Qigong und Kognition – Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit

Qigong fordert nicht nur den Körper. Eine Übungsfolge muss beobachtet, verstanden, erinnert und anschließend möglichst fließend ausgeführt werden. Gleichzeitig verändern sich Armpositionen, Körperhaltung, Gewichtsverteilung und Bewegungsrichtung.

Damit entsteht eine Verbindung von körperlicher Bewegung und geistiger Aktivität.

Gerade beim Erlernen einer neuen Qigong-Form wird das deutlich. Zunächst muss man überlegen, welcher Arm sich bewegt, wohin sich das Gewicht verlagert und welche Bewegung als Nächstes folgt. Mit zunehmender Übung werden die Abläufe vertrauter und können immer selbstverständlicher miteinander verbunden werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich deshalb die Frage, ob diese Verbindung von Bewegung, Lernen und Aufmerksamkeit auch Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben kann. Damit gehört Kognition zu den Bereichen, in denen die Wirkungen von Qigong untersucht werden.

Besonders intensiv wird dies bei älteren Menschen und Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung untersucht. Eine aktuelle Meta-Analyse von 2025 zu Baduanjin fand in sieben randomisierten Studien mit insgesamt 539 Teilnehmern positive Ergebnisse für globale kognitive Leistung, Gedächtnis und exekutive Funktionen. Gleichzeitig waren die Studien relativ klein und ausnahmslos in China durchgeführt worden.

Qigong ist deshalb wissenschaftlich durchaus interessant – allerdings noch weit davon entfernt, als nachgewiesene Methode zur Verhinderung oder Behandlung kognitiver Erkrankungen bezeichnet werden zu können.

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Was bedeutet Kognition?

Unter Kognition werden verschiedene geistige Fähigkeiten zusammengefasst. Dazu gehören unter anderem:

  • Wahrnehmen,
  • Lernen,
  • Erinnern,
  • Aufmerksamkeit,
  • Informationsverarbeitung,
  • Planen,
  • Entscheidungen treffen,
  • Probleme lösen,
  • geistig zwischen Aufgaben wechseln.

Kognition ist also keine einzelne Fähigkeit. Ein Mensch kann beispielsweise ein gutes Langzeitgedächtnis besitzen und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, mehrere Informationen kurzfristig im Kopf zu behalten.

Auch wissenschaftliche Qigong-Studien messen deshalb unterschiedliche Bereiche.

Das ist wichtig, denn eine Verbesserung in einem Gedächtnistest bedeutet nicht automatisch: „Die gesamte geistige Leistungsfähigkeit hat sich verbessert.“ Bei der Interpretation muss immer betrachtet werden, welche kognitive Fähigkeit tatsächlich untersucht wurde.

Globale Kognition – ein Gesamtbild geistiger Fähigkeiten

In vielen Studien wird zunächst die sogenannte globale kognitive Funktion untersucht. Dabei werden verschiedene geistige Fähigkeiten in einem Test zusammengefasst.

Häufig eingesetzte Instrumente sind beispielsweise der Montreal Cognitive Assessment Test – MoCA – oder der Mini-Mental-Status-Test.

Solche Verfahren können verschiedene Bereiche erfassen, darunter Orientierung, Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit oder räumliche Fähigkeiten.

Der daraus entstehende Gesamtwert bietet einen Überblick. Er erklärt jedoch nicht unbedingt, welcher einzelne kognitive Bereich sich verändert hat.

Deshalb sind zusätzliche spezifische Tests für Gedächtnis, exekutive Funktionen oder Verarbeitungsgeschwindigkeit besonders wertvoll.

Die aktuelle Baduanjin-Meta-Analyse von 2025 unterscheidet entsprechend zwischen globaler Kognition, Gedächtnis und exekutiven Funktionen.

Warum Qigong geistig anspruchsvoller sein kann, als es aussieht

Von außen wirken viele Qigong-Übungen ruhig und einfach. Während des Lernens laufen jedoch mehrere Prozesse gleichzeitig ab.

Eine Bewegung muss zunächst verstanden werden. Dann muss sie erinnert werden. Der Körper muss die Bewegung ausführen. Die nächste Bewegung muss vorbereitet werden. Gleichzeitig muss überprüft werden, ob der eigene Bewegungsablauf ungefähr der gelernten Form entspricht.

Gerade eine längere Übungsreihe stellt dadurch Anforderungen an mehrere kognitive Fähigkeiten.

Bei den Acht Brokaten muss beispielsweise nicht nur erinnert werden, welche acht Übungen dazugehören, sondern auch: Welche Übung kommt als Nächstes? Wie beginnt sie? Welche Bewegungen wiederholen sich? Wann ändert sich die Richtung?

Mit zunehmender Erfahrung wird vieles davon automatischer. Genau dieser Lernprozess macht Qigong auch aus kognitiver Sicht interessant.

Gedächtnis beim Erlernen von Qigong

Gedächtnis wird auf unterschiedliche Weise benötigt.

Zunächst muss eine neue Bewegung kurzfristig behalten werden. Der Lehrer zeigt beispielsweise: Arme heben, Hände drehen, Gewicht verlagern, Körper drehen.

