Bachpunkte gehören zu den fünf antiken Punkten der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM. Jeder der zwölf Hauptmeridiane besitzt einen Bachpunkt. Insgesamt umfasst diese Punktgruppe daher zwölf Akupunkturpunkte.
Sie liegen an Händen und Füßen, meist im Bereich der Mittelhand, des Mittelfußes oder nahe den Hand- und Fußgelenken. Innerhalb der fünf antiken Punkte folgen sie auf die Brunnen- und Quellpunkte. Danach schließen sich Fluss- und Meerpunkt an.
Das traditionelle Bild vergleicht diese Punktfolge mit einem anwachsenden Wasserlauf: Am Brunnen tritt das Wasser hervor, an der Quelle sammelt es sich und am Bach beginnt es deutlicher zu fließen. Anschließend wird es zum Fluss und mündet schließlich in ein Meer.
Dieses Bild beschreibt keine anatomisch vorhandene Flüssigkeit. Es ist eine traditionelle Metapher, mit der die Position und Qualität der fünf Punktarten geordnet werden.
Eine Besonderheit der Bachpunkte ist ihre Beziehung zu den Ursprungspunkten: Auf den sechs Yin-Meridianen ist der Bachpunkt zugleich der jeweilige Ursprungspunkt. Auf den sechs Yang-Meridianen sind Bach- und Ursprungspunkt dagegen zwei getrennte Akupunkturpunkte.
Für Qigong-Übende können Bachpunkte eine Orientierung für Hände, Füße sowie Hand- und Fußgelenke geben. Dabei müssen die einzelnen Punkte weder kräftig gedrückt noch besonders deutlich gespürt werden. Der übergeordnete Rahmen dieser Punktlehre wird im Beitrag Akupunkturpunkte in TCM und Qigong ausführlich beschrieben.
Was sind Bachpunkte?
Bachpunkte bilden die dritte Gruppe der fünf antiken Punkte. International werden sie meist als Shu-Stream Points bezeichnet.
Jeder der zwölf Hauptmeridiane besitzt folgende Punktreihe:
- Brunnenpunkt – Jing-Well
- Quellpunkt – Ying-Spring
- Bachpunkt – Shu-Stream
- Flusspunkt – Jing-River
- Meerpunkt – He-Sea
Die fünf Shu-Punkte liegen jeweils zwischen den Enden der Finger oder Zehen und den Bereichen von Ellenbogen beziehungsweise Knie. Ihre Reihenfolge verläuft von körperfern nach körpernah.
Insgesamt gibt es:
- sechs Bachpunkte an den Händen,
- sechs Bachpunkte an den Füßen,
- sechs Bachpunkte auf Yin-Meridianen,
- sechs Bachpunkte auf Yang-Meridianen.
Der Begriff Bachpunkt bezeichnet eine festgelegte Kategorie innerhalb des traditionellen Systems. Er beschreibt nicht, wie stark ein Punkt spürbar ist oder ob dort etwas tatsächlich wie Wasser fließt.
Warum heißen sie Bachpunkte?
Die Bezeichnung ist Teil des traditionellen Wasserbildes der fünf antiken Punkte.
Am Brunnenpunkt tritt das Wasser klein und fein hervor. Am Quellpunkt beginnt es sich zu sammeln. Am Bachpunkt ist daraus ein erkennbarer Wasserlauf entstanden. Weiter in Richtung Körpermitte wird dieser zum Fluss und schließlich zum Meer.
Die Reihenfolge lautet:
Brunnen – Quelle – Bach – Fluss – Meer
Im traditionellen Modell wird damit beschrieben, dass sich die Qualität des Qi entlang des körperfernen Meridianabschnitts verändert.
Für einen bodenständigen Zugang kann man das Bild auch räumlich verstehen: Die Punktreihe führt von den äußersten Körperenden über Hände und Füße weiter zu Unterarmen, Unterschenkeln, Ellenbogen und Knien.
Was bedeutet Shu-Stream?
Der Begriff Shu-Stream ist die international gebräuchliche Bezeichnung für den Bachpunkt.
