Qigong bei Erkrankungen – was die Wissenschaft untersucht

Qigong wird heute längst nicht mehr nur als traditionelle chinesische Übungspraxis untersucht. In wissenschaftlichen Studien findet man Qigong inzwischen bei sehr unterschiedlichen gesundheitlichen Fragestellungen – von chronischen Schmerzen und Bluthochdruck über COPD und Herzinsuffizienz bis zu Fatigue, Kniearthrose oder leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Qigong diese Erkrankungen heilt oder als eigenständige Therapie eingesetzt werden kann.

In vielen Studien lautet die Fragestellung wesentlich zurückhaltender: Kann Qigong zusätzlich zur normalen Behandlung die körperliche Funktion verbessern? Verändert sich die Lebensqualität? Fällt Bewegung leichter? Nimmt Fatigue ab? Verändert sich die subjektive Schlafqualität? Verbessert sich bei bestimmten Patientengruppen die Belastbarkeit?

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Qigong wird bei Erkrankungen häufig als ergänzende Bewegungspraxis untersucht. Die bestehende medizinische Behandlung läuft dabei weiter. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health beschreibt Qigong entsprechend als eine Methode, bei der Körperbewegung beziehungsweise Haltung, Atem und mentale Regulation miteinander verbunden werden. Damit gehören Erkrankungen zu den Bereichen, in denen die Wirkungen von Qigong untersucht werden. Für verschiedene chronische Erkrankungen liegen inzwischen klinische Untersuchungen vor, die Aussagekraft unterscheidet sich aber erheblich von Erkrankung zu Erkrankung.

Dieser Beitrag zeigt, bei welchen Erkrankungen Qigong wissenschaftlich untersucht wird, was „begleitende Anwendung“ bedeutet und warum positive Studienergebnisse nicht automatisch mit einer Heilwirkung gleichgesetzt werden dürfen.

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Was bedeutet „Qigong bei einer Erkrankung“?

Diese Formulierung kann leicht missverstanden werden.

Wenn von „Qigong bei Bluthochdruck“, „Qigong bei Krebs“ oder „Qigong bei Parkinson“ gesprochen wird, kann schnell der Eindruck entstehen: Qigong behandelt diese Erkrankung.

So sind viele wissenschaftliche Untersuchungen jedoch nicht aufgebaut.

Ein Mensch mit COPD bekommt beispielsweise weiterhin seine medizinische Behandlung und übt zusätzlich Qigong.

Ein Mensch während oder nach einer Krebsbehandlung führt weiterhin die onkologische Therapie beziehungsweise Nachsorge durch und nimmt ergänzend an einem Qigong-Programm teil.

Ein Mensch mit chronischer Herzinsuffizienz erhält weiterhin die notwendige kardiologische Behandlung und übt zusätzlich eine angepasste Bewegungsform.

Die wissenschaftliche Frage lautet dann beispielsweise: Verändert die zusätzliche Qigong-Praxis bestimmte Beschwerden oder funktionelle Fähigkeiten?

Das ist etwas völlig anderes als die Frage: „Kann Qigong die Erkrankung heilen?“

Gerade bei Gesundheitsinformationen sollte diese Grenze deutlich bleiben.

Qigong als ergänzende statt alternative Behandlung

Die Begriffe ergänzend und alternativ werden häufig durcheinandergebracht.

Eine ergänzende Anwendung bedeutet: Qigong wird zusätzlich zu einer notwendigen medizinischen Behandlung genutzt.

Eine alternative Anwendung würde dagegen bedeuten: Qigong wird anstelle einer medizinischen Behandlung eingesetzt.

Für Erkrankungen ist diese zweite Vorstellung problematisch.

Auch das NCCIH weist ausdrücklich darauf hin, Qigong nicht dafür zu verwenden, notwendige medizinische Versorgung aufzuschieben oder zu ersetzen.

Für diesen Ratgeber ist deshalb eine klare Linie sinnvoll: Qigong kann bei bestimmten Erkrankungen ergänzend untersucht oder eingesetzt werden – nicht als Ersatz für Diagnose und medizinische Therapie.

Was wird in Qigong-Studien überhaupt gemessen?

Nicht jede Studie untersucht dasselbe. Gerade das führt häufig zu Missverständnissen, wenn Studienergebnisse im Internet verkürzt dargestellt werden.

Bei einer Erkrankung können beispielsweise untersucht werden:

  • Schmerzintensität
  • Beweglichkeit
  • Gehfähigkeit
  • Gleichgewicht
  • körperliche Belastbarkeit
  • Blutdruck
  • Lungenfunktion
  • Fatigue
  • Schlafqualität
  • Angst oder depressive Symptome
  • kognitive Leistungsfähigkeit
  • Lebensqualität
  • Einschränkungen im Alltag

Wenn eine Studie eine Verbesserung der Lebensqualität zeigt, bedeutet das nicht automatisch, dass sich die zugrunde liegende Erkrankung zurückgebildet hat.

Wenn Menschen mit Parkinson nach einer Qigong-Intervention besser in einem Gleichgewichtstest abschneiden, bedeutet das nicht, dass Parkinson behandelt wurde.

Wenn sich bei Menschen mit Krebs Fatigue verringert, bedeutet das nicht, dass Qigong den Tumor beeinflusst hat.

Diese Unterscheidung zwischen Erkrankung und begleitendem Symptom beziehungsweise funktionellem Ergebnis ist für die wissenschaftliche Einordnung unverzichtbar.

Die Forschung zu Qigong ist inzwischen deutlich größer geworden

Die wissenschaftliche Literatur zu Tai Chi und Qigong hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen.

Eine 2025 veröffentlichte Evidence Map des US Department of Veterans Affairs untersuchte 26 systematische Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2014 bis 2024. Zusammen deckten diese Reviews 21 unterschiedliche Gesundheitszustände bei Erwachsenen ab.