Diese Informationen müssen für einige Augenblicke verfügbar bleiben, damit die Bewegung nachgeahmt werden kann.

Nach mehreren Wiederholungen beginnt sich der Ablauf zu festigen. Später kann die Übung möglicherweise ohne direkte Anleitung ausgeführt werden. Damit hat sich die Information stärker im Gedächtnis verankert.

Bei längeren Übungsreihen kommt zusätzlich die Reihenfolge hinzu.

Das Gedächtnis wird also nicht ausschließlich dadurch angesprochen, dass etwas „auswendig gelernt“ wird. Die gespeicherte Information muss gleichzeitig in eine konkrete Bewegung umgesetzt werden.

Arbeitsgedächtnis – Informationen kurzfristig verfügbar halten

Das Arbeitsgedächtnis ermöglicht es, Informationen für kurze Zeit aktiv verfügbar zu halten und mit ihnen zu arbeiten.

Ein einfaches Beispiel beim Qigong: Ein Lehrer erklärt drei aufeinanderfolgende Bewegungen. Während du die erste ausführst, musst du bereits wissen, was anschließend folgt. Gleichzeitig wird die aktuelle Bewegung kontrolliert.

Das Arbeitsgedächtnis hilft dabei, solche Informationen kurzfristig zu organisieren.

Bei erfahrenen Übenden nimmt diese Beanspruchung ab, weil Bewegungsfolgen zunehmend automatisiert werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Übung geistig wertlos wird. Die frei werdende Aufmerksamkeit kann nun für andere Aspekte genutzt werden: Bewegungsqualität, Körperwahrnehmung, Rhythmus, Atmung oder das Zusammenspiel des gesamten Körpers.

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Exekutive Funktionen – Bewegungen planen und steuern

Unter exekutiven Funktionen versteht man mehrere geistige Fähigkeiten, die für zielgerichtetes Verhalten wichtig sind. Dazu gehören beispielsweise:

  • Informationen im Arbeitsgedächtnis halten,
  • unangemessene Reaktionen unterdrücken,
  • zwischen Aufgaben wechseln,
  • Handlungen planen,
  • Verhalten an neue Situationen anpassen.

Auch beim Qigong werden solche Prozesse benötigt.

Eine gelernte Bewegung muss geplant und kontrolliert ausgeführt werden. Wenn ein Fehler bemerkt wird, muss der Bewegungsablauf angepasst werden. Ändert ein Lehrer die Richtung oder Reihenfolge, muss flexibel reagiert werden.

Gerade deshalb sind exekutive Funktionen ein interessanter Bereich der Qigong-Forschung.

Die 2025 veröffentlichte Baduanjin-Meta-Analyse fand einen statistischen Vorteil bei exekutiven Funktionen, allerdings war der Effekt kleiner als bei der globalen kognitiven Leistung und dem Gedächtnis.

Aufmerksamkeit gehört dazu – bekommt aber einen eigenen Beitrag

Natürlich kann keine neue Qigong-Form gelernt werden, wenn die Aufmerksamkeit überhaupt nicht bei der Übung ist.

Aufmerksamkeit ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für viele andere kognitive Leistungen.

Trotzdem sollten wir beide Themen nicht miteinander vermischen.

Im Beitrag zu Qigong und Aufmerksamkeit geht es ausführlich darum, wie Aufmerksamkeit gelenkt wird, warum Gedanken abschweifen, wie selektive und anhaltende Aufmerksamkeit funktionieren und was Qigong-Studien dazu zeigen.

Hier interessiert uns dagegen stärker: Was passiert mit Gedächtnis, Lernen und anderen kognitiven Fähigkeiten?

Lernen wird leichter, wenn Bewegungen wiederholt werden

Wiederholung gehört zum Qigong.

Eine einzelne Bewegung wird mehrfach ausgeführt. Eine Übungsreihe wird über Wochen und Monate wiederholt.

Dadurch entsteht ein Lernprozess. Am Anfang muss sehr viel bewusst kontrolliert werden. Später wird der grundlegende Bewegungsablauf vertrauter.

Man könnte vereinfacht sagen: Aus Denken wird zunehmend Können.

Das ist ein normaler Teil des motorischen Lernens.

Gerade deshalb sollte die Tatsache, dass eine Qigong-Form irgendwann automatisch abläuft, nicht als Nachteil betrachtet werden. Automatisierung ist ein Zeichen dafür, dass der Bewegungsablauf gelernt wurde. Die Aufmerksamkeit kann sich anschließend auf feinere Aspekte richten.

Räumliche Orientierung

Auch die räumliche Orientierung kann beim Qigong gefordert werden.

Die Hände bewegen sich beispielsweise: nach vorne, seitlich, nach oben, zur Körpermitte.

Der Körper dreht sich. Der Blick verändert seine Richtung. Bei Schrittübungen verändert sich möglicherweise zusätzlich die Position im Raum.

Damit muss nicht nur eine Bewegung erinnert werden. Sie muss auch räumlich organisiert werden.

