditionelle Begriff umfasst auch Beziehungen zu Gehirn und Rückenmark und ist nicht mit dem modernen anatomischen Begriff identisch.
Alle acht Punkte liegen auf einem Meridian
Nein. Sie verteilen sich auf verschiedene Meridiane und das Konzeptionsgefäß.
Die acht einflussreichen Punkte sind die Öffnungspunkte der außerordentlichen Gefäße
Nein. Es handelt sich um zwei eigenständige Gruppen.
Jeder Punkt muss stark gedrückt werden
Nein. Für Qigong und Körperwahrnehmung genügt eine sanfte Berührung oder Bewegung der gesamten Region.
Traditionelle und moderne Einordnung
Traditionell dienen die acht Hui-Punkte als übergeordnete Zugänge zu:
- Zang- und Fu-Funktionskreisen,
- Qi und Blut,
- Sehnen und Gefäßen,
- Knochen und Mark.
Modern betrachtet liegen die Punkte über sehr unterschiedlichen anatomischen Strukturen:
- Rippen,
- Muskeln,
- Sehnen,
- Gelenkregionen,
- Arterien,
- Bindegewebe,
- Knochenvorsprüngen,
- Wirbelsäulen- und Brustkorbbereichen.
Diese Strukturen können erklären, weshalb Berührung und Bewegung an den Regionen deutlich wahrgenommen werden.
Sie bestätigen jedoch nicht automatisch die traditionelle Vorstellung, dass jeweils ein einzelner Punkt sämtliche Organe oder Gewebe einer Kategorie beeinflusst.
Ein bodenständiger Zugang unterscheidet deshalb:
Die acht einflussreichen Punkte sind anatomisch lokalisierbare Akupunkturpunkte. Ihre übergeordnete Zuordnung zu Organen, Qi, Blut und Geweben gehört zum traditionellen Modell der Chinesischen Medizin.
Weiterführende Beiträge zu den acht einflussreichen Punkten
Die folgenden Beiträge vertiefen weitere Punktgruppen der traditionellen Akupunkturlehre, die sich teilweise mit den acht einflussreichen Punkten überschneiden.
Rücken-Shu- und Bauch-Mu-Punkte
Rücken-Shu- und Front-Mu-Punkte stellen traditionelle Beziehungen zu den zwölf Organfunktionskreisen über Vorder- und Rückseite des Körpers her.
→ Rücken-Shu- und Bauch-Mu-Punkte im Vergleich
Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Luo-Punkte werden traditionell mit der Verbindung gekoppelter Yin- und Yang-Meridiane in Beziehung gebracht.
→ Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Xi-Spaltenpunkte der Meridiane
Die 16 Xi-Punkte werden traditionell mit einer tieferen Ansammlung des Meridian-Qi und akuten Veränderungen verbunden.
→ Xi-Spaltenpunkte der Meridiane
Öffnungspunkte der außerordentlichen Gefäße
Die acht Öffnungspunkte werden den acht außerordentlichen Gefäßen zugeordnet und traditionell in vier Punktpaaren kombiniert.
→ Öffnungspunkte der außerordentlichen Gefäße
Die fünf antiken Punkte
Brunnen-, Quell-, Bach-, Fluss- und Meerpunkt bilden eine feste Punktfolge auf den zwölf Hauptmeridianen.
→ Die fünf antiken Punkte einfach erklärt
Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Akupunkturpunkte können als Orientierung für Körperräume, Bewegungslinien und sanfte Selbstberührung genutzt werden.
→ Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Fazit: Acht Punkte mit übergeordneten traditionellen Zuordnungen
Die acht einflussreichen Punkte sind:
- LE 13 für die Zang-Funktionskreise,
- KG 12 für die Fu-Funktionskreise,
- KG 17 für das Qi,
- BL 17 für das Blut,
- GB 34 für die Sehnen,
- LU 9 für die Gefäße,
- BL 11 für die Knochen,
- GB 39 für das Mark.
Ihre Bedeutung gehört zum traditionellen Ordnungssystem der Akupunkturlehre. Die Begriffe Zang, Fu, Qi, Blut, Sehnen, Gefäße, Knochen und Mark dürfen nicht vollständig mit modernen anatomischen oder medizinischen Kategorien gleichgesetzt werden.