„Stream“ bedeutet Bach oder kleiner Wasserlauf. „Shu“ wird in diesem Zusammenhang mit Transportieren oder Weiterleiten in Verbindung gebracht. Daher werden die fünf antiken Punkte auch als fünf Transportpunkte bezeichnet.
Der Ausdruck Shu kann jedoch leicht zu Verwechslungen führen, weil er in mehreren TCM-Bezeichnungen vorkommt.
Zu unterscheiden sind insbesondere:
- Shu-Stream-Punkte: die Bachpunkte der fünf antiken Punkte,
- Rücken-Shu-Punkte: besondere Punkte entlang des Blasen-Meridians auf dem Rücken,
- fünf Shu-Punkte: die gesamte Reihe aus Brunnen-, Quell-, Bach-, Fluss- und Meerpunkt.
Bachpunkte und Rücken-Shu-Punkte gehören somit nicht zur gleichen Punktgruppe.
Wo liegen die Bachpunkte?
Bachpunkte liegen überwiegend an Händen und Füßen oder unmittelbar in der Nähe der Hand- und Fußgelenke.
Viele befinden sich:
- zwischen Mittelhand- oder Mittelfußknochen,
- nahe den Finger- oder Zehengrundgelenken,
- in Vertiefungen zwischen Knochen und Sehnen,
- am Übergang zwischen Hand und Unterarm,
- am Übergang zwischen Fuß und Unterschenkel.
Damit liegen sie im Allgemeinen etwas körpernäher als die Quellpunkte, jedoch noch vor den Flusspunkten an Unterarmen oder Unterschenkeln.
Die genaue Punktlage wird anhand anatomischer Bezugspunkte und proportionaler Körpermaße bestimmt. Die WHO-Standards verwenden dafür möglichst klare anatomische Begriffe sowie horizontale und vertikale Orientierungsmethoden.
Die zwölf Bachpunkte im Überblick
Lunge 9 – Taiyuan
Lunge 9 liegt an der daumenseitigen Handgelenksfalte in einer kleinen Vertiefung im Bereich einer gut tastbaren Arterie.
Der Punkt ist zugleich:
- Bachpunkt des Lungen-Meridians,
- Ursprungspunkt des Lungen-Meridians,
- und innerhalb der fünf Wandlungsphasen der Erde zugeordnet.
Der Bereich sollte wegen der oberflächlich tastbaren Arterie nicht kräftig oder bohrend gedrückt werden. Für Qigong genügt die entspannte Wahrnehmung der Handgelenksfalte.
Dickdarm 3 – Sanjian
Dickdarm 3 befindet sich auf der Daumenseite des Zeigefingers beziehungsweise der Hand, nahe dem Zeigefingergrundgelenk.
Er ist der Bachpunkt des Dickdarm-Meridians. Auf diesem Yang-Meridian bildet er nicht zugleich den Ursprungspunkt. Dieser ist Dickdarm 4.
Beim Öffnen und Schließen der Hand kann der Bereich an der Zeigefingerseite sanft einbezogen werden.
Magen 43 – Xiangu
Magen 43 liegt auf dem Fußrücken zwischen dem zweiten und dritten Mittelfußknochen.
Er bildet den Bachpunkt des Magen-Meridians. Der Ursprungspunkt dieses Yang-Meridians ist dagegen Magen 42.
Für die Qigong-Praxis kann der gesamte Fußrücken wahrgenommen werden. Ein punktgenaues Drücken ist nicht notwendig.
Milz 3 – Taibai
Milz 3 befindet sich an der Innenseite des Fußes, nahe dem Grundgelenk der großen Zehe.
Er ist zugleich:
- Bachpunkt des Milz-Meridians,
- Ursprungspunkt des Milz-Meridians,
- und der Wandlungsphase Erde zugeordnet.
Die Innenkante des Fußes spielt beim Stehen und bei Gewichtsverlagerungen eine wichtige Rolle. Dabei sollte das Fußgewölbe weder verkrampft angehoben noch nach innen zusammengedrückt werden.