Die Autoren kamen zu einem insgesamt interessanten Ergebnis: Zwei Reviews wurden als Evidenz hoher Sicherheit für einen Nutzen bewertet, 16 weitere als Evidenz mittlerer Sicherheit. Genannt wurden unter anderem Bluthochdruck, Osteoporose, chronische Rückenschmerzen, Diabetes, Depression, Stürze und Kniearthrose.

Das klingt zunächst sehr stark.

Es gibt jedoch eine wichtige Einschränkung: Die Evidence Map betrachtet Tai Chi und Qigong gemeinsam. Je nach Erkrankung können die zugrunde liegenden Untersuchungen überwiegend Tai Chi, überwiegend Qigong oder beide Methoden betreffen.

Deshalb kann man daraus nicht pauschal folgern: „Für Qigong sind bei 18 Erkrankungen Wirkungen wissenschaftlich bewiesen.“ Das wäre eine unzulässige Verkürzung.

Qigong ist nicht gleich Qigong

Ein weiteres Problem der Forschung besteht darin, dass unter dem Begriff Qigong sehr unterschiedliche Methoden zusammengefasst werden.

Zu den in Studien untersuchten Formen gehören beispielsweise: Baduanjin – die Acht Brokate, Yijinjing, Liuzijue – die Sechs heilenden Laute, Wuqinxi – die Fünf Tiere und unterschiedliche moderne oder medizinische Qigong-Programme. Klassische Systeme wie das Daoyin Yangsheng Gong gehören ebenfalls zu diesem Umfeld. Das NCCIH weist ausdrücklich auf die Vielzahl verschiedener Qigong-Formen hin.

Das ist wissenschaftlich wichtig.

Wenn in einer Untersuchung Baduanjin bei Bluthochdruck positive Ergebnisse zeigt, bedeutet das nicht automatisch, dass dieselbe Wirkung für jede beliebige Qigong-Übung gilt.

Für dein Ratgeberportal würde ich deshalb grundsätzlich den konkreten Qigong-Stil nennen, wenn die Studie diesen eindeutig angibt. Das macht die Beiträge fachlich deutlich genauer.

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Bei welchen Erkrankungen wird Qigong untersucht?

Die Bandbreite ist inzwischen groß. Besonders häufig finden sich Untersuchungen in folgenden Bereichen:

  • muskuloskelettale Erkrankungen und chronische Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • onkologische Erkrankungen und deren Begleitbeschwerden
  • neurologische Erkrankungen
  • Fatigue und Erschöpfungszustände
  • kognitive Beeinträchtigungen
  • psychische Beschwerden

Dabei ist die wissenschaftliche Evidenz keineswegs in allen Bereichen gleich stark.

Qigong bei chronischen Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufig untersuchten Beschwerdebildern.

Dabei ist die Datenlage keineswegs so einfach wie: „Qigong hilft gegen Rückenschmerzen.“

Wie wir im eigenen Rücken-Beitrag bereits gesehen haben, können sich beispielsweise funktionelle Einschränkungen verbessern, ohne dass sich die Schmerzintensität im gleichen Umfang verändert.

Die aktuelle VA-Evidenzübersicht zählt chronische Rückenschmerzen zu den Bereichen, für die Reviews einen Nutzen von Tai Chi beziehungsweise Qigong mit mittlerer Evidenzsicherheit berichten. Da darin beide Bewegungsverfahren betrachtet werden, sollte für konkrete Qigong-Aussagen zusätzlich die Qigong-spezifische Forschung herangezogen werden.

Qigong bei chronischen Schmerzen

Auch Schmerz ist kein einzelnes Krankheitsbild.

Untersucht werden beispielsweise: Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen, Fibromyalgie, Kniearthrose und andere muskuloskelettale Beschwerden.

Das NCCIH bezeichnet die Qigong-Forschung zu Schmerz insgesamt als widersprüchlich. Ältere Reviews fanden positive Hinweise bei verschiedenen Schmerzformen, während andere Auswertungen bei Rücken- und Nackenschmerzen gemischte Ergebnisse zeigten.

Deshalb ist „Qigong gegen Schmerzen“ keine wissenschaftlich sinnvolle Sammelaussage. Jedes Beschwerdebild muss einzeln betrachtet werden.

Qigong-Studien im Bereich Fibromyalgie

Fibromyalgie gehört zu den Erkrankungen, bei denen Qigong bereits seit längerer Zeit untersucht wird.

Das NCCIH fasst mehrere kleinere Studien dahingehend zusammen, dass regelmäßiges Qigong bei Menschen mit Fibromyalgie mit Verbesserungen von Schmerz, Schlaf sowie körperlicher und psychischer Funktion verbunden sein kann. Gleichzeitig weist die Institution ausdrücklich darauf hin, dass sich diese Einschätzung auf eine relativ kleine Zahl kleiner Studien stützt.

Gerade bei Fibromyalgie ist außerdem interessant, dass in manchen Studien eine relativ regelmäßige und längerfristige Praxis eingesetzt wurde. Wie oft eine solche Praxis sinnvoll sein kann, wird im Beitrag zur Übungshäufigkeit im Qigong beschrieben.

Das sollte jedoch nicht dazu führen, daraus eine allgemeine „Qigong-Dosis“ abzuleiten. Menschen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Erkrankungsschwere und Belastbarkeit.

Qigong bei Kniearthrose

Auch Kniearthrose wird untersucht.

Eine vom NCCIH zusammengefasste Übersicht aus sieben Studien mit insgesamt 424 Teilnehmern fand Verbesserungen von Schmerz, Steifigkeit und körperlicher Funktion gegenüber Warteliste beziehungsweise Gesundheitsinformation. Allerdings waren nur drei der sieben Studien methodisch ausreichend gut, weshalb die Autoren die Evidenz als schwach einstuften.