Besonders bei komplexeren Formen ist das eine zusätzliche geistige Herausforderung.

Bewegung und Denken gleichzeitig

Viele Qigong-Übungen verbinden eine kognitive Aufgabe unmittelbar mit einer körperlichen. Der Übende muss sich erinnern, was als Nächstes passiert, während der Körper gleichzeitig die aktuelle Bewegung ausführt.

Diese Kombination ist aus wissenschaftlicher Sicht interessant.

Allerdings sollte man daraus nicht vorschnell einen besonderen Qigong-Mechanismus ableiten. Auch Tanzen, Tai Chi, bestimmte Sportarten oder andere koordinativ anspruchsvolle Bewegungen verbinden körperliche und geistige Anforderungen.

Qigong ist also nicht die einzige Bewegungsform, bei der der Kopf mitarbeitet.

Die Besonderheit liegt eher in der Kombination aus langsamer Bewegung, Bewegungslernen, Körperwahrnehmung und ruhiger Aufmerksamkeit. Klassische Systeme wie das Daoyin Yangsheng Gong haben dieses Prinzip fest verankert.

Qigong und geistige Leistungsfähigkeit im Alter

Ein großer Teil der bisherigen Forschung beschäftigt sich mit älteren Menschen. Das hat gute Gründe.

Mit zunehmendem Alter können sich bestimmte kognitive Fähigkeiten verändern. Gleichzeitig unterscheiden sich Menschen erheblich darin, wie stark solche Veränderungen auftreten.

Körperliche Aktivität und geistige Aktivität gehören zu den Faktoren, die im Zusammenhang mit gesundem Altern untersucht werden.

Qigong ist hierbei interessant, weil körperliche und kognitive Anforderungen miteinander verbunden werden.

Eine 2023 veröffentlichte Meta-Analyse von 17 randomisierten Studien zu Tai Chi und Qigong fand insgesamt positive Effekte auf körperliche und kognitive Funktionen älterer Menschen. Da Tai Chi und Qigong gemeinsam ausgewertet wurden, kann das Ergebnis allerdings nicht ausschließlich Qigong zugeschrieben werden.

Was ist eine leichte kognitive Beeinträchtigung?

Viele Baduanjin-Studien beschäftigen sich speziell mit Menschen mit Mild Cognitive Impairment – MCI, auf Deutsch meist leichte kognitive Beeinträchtigung.

Dabei bestehen messbare Veränderungen kognitiver Fähigkeiten, die über normale altersbedingte Veränderungen hinausgehen können.

MCI ist jedoch nicht dasselbe wie Demenz. Betroffene können viele alltägliche Tätigkeiten weiterhin selbstständig ausführen. Außerdem entwickelt nicht jeder Mensch mit MCI später eine Demenz.

Für die Interpretation der Qigong-Forschung ist diese Unterscheidung besonders wichtig.

Wenn Baduanjin bei Menschen mit MCI untersucht wird, bedeutet ein positives Studienergebnis nicht automatisch: „Qigong hilft gegen Demenz.“ Untersucht wurde eine andere Personengruppe.

Was zeigt die aktuelle Baduanjin-Meta-Analyse?

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit konzentrierte sich speziell auf Baduanjin bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung beziehungsweise kognitiver Frailty.

Eingeschlossen wurden sieben randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 539 Teilnehmern.

In der zusammengefassten Analyse zeigten sich Verbesserungen bei:

  • globaler kognitiver Funktion,
  • Gedächtnis,
  • exekutiven Funktionen.

Das klingt zunächst recht überzeugend.

Die Studie besitzt jedoch wichtige Einschränkungen. Die Zahl der eingeschlossenen RCTs war klein. Auch die einzelnen Stichproben waren begrenzt. Und sämtliche Studien wurden in China durchgeführt.

Hinzu kommt ein besonders wichtiger Punkt: Die Vergleichsgruppen erhielten in dieser Meta-Analyse im Wesentlichen übliche Versorgung beziehungsweise keine vergleichbare aktive Bewegungsintervention.

Wir wissen deshalb noch nicht sicher, ob Baduanjin besser als andere geeignete Bewegungsformen ist.

Warum aktive Vergleichsgruppen auch hier entscheidend sind

Stell dir zwei Gruppen älterer Menschen vor.

Eine Gruppe beginnt regelmäßig Qigong zu lernen. Sie besucht Unterricht. Sie bewegt sich mehr. Sie lernt neue Bewegungsfolgen. Sie trifft regelmäßig andere Menschen.

Die zweite Gruppe verändert ihren Alltag nicht.

Wenn die Qigong-Gruppe anschließend in einem kognitiven Test besser abschneidet, ist das wissenschaftlich interessant. Aber wodurch entstand der Unterschied? Durch Qigong? Durch regelmäßige Bewegung? Durch das Lernen? Durch soziale Aktivität? Durch Erwartungen? Oder durch das Zusammenspiel aller Faktoren?

Deshalb sind Studien wertvoller, bei denen Qigong mit einer anderen aktiven Intervention verglichen wird.