Herz 7 – Shenmen
Herz 7 liegt an der kleinfingerseitigen Handgelenksfalte in einer Vertiefung nahe einer Sehne.
Der Punkt ist zugleich Bach- und Ursprungspunkt des Herz-Meridians. Sein chinesischer Name Shenmen wird häufig mit „Tor des Geistes“ übersetzt.
Die traditionelle Beziehung zu Shen ist kein medizinisches Wirkversprechen. Im Qigong kann der Bereich als Orientierung für ein weiches, entspanntes Handgelenk dienen.
Dünndarm 3 – Houxi
Dünndarm 3 liegt an der Kleinfingerseite der Hand, nahe dem Grundgelenk des kleinen Fingers. Bei locker geschlossener Hand ist dort häufig eine kleine Hautfalte oder Vertiefung erkennbar.
Er ist der Bachpunkt des Dünndarm-Meridians. Der separate Ursprungspunkt dieses Yang-Meridians ist Dünndarm 4.
Dünndarm 3 wird außerdem traditionell als Öffnungspunkt des Du Mai eingeordnet. Dadurch gehört er mehreren Punktgruppen an.
Blase 65 – Shugu
Blase 65 befindet sich an der Außenseite des Fußes, nahe dem Grundgelenk der kleinen Zehe.
Er ist der Bachpunkt des Blasen-Meridians. Der Ursprungspunkt dieses Yang-Meridians liegt mit Blase 64 an einer anderen Stelle.
Im Qigong kann die äußere Fußkante beim Stand bewusst wahrgenommen werden, ohne das Gewicht ausschließlich nach außen zu verlagern.
Niere 3 – Taixi
Niere 3 liegt an der Innenseite des Fußgelenks, zwischen dem Innenknöchel und der Achillessehne.
Der Punkt ist zugleich Bach- und Ursprungspunkt des Nieren-Meridians.
Der Bereich enthält empfindliche anatomische Strukturen. Für Qigong und sanfte Selbstwahrnehmung genügt es, Innenknöchel, Ferse und Achillessehne als zusammengehörige Region zu spüren.
Herzbeutel 7 – Daling
Herzbeutel 7 liegt in der Mitte der vorderen Handgelenksfalte zwischen tastbaren Sehnen.
Er ist sowohl Bachpunkt als auch Ursprungspunkt des Herzbeutel-Meridians.
Beim Qigong können die Handgelenke weich bleiben, während sich die Hände heben, senken oder drehen. Ständiges Abknicken vermindert häufig die fließende Qualität der Bewegung.
Dreifacher Erwärmer 3 – Zhongzhu
Dreifacher Erwärmer 3 liegt auf dem Handrücken zwischen dem vierten und fünften Mittelhandknochen.
Er bildet den Bachpunkt des Dreifachen-Erwärmer-Meridians. Sein Ursprungspunkt ist Dreifacher Erwärmer 4.
Durch sanftes Spreizen und Zusammenführen von Ringfinger und kleinem Finger lässt sich die Region ohne starken Druck wahrnehmen.
Gallenblase 41 – Zulinqi
Gallenblase 41 befindet sich auf dem Fußrücken zwischen dem vierten und fünften Mittelfußknochen.
Er ist der Bachpunkt des Gallenblasen-Meridians. Als Ursprungspunkt gilt dagegen Gallenblase 40.
Gallenblase 41 wird traditionell außerdem als Öffnungspunkt des Dai Mai bezeichnet. Auch dieser Punkt gehört daher zu mehreren Kategorien.
Leber 3 – Taichong
Leber 3 liegt auf dem Fußrücken zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen.
Er ist zugleich:
- Bachpunkt des Leber-Meridians,
- Ursprungspunkt des Leber-Meridians,
- und der Wandlungsphase Erde zugeordnet.
Leber 3 wird häufig in Akupressurbeiträgen erwähnt. Eine traditionelle Zuordnung ist jedoch nicht mit einer garantierten Wirkung gleichzusetzen.