Die aktuelle VA-Evidenzübersicht zählt Kniearthrose zu den Bereichen, für die Tai Chi beziehungsweise Qigong insgesamt einen Nutzen mit mittlerer Evidenzsicherheit zeigen.

Auch hier gilt: Ein solcher Befund bedeutet nicht, dass Arthrose „rückgängig gemacht“ wird. Gemessen werden beispielsweise Schmerz, Steifigkeit und Funktion.

Qigong bei Bluthochdruck

Bluthochdruck gehört mittlerweile zu den interessanteren Qigong-Forschungsgebieten.

Bereits ältere Qigong-Reviews berichteten Blutdrucksenkungen gegenüber keiner Intervention. Gegenüber klassischer körperlicher Aktivität waren Unterschiede dagegen teilweise nicht mehr eindeutig.

Die 2025 veröffentlichte VA-Evidence Map stuft die Evidenz für Tai Chi beziehungsweise Qigong bei Bluthochdruck inzwischen sogar als einen der zwei Bereiche mit hoher Sicherheit für einen Nutzen ein.

Trotzdem bedeutet auch das nicht: Qigong behandelt Bluthochdruck anstelle von Medikamenten. Es bedeutet vielmehr, dass die Bewegungspraxis als Bestandteil eines gesundheitlichen Gesamtkonzepts wissenschaftlich relevant sein kann.

Qigong bei chronischer Herzinsuffizienz

Auch bei chronischer Herzinsuffizienz wird Qigong ergänzend untersucht.

Eine vom NCCIH zusammengefasste systematische Übersicht mit insgesamt 33 Studien und 2.465 Teilnehmern untersuchte Tai Chi und Qigong zusätzlich zur üblichen medizinischen Behandlung.

Die ergänzende Praxis war mit Verbesserungen von Belastbarkeit, Sechs-Minuten-Gehstrecke und Lebensqualität verbunden. Im Vergleich mit anderen Bewegungsprogrammen waren die Unterschiede bei bestimmten körperlichen Belastbarkeitsmaßen dagegen geringer beziehungsweise ähnlich.

Das ist eine wichtige Beobachtung. Qigong muss nicht unbedingt besser als andere Bewegung sein, um als ergänzende Form sinnvoll zu sein.

Bei einer ernsthaften Herzerkrankung sollte die Belastung allerdings medizinisch abgestimmt werden.

Qigong bei COPD

Auch chronisch obstruktive Lungenerkrankung – COPD – gehört zu den häufiger untersuchten Bereichen.

Das NCCIH fasst Reviews zusammen, in denen Qigong zusätzlich zur Standardbehandlung beziehungsweise Atem- oder Rehabilitationsmaßnahmen mit Verbesserungen von Lungenfunktion, körperlicher Belastbarkeit und Lebensqualität verbunden war.

Eine neuere Meta-Analyse von Mind-Body-Übungen bei COPD fand ebenfalls positive Ergebnisse für Qigong unter anderem hinsichtlich Atemnot, Belastbarkeit, Lungenfunktion und Lebensqualität.

Trotzdem gilt: COPD ist eine chronische Lungenerkrankung. Qigong beseitigt die zugrunde liegende Erkrankung nicht und ersetzt keine pneumologische Behandlung oder Rehabilitation. Die wissenschaftliche Frage betrifft vielmehr, ob die Praxis ergänzend funktionelle Fähigkeiten und Beschwerden beeinflussen kann.

Qigong und Atemwegserkrankungen

Bei Atemwegserkrankungen ist Qigong besonders interessant, weil Bewegung und Atmung ohnehin miteinander verbunden werden.

Dennoch sollte nicht aus der traditionellen Bedeutung des Atems geschlossen werden: Qigong verbessert automatisch die Lungenfunktion. Solche Aussagen müssen sich auf konkrete Studien und Personengruppen beziehen.

Bei COPD existiert inzwischen relevante Forschung. Bei anderen Atemwegserkrankungen kann die Evidenz dagegen deutlich dünner sein. Wie sich Atem und Meridiane im Qigong aufeinander beziehen lassen, wird in einem eigenen Beitrag erklärt.

→ Weiterführend: Qigong und Atmung

Qigong bei Parkinson

Auch bei Parkinson wurde Qigong untersucht.

Das NCCIH verweist auf eine Übersichtsarbeit mit sieben Studien und 325 Teilnehmern. Darin waren Qigong-basierte Übungen mit Verbesserungen von Bewegung, Gehfähigkeit und Gleichgewicht verbunden.

Bei Bewegung und Gehfähigkeit waren die Ergebnisse ähnlich wie bei anderen Trainingsformen. Beim Gleichgewicht zeigte sich in dieser Auswertung ein größerer Vorteil für Qigong.

Auch hier muss sehr klar formuliert werden: Qigong behandelt nicht die Ursache der Parkinson-Erkrankung. Untersucht wird die begleitende Wirkung auf Fähigkeiten wie Bewegung, Gang und Gleichgewicht.

Das ist eine typische Form rehabilitativer Forschung.

Was bedeutet Rehabilitation?

Der Begriff Rehabilitation ist für die Einordnung vieler Qigong-Studien hilfreich.

Rehabilitation bedeutet nicht zwangsläufig, eine Erkrankung zu heilen. Ziel kann beispielsweise sein: körperliche Funktionen zu erhalten oder zu verbessern, Selbstständigkeit zu unterstützen, Beweglichkeit zu fördern, Belastbarkeit zu verbessern oder Einschränkungen im Alltag zu reduzieren.

Eine Bewegungspraxis wie Qigong kann deshalb innerhalb einer Rehabilitation interessant sein, obwohl die zugrunde liegende Erkrankung bestehen bleibt.

Gerade bei chronischen Erkrankungen ist diese Unterscheidung sehr wichtig.

Qigong bei Krebs

Im onkologischen Bereich wird Qigong ebenfalls seit Jahren untersucht.