Ein Jahr Qigong im Vergleich zu Stretching

Eine interessante Studie aus dem Jahr 2020 verwendete genau einen solchen aktiven Vergleich.

Ältere Menschen mit einem erhöhten Risiko für kognitiven Abbau wurden entweder einem Qigong-Programm oder einem Stretching-Programm zugeteilt.

Insgesamt wurden 66 Teilnehmer den beiden Gruppen zugeordnet; etwas mehr als drei Viertel beendeten das einjährige Programm.

Nach einem Jahr schnitt die Qigong-Gruppe bei der globalen kognitiven Funktion und mehreren einzelnen kognitiven Bereichen besser ab als die Stretching-Gruppe. Die Autoren interpretierten dies als Hinweis darauf, dass das Qigong-Programm den kognitiven Abbau stärker beeinflusst haben könnte als das verwendete Stretching-Programm.

Das ist ein interessantes Ergebnis, weil beide Gruppen aktiv waren.

Trotzdem war die Studie klein und die Zahl der tatsächlichen Studienabsolventen noch geringer. Sie ist deshalb ein wichtiger Hinweis – aber kein Beweis dafür, dass Qigong generell kognitiv wirksamer als andere Bewegungsformen ist.

Sechs Monate Baduanjin bei MCI

Auch eine randomisierte Studie mit älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung untersuchte ein sechsmonatiges Baduanjin-Programm.

Die Forschenden berichteten positive Veränderungen der globalen kognitiven Funktion und bestimmter Aufmerksamkeitsleistungen.

Interessant war jedoch, dass die Effekte bei einer späteren Nachuntersuchung nicht in allen Bereichen erhalten blieben. Die Autoren sprechen deshalb selbst von einem möglicherweise vorübergehenden Effekt, der in weiteren Studien bestätigt werden müsse.

Das ist ein wichtiger Hinweis: Ein positives Ergebnis unmittelbar nach einem Trainingsprogramm bedeutet nicht automatisch, dass der Effekt dauerhaft bestehen bleibt.

Kann Qigong das Gedächtnis verbessern?

Für Baduanjin gibt es inzwischen mehrere Studien, in denen Gedächtnisleistungen untersucht wurden.

Die aktuelle Meta-Analyse von 2025 fand einen statistisch positiven Gesamteffekt auf die Gedächtnisfunktion bei älteren Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.

Auch eine frühere systematische Übersicht aus dem Jahr 2021 kam zu einem positiven Ergebnis für globale Kognition und Gedächtnis, forderte aber größere und methodisch hochwertigere Studien, bevor belastbare Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Deshalb wäre die Aussage „Qigong verbessert nachweislich das Gedächtnis.“ zu weitgehend. Präziser ist: Besonders für Baduanjin gibt es Hinweise darauf, dass regelmäßiges Üben Gedächtnisleistungen bei älteren Menschen und Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung verbessern kann.

Was ist mit gesunden älteren Menschen?

Nicht alle Untersuchungen beziehen sich auf Menschen mit MCI. Auch bei älteren Menschen ohne diagnostizierte kognitive Beeinträchtigung wird Qigong untersucht.

Eine im Juli 2026 veröffentlichte randomisierte Studie untersuchte beispielsweise 35 ältere Menschen in einer Senioreneinrichtung. Die Qigong-Gruppe praktizierte elf Wochen lang dreimal wöchentlich eine Health-Qigong-Taiji-Stab-Übung.

Nach der Intervention waren der Gesamtwert eines kognitiven Tests sowie einzelne Bereiche wie Orientierung und unmittelbares Gedächtnis verbessert.

Die Studie war jedoch sehr klein und verwendete keine aktive Bewegungs-Kontrollgruppe. Die Autoren betonen selbst, dass die klinische Bedeutung der beobachteten Verbesserungen noch unklar ist und größere Studien erforderlich sind.

Gerade diese Einschränkung würde ich in unserem Beitrag unbedingt nennen.

Kognitiver Test besser – aber merkt man das im Alltag?

Das ist eine besonders wichtige Frage.

Ein statistisch besserer Testwert bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch im Alltag deutlich besser zurechtkommt.

Vielleicht verändert sich ein Test um einige Punkte, ohne dass ein relevanter Unterschied beim Einkaufen, Organisieren oder Erinnern von Terminen wahrgenommen wird.

Wissenschaftlich wird deshalb zwischen statistischer Signifikanz und klinischer Bedeutung unterschieden.

Gerade die kleine 2026er Qigong-Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass die klinische Bedeutung ihrer kognitiven Ergebnisse noch geklärt werden muss.

Für einen seriösen Gesundheitsratgeber ist diese Unterscheidung wichtig: Ein statistischer Effekt ist interessant – aber nicht automatisch ein großer praktischer Effekt.

Was zeigen Untersuchungen des Gehirns?

Ein besonders spannender Teil der Forschung versucht nicht nur kognitive Tests zu erfassen, sondern auch Veränderungen im Gehirn.