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Übersicht der Bachpunkte
| Meridian | Bachpunkt | Zugleich Ursprungspunkt? |
|---|---|---|
| Lunge | LU 9 | Ja |
| Dickdarm | DI 3 | Nein |
| Magen | MA 43 | Nein |
| Milz | MI 3 | Ja |
| Herz | HE 7 | Ja |
| Dünndarm | DÜ 3 | Nein |
| Blase | BL 65 | Nein |
| Niere | NI 3 | Ja |
| Herzbeutel | PE 7 | Ja |
| Dreifacher Erwärmer | 3E 3 | Nein |
| Gallenblase | GB 41 | Nein |
| Leber | LE 3 | Ja |
Die Überschneidung betrifft somit genau die sechs Yin-Meridiane. Dort fallen Shu-Stream- und Yuan-Source-Punkt zusammen. Die sechs Yang-Meridiane besitzen jeweils einen getrennten Ursprungspunkt.
Bachpunkte der Handmeridiane
An den Händen beziehungsweise Handgelenken liegen sechs Bachpunkte.
Yin-Meridiane der Hand
- Lunge 9 an der daumenseitigen Handgelenksfalte,
- Herz 7 an der kleinfingerseitigen Handgelenksfalte,
- Herzbeutel 7 in der Mitte der Handgelenksfalte.
Alle drei sind zugleich Ursprungspunkte ihrer Meridiane.
Yang-Meridiane der Hand
- Dickdarm 3 an der Zeigefingerseite,
- Dünndarm 3 an der Kleinfingerseite,
- Dreifacher Erwärmer 3 auf dem Handrücken.
Diese Punkte liegen noch vor den jeweiligen separaten Ursprungspunkten.
Für das Qigong ist die Verteilung interessant, weil sie unterschiedliche Bereiche der Hand einbezieht:
- Daumenseite,
- Zeigefingerseite,
- Kleinfingerseite,
- Handrücken,
- Mitte und Seiten der Handgelenksfalte.
Bachpunkte der Fußmeridiane
An den Füßen und Fußgelenken befinden sich ebenfalls sechs Bachpunkte.
Yin-Meridiane des Fußes
- Milz 3 an der Innenkante des Vorfußes,
- Niere 3 am inneren Fußgelenk,
- Leber 3 auf dem Fußrücken.
Sie sind zugleich Ursprungspunkte.
Yang-Meridiane des Fußes
- Magen 43 zwischen zweitem und drittem Mittelfußknochen,
- Blase 65 an der äußeren Fußkante,
- Gallenblase 41 zwischen viertem und fünftem Mittelfußknochen.
Die Bachpunkte verteilen sich damit auf Innenkante, Außenkante und Fußrücken. Im Qigong kann daraus eine ganzheitliche Fußwahrnehmung entstehen, ohne die sechs Stellen einzeln zu behandeln.
Bachpunkte und Ursprungspunkte
Die Beziehung zwischen Bach- und Ursprungspunkten ist eine der wichtigsten Besonderheiten dieser Punktgruppe.
Auf den Yin-Meridianen
Auf jedem Yin-Meridian ist der Bachpunkt zugleich der Ursprungspunkt:
- LU 9,
- MI 3,
- HE 7,
- NI 3,
- PE 7,
- LE 3.
Ein einzelner Punkt gehört somit gleichzeitig zu zwei Kategorien.
Auf den Yang-Meridianen
Auf den Yang-Meridianen sind Bach- und Ursprungspunkt voneinander getrennt:
- DI 3 und DI 4,
- MA 43 und MA 42,
- DÜ 3 und DÜ 4,
- BL 65 und BL 64,
- 3E 3 und 3E 4,
- GB 41 und GB 40.
Ursprungspunkte sind daher keine zusätzliche sechste Stufe der fünf antiken Punkte. Sie bilden ein eigenständiges System, das sich lediglich bei den Yin-Meridianen mit den Bachpunkten überschneidet.
Warum gibt es auf Yang-Meridianen einen zusätzlichen Ursprungspunkt?
Die unterschiedliche Systematik gehört zur klassischen Punktlehre der TCM.