Hier ist besonders wichtig zu verstehen, was nicht untersucht wird: Qigong wird nicht seriös als Verfahren betrachtet, das einen Tumor beseitigt.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr Begleiterscheinungen der Erkrankung und der Behandlung.

Das NCCIH fasst eine systematische Übersicht mit 915 Krebspatienten zusammen, in der Qigong beziehungsweise Tai Chi günstige Ergebnisse insbesondere bei Fatigue und Schlafqualität zeigten. Für Angst, Stress, depressive Symptome und allgemeine Lebensqualität waren die Ergebnisse weniger eindeutig.

Genau deshalb ist folgende Formulierung sinnvoll: Qigong wird in der Krebsversorgung zur Unterstützung bestimmter Symptome und der Lebensqualität untersucht – nicht zur Behandlung des Tumors selbst.

Qigong bei krebsbedingter Fatigue

Dieser Bereich ist inzwischen besonders interessant.

Wie wir im eigenen Fatigue-Beitrag gesehen haben, existieren mittlerweile mehrere kontrollierte Untersuchungen zur krebsbedingten Fatigue.

Die Forschung ist so weit fortgeschritten, dass Tai Chi beziehungsweise Qigong in aktuellen onkologischen Empfehlungen als mögliche nichtmedikamentöse Unterstützung bei krebsbedingter Fatigue berücksichtigt werden.

Auch das NCCIH beschreibt günstige Ergebnisse für Fatigue und Schlafqualität bei Menschen mit unterschiedlichen Krebserkrankungen.

Wichtig bleibt die Sprache: Fatigue-Linderung ≠ Krebs-Therapie.

Qigong bei leichter kognitiver Beeinträchtigung

Auch ältere Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung – MCI – wurden in Qigong-Studien untersucht.

Das NCCIH fasst eine ältere Übersicht mit 13 Studien und 893 Teilnehmern zusammen, in der sich nach mehreren Monaten Qigong positive Veränderungen von Kognition und Gedächtnis zeigten. Die Auswirkungen waren mit denen anderer körperlicher beziehungsweise kombinierter körperlich-kognitiver Programme vergleichbar.

Der entscheidende Punkt lautet auch hier: MCI ist nicht dasselbe wie Demenz.

Aus einer Verbesserung kognitiver Testwerte bei MCI lässt sich nicht ableiten: „Qigong verhindert Alzheimer oder Demenz.“ Dafür wären ganz andere, große und langfristige Studien erforderlich.

Qigong bei Diabetes

Auch Diabetes gehört zu den Gesundheitszuständen, die in der aktuellen VA-Evidence Map berücksichtigt werden.

Dort wird für Tai Chi beziehungsweise Qigong ein Nutzen mit mittlerer Evidenzsicherheit berichtet.

Gerade hier ist jedoch besondere Vorsicht bei der Übersetzung notwendig.

Diabetes umfasst eine komplexe Stoffwechselerkrankung, die je nach Typ und individueller Situation Ernährung, körperliche Aktivität, Medikamente und andere medizinische Maßnahmen erfordern kann.

Aus positiven Bewegungsstudien darf deshalb nicht die Aussage entstehen: „Qigong behandelt Diabetes.“

Eine angemessene Formulierung wäre: Qigong wird als körperliche Aktivität ergänzend bei Menschen mit Diabetes untersucht. Ob sich beispielsweise Blutzuckerkontrolle, körperliche Funktion oder Lebensqualität verändern, muss anhand der jeweiligen Studien betrachtet werden.

Qigong und Depression

Auch depressive Symptome werden in Tai-Chi- und Qigong-Studien untersucht.

Die VA-Evidence Map zählt Depression zu den Bereichen mit einem Nutzen mittlerer Evidenzsicherheit.

Wichtig ist jedoch auch hier, zwischen zwei Aussagen zu unterscheiden: „Bei Teilnehmern verändern sich Werte auf einer Depressionsskala.“ und: „Qigong behandelt eine depressive Erkrankung.“ Das ist nicht dasselbe.

Depressionen können behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen sein. Qigong kann gegebenenfalls ergänzend als Bewegungs- und Mind-Body-Praxis eingesetzt werden, sollte aber keine notwendige psychotherapeutische oder medizinische Versorgung ersetzen.

Qigong bei Angst und psychischer Belastung

Auch Angstwerte, Stress und psychisches Wohlbefinden werden in vielen Qigong-Studien als sogenannte sekundäre Endpunkte erfasst.

Das NCCIH beschreibt beispielsweise kleine Studien bei Menschen mit Substanzgebrauchsstörungen, in denen Qigong Verbesserungen von Angst- und depressiven Symptomen zeigte. Die zugrunde liegenden Studien waren jedoch klein und von begrenzter Qualität.

Solche Ergebnisse sind interessante Forschungshinweise. Sie rechtfertigen aber keine Aussage wie: „Qigong heilt Angststörungen.“

Auch hier bleibt eine sorgfältige Trennung zwischen allgemeinem psychischem Wohlbefinden, Symptomen und diagnostizierten Erkrankungen wichtig. Ein eigener Beitrag zu Qigong bei Stress greift dieses Prinzip weiter auf.

Qigong und Osteoporose

Bemerkenswert ist, dass Osteoporose neben Bluthochdruck in der aktuellen VA-Evidenzübersicht zu den Bereichen gehört, für die ein Review einen Nutzen von Tai Chi beziehungsweise Qigong mit hoher Evidenzsicherheit berichtete.

Auch dieser Befund sollte jedoch nicht verkürzt werden zu: „Qigong behandelt Osteoporose.“

Je nach Studie können beispielsweise körperliche Funktion, Gleichgewicht, Knochenparameter oder Sturzrisiken untersucht werden.

Bei diagnostizierter Osteoporose sind außerdem individuelle Bewegungsanpassungen besonders wichtig, da bestimmte Bewegungen bei ausgeprägter Erkrankung ungeeignet sein können.

Was bedeutet eigentlich „wissenschaftlich belegt“?