Eine randomisierte aktiv kontrollierte Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte Qigong bei älteren Menschen und berichtete neben Verbesserungen kognitiver Leistungen auch Veränderungen in Zusammenhang mit dem Hippocampus und dem Entzündungsmarker Interleukin-6. Die Autoren schlugen daraufhin einen möglichen Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen vor.

Der Hippocampus spielt eine wichtige Rolle bei Gedächtnis- und Lernprozessen.

Solche Ergebnisse sind wissenschaftlich spannend.

Sie sollten jedoch nicht so dargestellt werden, als sei damit bereits der Wirkmechanismus von Qigong bewiesen. Eine einzelne Studie kann nicht zeigen: „Qigong verbessert das Gedächtnis, weil es den Hippocampus verändert.“

Dafür müssen die Ergebnisse unabhängig wiederholt und die zugrunde liegenden Mechanismen genauer untersucht werden.

Gehirnbilder sehen beeindruckend aus – beweisen aber nicht alles

Bildgebende Forschung ist besonders anfällig für Überinterpretationen.

Eine farbige Darstellung einer veränderten Hirnaktivität wirkt schnell wie ein eindeutiger Beweis. Dabei beantwortet sie meist nur einen kleinen Teil der Frage.

Eine beobachtete Veränderung kann mit einer verbesserten Testleistung zusammenhängen. Aber sie zeigt nicht automatisch:

  • dass Qigong die alleinige Ursache war,
  • dass die Veränderung langfristig bleibt,
  • dass sie im Alltag bedeutsam ist,
  • dass dadurch eine Erkrankung verhindert wird.

Deshalb sollte Neuroimaging eher als zusätzlicher Hinweis auf mögliche Mechanismen verstanden werden und nicht als Beweis einer therapeutischen Wirkung.

Verhindert Qigong geistigen Abbau?

Hier wird die Sprache besonders wichtig.

Die einjährige Qigong-Studie von 2020 berichtete gegenüber Stretching günstigere Veränderungen bei älteren Menschen mit Risiko für kognitiven Abbau.

Das ist wissenschaftlich interessant. Eine einzelne kleine Studie reicht jedoch nicht für die allgemeine Aussage: „Qigong verhindert altersbedingten geistigen Abbau.“ Noch weniger lässt sich daraus ableiten: „Qigong verhindert Demenz.“

Um eine solche Aussage zu prüfen, wären große Studien mit sehr vielen Teilnehmern und langen Nachbeobachtungszeiträumen notwendig, in denen tatsächlich untersucht wird, wie häufig Menschen später eine Demenz entwickeln.

Die bisherigen Baduanjin- und Qigong-Studien konzentrieren sich vor allem auf kognitive Testergebnisse über Wochen oder Monate, nicht auf eine langfristige Demenzprävention.

Qigong und Demenz — was die Forschung sagt

Auch diese Aussage wäre derzeit nicht gerechtfertigt.

Der größte Teil der positiven Qigong-Forschung betrifft: gesunde ältere Menschen, Menschen mit einem Risiko für kognitiven Abbau oder Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Diese Gruppen sind nicht mit Menschen mit diagnostizierter Demenz gleichzusetzen.

Qigong kann selbstverständlich auch für manche Menschen mit einer Demenzerkrankung als angepasste Bewegungsaktivität interessant sein. Daraus entsteht jedoch keine nachgewiesene Behandlung der Demenz.

Bei kognitiven Erkrankungen gehört die medizinische Diagnostik und Therapie in fachkundige Hände.

Ist Baduanjin besonders geeignet?

Baduanjin ist derzeit eine der am häufigsten untersuchten Qigong-Formen für kognitive Fragestellungen.

Das dürfte auch praktische Gründe haben. Die Acht Brokate bilden eine klar strukturierte und relativ standardisierbare Übungsreihe. Dadurch lässt sie sich in Studien leichter vermitteln und wiederholen als eine sehr individuell gestaltete Qigong-Praxis.

Die aktuelle Baduanjin-Meta-Analyse liefert positive Ergebnisse für globale Kognition, Gedächtnis und exekutive Funktionen.

Das bedeutet jedoch nicht: „Die Acht Brokate sind die beste Qigong-Form für das Gehirn.“ Dafür fehlen direkte hochwertige Vergleiche verschiedener Qigong-Systeme.

Wir können lediglich sagen: Baduanjin gehört derzeit zu den wissenschaftlich besser untersuchten Qigong-Formen im Bereich kognitiver Funktionen.

Müssen Qigong-Übungen kompliziert sein, um den Kopf zu fordern?

Nein.

Eine komplexe Bewegungsfolge stellt natürlich hohe Anforderungen an Gedächtnis und Koordination. Aber auch einfache Bewegungen können geistig anspruchsvoll sein.

Man kann beispielsweise versuchen: eine Bewegung exakt zu erinnern, rechts und links zu unterscheiden, die Bewegungsrichtung zu wechseln, den Rhythmus beizubehalten, verschiedene Körperbereiche aufeinander abzustimmen.