Für Qigong können die Punkte als Orientierung für größere Körperräume dienen:
- Brust und Rücken,
- Oberbauch und Flanken,
- Hände und Handgelenke,
- Knie und Unterschenkel,
- Stabilität und Beweglichkeit.
Eine kräftige Punktstimulation ist dafür nicht notwendig. Ruhige Bewegung, sanfte Berührung und eine zusammenhängende Körperwahrnehmung stehen im Vordergrund.
Häufige Fragen zu den acht einflussreichen Punkten (Hui)
Was sind die acht einflussreichen Punkte?
Die acht einflussreichen Punkte (englisch Eight Influential Points oder Eight Hui-Meeting Points) sind eine besondere Gruppe von Akupunkturpunkten, denen in der Traditionellen Chinesischen Medizin jeweils ein größerer Funktions- oder Gewebebereich zugeordnet wird. Deutsche Alternativbezeichnungen sind acht Hui-Punkte, acht Versammlungspunkte oder acht Zusammenkunftspunkte.
Was bedeutet Hui?
„Hui“ bedeutet im Chinesischen so viel wie „Versammlung“, „Zusammenkunft“ oder „Vereinigung“. Der Begriff verweist auf die traditionelle Vorstellung, dass sich an diesen Punkten die Qi-Aktivität eines bestimmten Gewebe- oder Funktionsbereichs besonders konzentriert.
Wo liegen die acht einflussreichen Punkte am Körper?
Die acht Hui-Punkte liegen auf sechs verschiedenen Meridianen: LE 13 am Rumpf (Zang), KG 12 und KG 17 auf dem Konzeptionsgefäß am vorderen Rumpf (Fu und Qi), BL 17 und BL 11 am Rücken (Blut und Knochen), GB 34 und GB 39 an den Beinen (Sehnen und Mark) sowie LU 9 am Handgelenk (Gefäße).
Wie viele einflussreiche Punkte gibt es?
Es gibt genau acht einflussreiche Punkte – je einer für einen zentralen Bereich: Zang-Funktionskreise (Yin-Organe), Fu-Funktionskreise (Yang-Organe), Qi, Blut, Sehnen, Knochen, Mark und Gefäße.
Welche Bedeutung haben die acht einflussreichen Punkte in der TCM?
Jedem der acht Punkte wird in der klassischen Punktlehre traditionell ein größerer Wirkungsbereich zugeordnet – zum Beispiel KG 17 als Hui-Punkt des Qi oder GB 34 als Hui-Punkt der Sehnen. Sie werden häufig bei Themen eingesetzt, die den jeweiligen Gewebe- oder Funktionsbereich betreffen. Diese Angaben beruhen auf dem traditionellen TCM-Modell und sind nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Wirkung gleichzusetzen.
Wie unterscheiden sich die acht Hui-Punkte von den acht Öffnungspunkten?
Beide Gruppen bestehen aus acht Punkten, meinen aber Unterschiedliches. Die acht Hui-Punkte werden mit Geweben und Funktionsbereichen verbunden (Blut, Qi, Sehnen etc.). Die acht Öffnungspunkte gehören dagegen zu den außerordentlichen Gefäßen und werden traditionell paarweise eingesetzt, um jeweils eines der acht außerordentlichen Gefäße zu öffnen. Es handelt sich also um zwei separate Konzepte.
Können die acht einflussreichen Punkte in der Selbstanwendung oder im Qigong genutzt werden?
Die Akupunktur der Hui-Punkte gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen. Für Qigong-Übende lassen sich mehrere der acht Punkte sanft in ganzkörperliche Bewegungen einbeziehen – Brustraum weiten, Rücken lockern, Knie weich beugen – ohne die einzelnen Punkte gezielt zu drücken. Ein Beispiel für einen bekannten Hui-Einflusspunkt ist Konzeptionsgefäß 17 (KG 17) Shanzhong am Brustbein, der als Hui-Punkt des Qi mit der Atmung und dem Brustraum verbunden wird.
Hinweis zur Einordnung
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.
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