Dieser Ausdruck wird im Internet sehr leicht verwendet.

Eine einzelne positive Studie reicht aber nicht aus, um eine Wirkung als gesichert anzusehen.

Die Aussagekraft wird stärker, wenn: mehrere hochwertige randomisierte Studien vorliegen, die Ergebnisse unabhängig voneinander wiederholt werden, aktive Kontrollgruppen verwendet werden, ausreichend viele Teilnehmer eingeschlossen werden, Studien über längere Zeiträume laufen, unerwünschte Ereignisse systematisch erfasst werden und systematische Reviews zu einem konsistenten Ergebnis kommen.

Die VA-Evidence Map ist gerade deshalb hilfreich, weil sie nicht nur fragt, ob ein Ergebnis statistisch positiv ist, sondern auch die Sicherheit der Evidenz bewertet.

Warum randomisierte Studien wichtig sind

Eine häufige Aussage lautet: „Ich habe Qigong gemacht und danach ging es mir besser.“

Eine solche persönliche Erfahrung kann wertvoll sein. Sie beweist jedoch noch keine ursächliche Wirkung.

Vielleicht hätte sich die Beschwerde ohnehin verändert. Vielleicht spielte eine andere Behandlung eine Rolle. Vielleicht war zusätzliche Bewegung entscheidend. Vielleicht wirkten Erwartungen oder soziale Faktoren mit.

Randomisierte kontrollierte Studien versuchen, solche Einflüsse besser voneinander zu trennen. Teilnehmer werden dabei zufällig verschiedenen Gruppen zugeordnet.

Je besser die Vergleichsgruppe gewählt ist, desto besser lässt sich einschätzen, ob ein spezifischer zusätzlicher Effekt der untersuchten Qigong-Praxis vorliegen könnte.

Warum „Qigong versus nichts“ nur begrenzt aussagekräftig ist

Eine Qigong-Gruppe bekommt häufig: regelmäßigen Unterricht, körperliche Bewegung, soziale Kontakte, Aufmerksamkeit durch einen Lehrer, eine strukturierte Wochenroutine.

Eine Kontrollgruppe macht vielleicht gar nichts zusätzlich.

Wenn die Qigong-Gruppe anschließend bessere Ergebnisse zeigt, kann nicht eindeutig bestimmt werden, welcher Bestandteil den Unterschied verursacht hat.

Deshalb sind aktive Kontrollgruppen besonders wertvoll. Beispielsweise: Qigong versus Gehen. Qigong versus Stretching. Qigong versus Rückengymnastik. Qigong versus ein anderes Bewegungsprogramm.

Interessanterweise zeigt die aktuelle VA-Evidence Map, dass die dort berücksichtigten Reviews ausdrücklich Vergleiche mit aktiven Therapien wie Bewegung oder Schulung einschlossen.

Was bedeutet statistisch signifikant?

Ein weiterer häufig missverstandener Begriff ist statistische Signifikanz.

Wenn ein Studienergebnis statistisch signifikant ist, bedeutet dies nicht automatisch: Die Wirkung ist groß. Und es bedeutet auch nicht: Jeder Teilnehmer profitiert.

Eine statistisch messbare Veränderung kann sehr klein sein.

Für Patienten ist deshalb zusätzlich wichtig, ob ein Unterschied auch klinisch relevant beziehungsweise im Alltag wahrnehmbar ist.

Gerade bei Qigong-Studien sollte deshalb nicht nur auf das „p < 0,05″ einer Studie geschaut werden. Die Größe des Effekts und seine praktische Bedeutung sind mindestens ebenso wichtig.

Warum Meta-Analysen trotzdem nicht automatisch die Wahrheit liefern

Meta-Analysen stehen in der wissenschaftlichen Evidenzhierarchie weit oben. Sie können Ergebnisse mehrerer Studien statistisch zusammenfassen.

Aber: Eine Meta-Analyse kann nur so gut sein wie die Studien, aus denen sie besteht.

Wenn viele kleine, methodisch schwache Untersuchungen gemeinsam ausgewertet werden, entsteht daraus nicht automatisch hochwertige Evidenz.

Auch stark unterschiedliche Qigong-Programme und Patientengruppen können zu einer hohen Heterogenität führen.

Deshalb sollte bei jedem Review betrachtet werden: Wie viele Studien wurden eingeschlossen? Wie groß waren sie? Wie gut waren sie durchgeführt? Wurden aktive Kontrollgruppen verwendet? Wie unterschiedlich waren die Ergebnisse?

Die 2025er VA-Evidence Map versucht genau diese Qualität und Sicherheit der vorhandenen Reviews übergeordnet einzuordnen.

Warum die Forschung zu Tai Chi und Qigong oft gemeinsam ausgewertet wird

In wissenschaftlichen Übersichten findet man häufig die Bezeichnung: Tai Chi/Qigong oder TCQ.

Beide Methoden teilen bestimmte Merkmale wie langsame Bewegung, Körperhaltung, Aufmerksamkeit und Atemregulation.

Trotzdem sind Tai Chi und Qigong nicht identisch. Auch innerhalb von Qigong gibt es wiederum verschiedene Systeme.

Wenn eine Meta-Analyse beide Verfahren gemeinsam auswertet, ist deshalb Vorsicht geboten. Ein positives TCQ-Ergebnis bedeutet nicht automatisch: „Qigong allein hat diesen Effekt.“

Sinnvoll ist es deshalb, immer transparent zu machen: War die Studie Qigong-spezifisch oder wurden Tai Chi und Qigong gemeinsam untersucht? Das ist fachlich ein großer Qualitätsunterschied.

Ist Qigong bei chronischen Erkrankungen sicher?

Qigong gilt allgemein als relativ risikoarme Bewegungsform.

Das NCCIH beschreibt Qigong als insgesamt sicher und verweist darauf, dass in vielen Studien keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet wurden; kleinere Beschwerden wie Muskelkater, Muskelschmerz oder Kopfschmerzen können jedoch auftreten.