Gerade Anfänger brauchen deshalb nicht möglichst komplizierte Formen. Eine zu schwierige Übung kann sogar dazu führen, dass fast die gesamte Aufmerksamkeit nur noch auf die Reihenfolge gerichtet wird und andere Qigong-Prinzipien verloren gehen. Wie Anfänger mit Qigong beginnen, wird in einem eigenen Leitfaden beschrieben.

Ein angemessener Schwierigkeitsgrad ist wahrscheinlich sinnvoller.

Der Lernprozess ist wichtiger als Perfektion

Wenn kognitive Anforderungen ein Teil der Qigong-Praxis sind, könnte man auf die Idee kommen: Je komplizierter, desto besser.

Auch das wäre zu einfach. Eine Übung sollte fordern, aber nicht dauerhaft überfordern.

Ein Anfänger kann zunächst drei Bewegungen lernen. Später kommen weitere hinzu. Nach einiger Zeit wird eine komplette Übungsfolge möglich.

Gerade dieser schrittweise Lernprozess kann interessant sein. Die Herausforderung verschiebt sich ständig: zuerst erinnern, dann koordinieren, anschließend verfeinern und schließlich fließend ausführen.

Qigong ist dadurch keine einmal gelernte Aufgabe, die anschließend überhaupt keine geistige Aktivität mehr benötigt.

Bekannte Übungen können geistig trotzdem wertvoll bleiben

Wenn eine Übungsreihe nach Monaten auswendig beherrscht wird, sinkt selbstverständlich der Aufwand für das Erinnern der Reihenfolge.

Dafür können andere Aufgaben hinzukommen. Zum Beispiel: Wie fließend sind Übergänge? Sind beide Körperseiten gleich koordiniert? Kann ich Bewegungen kleiner verändern? Kann ich die Bewegungsqualität aufrechterhalten? Kann ich eine ganze Form ohne äußere Anleitung durchführen?

Damit verändert sich die kognitive Aufgabe. Aus „Welche Bewegung kommt jetzt?“ wird zunehmend: „Wie führe ich diese Bewegung aus?“

Qigong und körperliche Fitness

Auch körperliche und kognitive Veränderungen lassen sich nicht vollständig voneinander trennen.

Eine Meta-Analyse von 2023 zu Tai Chi und Qigong bei älteren Menschen fand sowohl Verbesserungen körperlicher als auch kognitiver Funktionen. In der Meta-Regression blieb der kognitive Effekt auch nach Berücksichtigung körperlicher Funktion statistisch bestehen.

Das ist interessant, beweist aber keinen spezifischen Qigong-Mechanismus. Es zeigt vielmehr, dass die möglichen kognitiven Effekte in den untersuchten Studien nicht vollständig durch gemessene Veränderungen der körperlichen Funktion erklärt wurden.

Qigong oder Kreuzworträtsel?

Beide Dinge trainieren etwas völlig anderes.

Ein Kreuzworträtsel stellt hauptsächlich eine geistige Aufgabe dar. Qigong verbindet geistige Verarbeitung mit Bewegung.

Deshalb macht es wenig Sinn, beide gegeneinander auszuspielen.

Für gesundes Altern dürfte ohnehin kein einzelnes Training alle relevanten Bereiche abdecken. Körperliche Bewegung, geistige Herausforderungen, soziale Aktivität und ein gesundheitsfördernder Lebensstil können unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Qigong besitzt dabei die Besonderheit, dass Bewegung und geistige Aufgabe unmittelbar miteinander verbunden werden.

Ist Qigong besser fürs Gehirn als Spazierengehen?

Das lässt sich derzeit nicht allgemein beantworten.

Einige Studien vergleichen Qigong oder Baduanjin mit aktiven Verfahren und berichten Vorteile in bestimmten kognitiven Bereichen. Andere Untersuchungen verwenden jedoch passive Kontrollgruppen. Und viele Meta-Analysen fassen unterschiedliche chinesische Bewegungsformen zusammen.

Deshalb reicht die Forschung nicht aus, um zu sagen: Qigong ist kognitiv wirksamer als Gehen, Krafttraining oder andere Bewegungsformen.

Praktisch kann eine andere Frage wichtiger sein: Welche Form körperlicher und geistiger Aktivität macht einem Menschen Freude und wird regelmäßig durchgeführt?

Wie oft müsste man Qigong für kognitive Effekte üben?

Eine gesicherte optimale Dosis gibt es bisher nicht.

Die Studien unterscheiden sich deutlich. Programme dauern mehrere Wochen, mehrere Monate oder – wie in einer Qigong-Studie – sogar ein Jahr. Auch Trainingshäufigkeit und Dauer einzelner Einheiten variieren.

Daraus lässt sich derzeit keine wissenschaftlich belastbare Regel ableiten wie: „Dreimal pro Woche 30 Minuten Qigong verbessert das Gedächtnis.“ Eine solche konkrete Aussage wäre präziser, als die vorhandene Forschung erlaubt.

Für die Praxis bleibt deshalb ein bekanntes Prinzip sinnvoll: regelmäßig und langfristig üben, ohne daraus einen Leistungszwang zu machen. Orientierung bietet der Beitrag zur Übungshäufigkeit im Qigong.

Traditionelle Sicht: Shen und geistige Klarheit

Auch die traditionelle Qigong-Lehre beschäftigt sich mit geistiger Präsenz und Klarheit. Hier begegnet der Begriff Shen.

Shen wird unter anderem mit Geist, Bewusstsein, Wahrnehmung und innerer Klarheit verbunden.

Das ist jedoch nicht dasselbe wie der moderne Begriff Kognition.

Die Kognitionsforschung untersucht beispielsweise Gedächtnistests, exekutive Funktionen oder Informationsverarbeitung. Shen gehört dagegen zum traditionellen chinesischen Denkmodell.

Beide Perspektiven können nebeneinander betrachtet werden, sollten aber nicht miteinander gleichgesetzt werden. Wenn sich nach Qigong ein Gedächtnistest verbessert, ist damit nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich der Shen verändert hat.

Tradition und Wissenschaft sauber auseinanderhalten

Ähnlich wie beim Qi-Begriff ist auch hier die Trennung wichtig.

Traditionell könnte man beispielsweise davon sprechen: den Geist sammeln, den Shen beruhigen oder geistige Klarheit entwickeln.

Modern kann untersucht werden: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen oder Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Eine wissenschaftliche Veränderung einer dieser Fähigkeiten bestätigt nicht automatisch das traditionelle Erklärungsmodell. Und umgekehrt muss eine traditionelle Qigong-Erfahrung nicht erst durch einen Gehirnscan legitimiert werden.

Es sind unterschiedliche Betrachtungsebenen.

Was wissen wir bei jüngeren Menschen?

Deutlich weniger.

Der Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt stark auf älteren Erwachsenen, MCI, kognitiver Frailty und altersbezogenem kognitivem Abbau.

Deshalb sollte man positive Ergebnisse nicht einfach auf junge gesunde Menschen übertragen.

Natürlich müssen auch jüngere Qigong-Übende Bewegungsfolgen lernen und erinnern. Aber daraus folgt noch nicht, dass regelmäßiges Qigong bei einem gesunden 30-Jährigen messbar das Gedächtnis verbessert.

Für solche Aussagen ist die Qigong-spezifische Forschung bislang wesentlich dünner.

Wann sollten Gedächtnisprobleme medizinisch abgeklärt werden?

Gelegentlich einen Namen oder Termin zu vergessen, ist nicht automatisch ein Zeichen einer Erkrankung.

Wenn Gedächtnis- oder Orientierungsprobleme jedoch neu auftreten, deutlich zunehmen oder den Alltag zunehmend beeinträchtigen, sollten sie fachkundig abgeklärt werden.

Qigong sollte nicht dazu verwendet werden, kognitive Veränderungen selbst zu diagnostizieren oder eine medizinische Untersuchung hinauszuzögern.

Gerade bei kognitiven Beschwerden kann es verschiedene behandelbare oder beeinflussbare Ursachen geben. Eine Qigong-Praxis kann gegebenenfalls ergänzen – sie ersetzt die Diagnostik nicht.

Was lässt sich aus der Forschung insgesamt ableiten?

Das wissenschaftliche Gesamtbild ist vorsichtig positiv.

Besonders zu Baduanjin bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung gibt es inzwischen mehrere randomisierte Studien und Meta-Analysen. Die aktuelle Qigong-spezifische Meta-Analyse von 2025 fand positive Ergebnisse bei globaler Kognition, Gedächtnis und exekutiven Funktionen.

Zusätzlich gibt es einzelne aktiv kontrollierte Studien. Eine einjährige Qigong-Untersuchung zeigte beispielsweise Vorteile gegenüber Stretching bei älteren Menschen mit einem Risiko für kognitiven Abbau.

Gleichzeitig bestehen deutliche Einschränkungen: Die Studien sind häufig klein. Viele stammen aus China. Unterschiedliche Qigong-Formen und Tests werden verwendet. Langzeitdaten fehlen weitgehend. Nicht immer werden aktive Vergleichsgruppen eingesetzt. Und eine Verbesserung in einem kognitiven Test ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer spürbaren Verbesserung im Alltag.

Deshalb wäre die Aussage: „Qigong hält das Gehirn nachweislich fit und schützt vor Demenz“ zu weitgehend.

Eine wissenschaftlich angemessenere Aussage lautet: Regelmäßiges Qigong – insbesondere Baduanjin – kann bei älteren Menschen und Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung bestimmte kognitive Fähigkeiten unterstützen. Besonders für globale Kognition, Gedächtnis und exekutive Funktionen gibt es positive Hinweise. Wie dauerhaft und klinisch bedeutsam diese Effekte sind und ob Qigong anderen geeigneten Bewegungsformen überlegen ist, ist noch nicht ausreichend geklärt.

Weiterführende Beiträge zu Qigong und Kognition

Kognitive Fähigkeiten stehen im Qigong nie isoliert. Sie hängen eng mit Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung und regelmäßiger Praxis zusammen. Verwandte Beiträge vertiefen dieses Zusammenspiel:

So wird deutlich, warum Qigong nicht nur den Körper anspricht, sondern auch geistige Klarheit und Aufmerksamkeit unterstützen kann.