Auch die aktuelle VA-Evidence Map berichtet, dass 69 Prozent der ausgewerteten Reviews unerwünschte Ereignisse erfassten und insgesamt im Allgemeinen keine schweren Schäden beobachtet wurden.

Das bedeutet jedoch nicht: Qigong ist bei jeder Erkrankung und in jeder Form automatisch sicher.

Ein tiefer Stand kann für einen Menschen mit Gelenkproblemen ungeeignet sein. Eine anspruchsvolle Gleichgewichtsübung kann bei starker Gangunsicherheit ein Sturzrisiko darstellen. Eine körperlich belastende Qigong-Form kann bei einer Herzerkrankung individuell ungeeignet sein.

Sicherheit hängt deshalb auch von Übungsauswahl, Dosierung und persönlicher Situation ab.

Anpassbarkeit ist eine Stärke von Qigong

Eine praktische Stärke vieler Qigong-Übungen ist, dass sie relativ leicht angepasst werden können.

Eine Bewegung kann: kleiner ausgeführt werden, langsamer durchgeführt werden, in einer höheren Standposition stattfinden, weniger Wiederholungen enthalten oder teilweise auch im Sitzen durchgeführt werden.

Gerade bei gesundheitlichen Einschränkungen ist dies hilfreich. Wie Anfänger mit Qigong beginnen, wird in einem eigenen Leitfaden beschrieben.

Allerdings sollte Anpassbarkeit nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Bei relevanten Erkrankungen sollte geklärt werden, welche Belastung tatsächlich geeignet ist.

Wann sollte vor dem Qigong ärztlicher Rat eingeholt werden?

Nicht jeder gesunde Mensch benötigt vor einer ruhigen Qigong-Einheit eine medizinische Untersuchung.

Anders sieht es bei bestehenden Erkrankungen oder deutlich eingeschränkter Belastbarkeit aus.

Besonders sinnvoll kann eine medizinische Rücksprache beispielsweise sein bei:

  • bekannten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • deutlich eingeschränkter Lungenfunktion,
  • starker Gang- oder Gleichgewichtsunsicherheit,
  • frischen Operationen,
  • akuten Verletzungen,
  • schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen
  • oder während belastender medizinischer Behandlungen.

Auch das NCCIH empfiehlt Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Entscheidungen über die Anwendung von Qigong mit ihren behandelnden Gesundheitsfachpersonen abzustimmen und notwendige Versorgung nicht zu ersetzen.

Qigong ist nicht automatisch „medizinisches Qigong“

Auch hier würde ich sprachlich vorsichtig sein.

Der Begriff medizinisches Qigong wird unterschiedlich verwendet. Ein Qigong-Angebot wird nicht dadurch zu einer medizinisch nachgewiesenen Therapie, dass es diesen Namen trägt.

Entscheidend ist immer: Welche konkrete Methode wird eingesetzt? Bei welcher Erkrankung? Mit welchem Ziel? Welche Evidenz existiert? Wer leitet die Übung an? Und welche medizinische Behandlung findet parallel statt?

Die Bezeichnung allein beweist keine Wirksamkeit.

Traditionelle Erklärungen und moderne Erkrankungen

Traditionelle Qigong-Lehren erklären Beschwerden teilweise über Begriffe wie: Qi-Mangel, Qi-Stagnation, Yin und Yang, Meridiane oder Funktionskreise.

Diese Begriffe gehören zum traditionellen chinesischen Modell.

Moderne Medizin beschreibt Erkrankungen dagegen anhand anatomischer, physiologischer, biochemischer und diagnostischer Kriterien.

Beide Systeme sollten nicht einfach gleichgesetzt werden.

Beispielsweise wäre es problematisch zu schreiben: „Bluthochdruck entsteht durch aufsteigendes Leber-Yang.“

Als Darstellung einer traditionellen TCM-Zuordnung kann dieser Gedanke erklärt werden. Als moderne medizinische Ursache von Bluthochdruck wäre er jedoch falsch.

Ebenso beweist eine Blutdrucksenkung in einer Qigong-Studie nicht die Existenz oder Veränderung eines bestimmten Meridians.

Warum diese Trennung gerade bei Krankheiten so wichtig ist

Bei allgemeinen Qigong-Themen kann eine traditionelle Metapher relativ harmlos sein.

Bei Krankheiten können daraus jedoch konkrete Entscheidungen entstehen.

Wenn jemand glaubt: „Mein Qigong reguliert den Lebermeridian, deshalb brauche ich mein Blutdruckmedikament nicht mehr“ wird aus einer traditionellen Erklärung ein reales medizinisches Risiko.

Deshalb sollte diese Trennung durchgehend erkennbar bleiben:

  • Traditionelle Sicht: Wie wird eine Erscheinung innerhalb der TCM beschrieben?
  • Moderne Forschung: Was wurde tatsächlich gemessen und untersucht?
  • Medizinische Behandlung: Was gehört in ärztliche oder therapeutische Hände?

Gerade damit kann sich dein Ratgeber sehr positiv von weniger sorgfältigen Gesundheitsseiten unterscheiden.

Qigong kann Symptome beeinflussen, ohne eine Krankheit zu heilen

Dieser Gedanke lässt sich auf viele Erkrankungen übertragen.

Ein Mensch mit COPD kann möglicherweise weiter gehen. Die COPD besteht trotzdem.

Ein Mensch mit Krebs kann weniger Fatigue empfinden. Der Tumor wurde dadurch nicht behandelt.

Ein Mensch mit Parkinson kann besser das Gleichgewicht halten. Die Parkinson-Erkrankung besteht weiterhin.

Ein Mensch mit chronischem Rückenschmerz kann im Alltag weniger eingeschränkt sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte anatomische Veränderung verschwunden ist.