Fazit: Qigong fordert Körper und Geist gleichzeitig

Qigong ist keine rein körperliche Bewegungspraxis.

Eine neue Übung muss beobachtet, verstanden, erinnert, koordiniert und schließlich selbstständig ausgeführt werden. Dadurch werden körperliche und geistige Prozesse unmittelbar miteinander verbunden.

Besonders beim Erlernen längerer Übungsreihen werden Gedächtnis, Bewegungsplanung und exekutive Fähigkeiten angesprochen. Mit zunehmender Erfahrung verändert sich die Aufgabe: Weniger Aufmerksamkeit wird für die reine Reihenfolge benötigt, während Bewegungsqualität und das Zusammenspiel des gesamten Körpers stärker in den Vordergrund treten.

Auch wissenschaftlich ist dieser Bereich inzwischen interessant. Für Baduanjin gibt es bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung positive Ergebnisse für globale kognitive Funktion, Gedächtnis und exekutive Funktionen. Gleichzeitig ist die Zahl hochwertiger Studien noch begrenzt und die vorhandene Forschung erlaubt keine Aussage, dass Qigong Demenz verhindert oder behandelt.

Eine realistische Einordnung lautet deshalb: Qigong kann eine interessante Möglichkeit sein, körperliche Bewegung mit Lernen, Erinnern und geistiger Aktivität zu verbinden. Ob daraus langfristig ein Schutz vor kognitivem Abbau entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Der übergeordnete Beitrag zu den Wirkungen von Qigong ordnet dieses Zusammenspiel in den größeren Kontext von Bewegung, Wahrnehmung und Ruhe ein.

Für die Praxis ist aber schon ein anderer Gedanke interessant: Beim Qigong lernt nicht nur der Körper eine Bewegung – auch der Geist lernt, sie zu erinnern, zu ordnen und schließlich selbstverständlich werden zu lassen.

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Häufige Fragen zu Qigong und Kognition

Was bedeutet Kognition im Kontext von Qigong?

Kognition umfasst geistige Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Denken und Planung. Im Qigong werden diese Fähigkeiten mittelbar mit einbezogen: Bewegungen müssen erlernt, gemerkt, koordiniert und mit der Atmung verbunden werden.

Wie wird Kognition im Qigong angesprochen?

Qigong verbindet Bewegung, Aufmerksamkeit und Atmung. Beim Erlernen einer Form werden Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen und räumliche Orientierung beansprucht — nicht durch intensive kognitive Belastung, sondern durch geordnete, wiederholte Bewegungsabläufe.

Für wen ist Qigong bei kognitiven Fragen besonders interessant?

Qigong kann für Menschen aller Altersgruppen interessant sein, die eine körperlich-geistige Übungspraxis suchen. Menschen im höheren Lebensalter finden im Qigong einen sanften Weg, Bewegung und geistige Anregung zu verbinden. Bei bestehenden Gedächtnisproblemen oder Auffälligkeiten sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

Welche Qigong-Aspekte fördern kognitive Aktivität?

Das Erlernen neuer Bewegungssequenzen, der Wechsel zwischen Formen, die Verbindung mit Atmung und der Wechsel zwischen enger und weiter Aufmerksamkeit beanspruchen kognitive Funktionen. Auch bereits vertraute Formen können geistig anregend bleiben, wenn sie mit neuer Aufmerksamkeit geübt werden.

Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen zu Qigong und kognitiven Fähigkeiten?

Verschiedene Studien und Meta-Analysen haben Qigong-Formen wie Baduanjin im Zusammenhang mit kognitiven Testergebnissen bei älteren Menschen untersucht — teils auch bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Einige Ergebnisse zeigen positive Effekte in Testverfahren, die Übertragbarkeit auf den Alltag ist aber nicht immer klar. Diese Beobachtungen beruhen auf Studien in bestimmten Zielgruppen und sind nicht mit einer allgemein nachgewiesenen medizinischen Wirkung oder Behandlung kognitiver Erkrankungen gleichzusetzen.

Worauf sollte man beim Üben achten?

Wer neu auftretende Gedächtnisprobleme, Orientierungsschwierigkeiten oder Konzentrationsprobleme bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen — Qigong ersetzt keine Diagnostik. Für die Übungspraxis selbst gilt: Bewegung und Atmung ruhig halten, nicht überfordern, freundlich mit sich selbst bleiben.

Wie fängt man mit Qigong für die geistige Klarheit an?

Ein einfacher Einstieg sind kurze, wiederholte Bewegungssequenzen mit bewusster Atmung — etwa 2-3 Bewegungen aus den Acht Brokaten, langsam und mehrfach hintereinander. Wer die klassische TCM-Perspektive einbeziehen möchte, findet in Punkten wie Lenkergefäß 24 (Shenting) traditionell einen Bezug zu geistiger Klarheit, Sammlung und dem, was in der TCM als „Geistes-Halle“ bezeichnet wird.

Hinweis zur Einordnung

Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und beruhen auf traditionellen Konzepten sowie öffentlich verfügbaren Studien. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.

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