Symptom, Funktion und zugrunde liegende Erkrankung sind unterschiedliche Ebenen. Diese Trennung ist einer der wichtigsten Gedanken, wenn Qigong im gesundheitlichen Kontext betrachtet wird.

Qigong sollte keine Angst vor Krankheit erzeugen

Auch das Gegenteil von Heilversprechen ist problematisch.

Traditionelle Begriffe sollten nicht dazu führen, dass gesunde Menschen sich selbst Krankheiten oder „energetische Störungen“ diagnostizieren.

Ein müder Tag ist nicht automatisch ein Qi-Mangel. Eine verspannte Schulter beweist keine Meridianblockade. Schlechter Schlaf bedeutet nicht automatisch eine Disharmonie eines bestimmten Organs.

Qigong darf eine Praxis der Wahrnehmung sein, ohne jede Empfindung zu einer Diagnose zu machen.

Was bedeutet das Heilmittelwerbegesetz für solche Inhalte?

Für eine deutsche Gesundheitsseite ist die Formulierung besonders wichtig.

§ 3 des Heilmittelwerbegesetzes untersagt irreführende Werbung. Insbesondere darf einem Verfahren keine therapeutische Wirksamkeit oder Wirkung zugeschrieben werden, die es nicht besitzt, und es darf nicht fälschlich der Eindruck entstehen, ein Erfolg könne sicher erwartet werden.

Daraus ergibt sich eine sinnvolle sprachliche Linie:

Nicht: „Qigong senkt Bluthochdruck.“ Besser: „In Studien wurde untersucht, ob regelmäßiges Qigong den Blutdruck beeinflussen kann.“ Oder – wenn die Evidenz entsprechend gut ist: „Studien liefern Hinweise auf eine Senkung des Blutdrucks durch regelmäßiges Qigong bei bestimmten Personengruppen.“

Nicht: „Qigong hilft gegen Parkinson.“ Sondern: „Qigong wird bei Parkinson unter anderem hinsichtlich Gleichgewicht, Gang und körperlicher Funktion untersucht.“

Diese Sprache ist nicht nur rechtlich vorsichtiger, sondern auch wissenschaftlich präziser.

Bedeutet vorsichtige Sprache, dass Qigong kaum erforscht ist?

Nein. Das wäre das andere Extrem.

Die Forschung ist inzwischen deutlich weiter, als es vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall war.

Die aktuelle Evidence Map zeigt ausdrücklich, dass die Evidenzbasis zwischen 2014 und 2024 gewachsen ist und für mehrere Gesundheitsbereiche inzwischen Nutzen mit mittlerer oder teilweise hoher Evidenzsicherheit berichtet wird.

Seriöse Kommunikation bedeutet deshalb weder: „Qigong wirkt gegen alles.“ noch: „Für Qigong ist überhaupt nichts wissenschaftlich untersucht.“

Die richtige Aussage liegt dazwischen: Bei verschiedenen Erkrankungen und Symptomen gibt es mittlerweile relevante wissenschaftliche Evidenz. Wie belastbar sie ist, unterscheidet sich jedoch stark je nach Erkrankung, Qigong-Form und untersuchtem Ergebnis.

Was lässt sich wissenschaftlich insgesamt sagen?

Die Forschung zu Qigong bei Erkrankungen ist inzwischen umfangreich genug, dass die pauschale Aussage „Qigong ist wissenschaftlich überhaupt nicht untersucht“ nicht mehr angemessen wäre.

Die 2025 aktualisierte Evidence Map des US Department of Veterans Affairs identifizierte systematische Reviews zu 21 verschiedenen Gesundheitszuständen und fand für zahlreiche Bereiche Evidenz mittlerer beziehungsweise teilweise hoher Sicherheit.

Gleichzeitig bestehen weiterhin wichtige Einschränkungen.

Ein Teil der Evidenz fasst Tai Chi und Qigong gemeinsam zusammen. Unterschiedliche Qigong-Formen werden untersucht. Viele Einzelstudien stammen aus China. Nicht jede Untersuchung verwendet eine aktive Kontrollgruppe. Bei manchen Erkrankungen gibt es nur wenige kleine Studien. Und häufig beziehen sich positive Ergebnisse auf Symptome oder körperliche Funktionen, nicht auf die Erkrankung selbst.

Deshalb wäre die Aussage „Die Wirkung von Qigong bei Krankheiten ist wissenschaftlich bewiesen“ ebenso zu allgemein wie „Für Qigong gibt es keine wissenschaftlichen Belege.“

Treffender ist: Qigong wird inzwischen bei zahlreichen Erkrankungen wissenschaftlich untersucht. Für einige Symptome und funktionelle Ergebnisse gibt es relevante positive Evidenz, während andere Bereiche weiterhin unsicher oder widersprüchlich sind.

Weiterführende Beiträge zu Qigong bei Erkrankungen

Erkrankungen stehen im Qigong nie für sich. Sie berühren Themen wie Schmerzen, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-System und den Umgang mit Belastung. Verwandte Beiträge vertiefen diese Bezüge:

So wird sichtbar, warum Qigong bei Erkrankungen vor allem als begleitende Übungspraxis, nicht als Ersatz für ärztliche Behandlung, verstanden werden sollte.

Fazit: Qigong bei Erkrankungen bedeutet vor allem begleitende Anwendung

Qigong wird heute bei einer erstaunlich großen Bandbreite gesundheitlicher Probleme wissenschaftlich untersucht.

Dazu gehören unter anderem chronische Schmerzen, Rückenbeschwerden, Kniearthrose, Bluthochdruck, chronische Herzinsuffizienz, COPD, Parkinson, Fibromyalgie, krebsbedingte Fatigue und leichte kognitive Beeinträchtigungen.

Dabei ist entscheidend, was tatsächlich untersucht wird.

Qigong soll in solchen Studien häufig nicht eine Erkrankung beseitigen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Fragen wie: Kann sich ein Mensch besser bewegen? Verbessert sich das Gleichgewicht? Verändert sich der Blutdruck? Nimmt Fatigue ab? Verbessert sich die Schlafqualität? Wird der Alltag weniger stark durch Beschwerden eingeschränkt?

Diese Wirkungen können für einen Betroffenen sehr wertvoll sein, auch wenn die zugrunde liegende Erkrankung weiterhin besteht.

Genau deshalb passt der Begriff ergänzende Qigong-Praxis besser als die Vorstellung einer alternativen Heilbehandlung.

Die wissenschaftliche Forschung ist inzwischen deutlich gewachsen und für einzelne Bereiche durchaus überzeugend. Gleichzeitig darf daraus keine pauschale Heilwirkung abgeleitet werden. Der übergeordnete Beitrag zu den Wirkungen von Qigong ordnet dieses Zusammenspiel in den größeren Kontext von Bewegung, Wahrnehmung und Ruhe ein.

Eine angemessene Schlussfolgerung lautet deshalb: Qigong kann bei bestimmten Erkrankungen eine sinnvolle ergänzende Bewegungs- und Wahrnehmungspraxis sein. Welche Wirkung zu erwarten ist, hängt jedoch von Erkrankung, untersuchtem Ziel, Qigong-Form und individueller Situation ab. Eine notwendige medizinische Behandlung ersetzt Qigong nicht.

Und gerade bei krankheitsbezogenen Aussagen ist vielleicht eine einfache Frage besonders hilfreich: Nicht: „Welche Krankheit heilt Qigong?“ sondern: „Welche Fähigkeiten oder Beschwerden wurden bei Menschen mit dieser Erkrankung untersucht – und wie gut ist die Evidenz dafür?“

Das ist aus meiner Sicht die wissenschaftlich sauberste Art, Qigong und Gesundheit miteinander zu verbinden.

Wenn du Qigong regelmäßig und alltagstauglich üben möchtest, ergänzend zu deiner gesundheitlichen Situation: In der Qigong-Kraftquelle findest du kurze Einheiten – auch für Einsteiger.

Häufige Fragen zu Qigong bei Erkrankungen

Was bedeutet Qigong bei Erkrankungen?

Qigong wird bei bestehenden Erkrankungen in der Regel als begleitende, nicht als alleinige Maßnahme betrachtet. Es ist keine Behandlung, keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Versorgung. Die Übungspraxis kann in Absprache mit behandelnden Fachpersonen als ergänzende, alltagstaugliche Bewegungsform in einen Gesamtplan eingebaut werden.

Wie kann Qigong ergänzend zu einer Behandlung eingesetzt werden?

Qigong bietet sanfte Bewegung, ruhige Atmung und bewusste Wahrnehmung. Das kann helfen, körperlich und mental aktiv zu bleiben – auch dann, wenn intensiveres Training nicht möglich ist. Wichtig: Qigong ersetzt keine verordneten Medikamente, keine Physiotherapie und keine spezifische medizinische Behandlung.

Bei welchen Erkrankungen wird Qigong untersucht?

Studien liegen zu unterschiedlichen Krankheitsbildern und gesundheitlichen Beschwerden vor, darunter chronische Rückenschmerzen, Bluthochdruck, chronische Herzinsuffizienz, COPD, Parkinson, Kniearthrose, Fibromyalgie und Depression. Studienqualität und Ergebnisse unterscheiden sich teilweise deutlich. Aus einzelnen Untersuchungen lässt sich daher keine allgemeine Wirksamkeit von Qigong bei Erkrankungen ableiten.

Welche Qigong-Aspekte werden bei begleitender Anwendung besonders angesprochen?

Wichtig sind sanfte, angepasste Bewegungen, langsame Atmung, aufrechte Haltung im Rahmen des Möglichen und moderate Belastung. Übungsreihen wie die Acht Brokate (Baduanjin) sind besonders gut untersucht und lassen sich in Umfang und Intensität an die eigene Belastbarkeit anpassen.

Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen insgesamt?

Die vorliegenden Studien deuten bei einigen Krankheitsbildern auf mögliche unterstützende Effekte hin – etwa auf Beweglichkeit, körperliche Funktion, Fatigue-Erleben oder Wohlbefinden. Die Ergebnisse sind aber je nach Erkrankung, Qigong-Form und Studiendesign unterschiedlich und methodisch teilweise begrenzt. Diese Beobachtungen beruhen auf Studien in bestimmten Kontexten und sind nicht mit einer allgemein nachgewiesenen medizinischen Wirkung gleichzusetzen. Aussagen wie „Qigong heilt Erkrankung X“ sind nicht durch die Studienlage gedeckt.

Worauf sollte man beim Üben mit einer Erkrankung achten?

Der Einstieg sollte mit der behandelnden ärztlichen oder therapeutischen Fachperson abgestimmt werden. Belastbarkeit, akute Situation und individuelle Beschwerden entscheiden über Umfang, Intensität und geeignete Übungsauswahl. Übungen werden angepasst, verkürzt oder ausgelassen, wenn Beschwerden es erfordern. Qigong ersetzt keine ärztlich verordnete Behandlung und keine Medikamenteneinnahme.

Wie fängt man mit Qigong bei einer bestehenden Erkrankung an?

Ein sanfter Einstieg sind kurze, ruhige Übungen im Stehen oder Sitzen mit natürlicher Atmung und viel Aufmerksamkeit für die eigene Belastbarkeit. Wer die klassische TCM-Perspektive einbeziehen möchte, findet in Punkten wie Konzeptionsgefäß 6 (KG 6) Qihai traditionell einen Bezug zum Sammeln von Qi im unteren Bauchraum. Klein anfangen, regelmäßig üben und im Zweifel Rücksprache halten.

Hinweis zur Einordnung

Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und beruhen auf traditionellen Konzepten sowie öffentlich verfügbaren Studien. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.

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