Bei den Yin-Meridianen übernimmt der Shu-Stream-Punkt zugleich die Rolle des Yuan-Source-Punktes. Bei den Yang-Meridianen wird zwischen beiden Kategorien unterschieden.
Für das Lernen ergibt sich daraus eine einfache Regel:
Yin: Bachpunkt und Ursprungspunkt sind identisch.
Yang: Bachpunkt und Ursprungspunkt liegen getrennt.
Diese Regel hilft, häufige Verwechslungen zu vermeiden. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, dass einer der Punkte grundsätzlich wichtiger oder wirksamer wäre.
Bachpunkte und die fünf Wandlungsphasen
Die fünf antiken Punkte werden zusätzlich den Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet.
Bachpunkte der Yin-Meridiane: Erde
Auf den sechs Yin-Meridianen entsprechen die Bachpunkte der Wandlungsphase Erde:
- Lunge 9,
- Milz 3,
- Herz 7,
- Niere 3,
- Herzbeutel 7,
- Leber 3.
Bachpunkte der Yang-Meridiane: Holz
Auf den sechs Yang-Meridianen werden die Bachpunkte der Wandlungsphase Holz zugeordnet:
- Dickdarm 3,
- Magen 43,
- Dünndarm 3,
- Blase 65,
- Dreifacher Erwärmer 3,
- Gallenblase 41.
Die vollständige Reihenfolge lautet:
| Punktgruppe | Yin-Meridiane | Yang-Meridiane |
|---|---|---|
| Brunnen | Holz | Metall |
| Quelle | Feuer | Wasser |
| Bach | Erde | Holz |
| Fluss | Metall | Feuer |
| Meer | Wasser | Erde |
Diese Einteilung folgt innerhalb der jeweiligen Yin- und Yang-Reihe dem traditionellen Hervorbringungszyklus der fünf Wandlungsphasen.
Welche traditionelle Bedeutung haben Bachpunkte?
Bachpunkte werden in der traditionellen Akupunkturlehre als besondere Stellen des Meridianverlaufs betrachtet. Ihnen werden je nach Meridian und Lehrsystem unterschiedliche Aufgaben zugeschrieben.
Häufig finden sich traditionelle Formulierungen wie:
- den Meridian regulieren,
- Qi bewegen,
- Schwere beeinflussen,
- Gelenkbereiche ansprechen,
- oder bestimmte traditionelle Muster ausgleichen.
Bei den Yin-Meridianen kommt die zusätzliche Einordnung als Ursprungspunkt hinzu. Dadurch werden sie traditionell auch mit dem jeweiligen Organfunktionskreis und dem Yuan-Qi in Beziehung gebracht.
Diese Aussagen gehören zum theoretischen System der TCM. Sie stellen keine garantierten medizinischen Wirkungen dar und sollten nicht ohne fachliche Einordnung zur Selbstbehandlung bestimmter Erkrankungen verwendet werden.
Warum können Bachpunkte druckempfindlich sein?
Viele Bachpunkte liegen in anatomisch sensiblen Regionen:
- zwischen kleinen Knochen,
- in der Nähe von Gelenken,
- an Sehnen,
- über Gefäßen oder Nerven,
- an Hand- und Fußgelenksfalten,
- in bereits belasteten Bereichen der Hände und Füße.
Druckempfindlichkeit kann unter anderem entstehen durch:
- starke oder ungewohnte Belastung,
- enges Schuhwerk,
- langes Stehen oder Gehen,
- häufiges Arbeiten mit den Händen,
- Muskel- oder Sehnenspannung,
- Gelenkreizungen,
- kleine Verletzungen,
- individuelle Berührungsempfindlichkeit.
Ein empfindlicher Bachpunkt beweist keine sogenannte Qi-Blockade und lässt keine sichere Aussage über das traditionell zugeordnete Organ zu.
Müssen Bachpunkte beim Drücken spürbar sein?
Nein. Ein Bachpunkt muss weder schmerzen noch kribbeln oder warm werden.
Mögliche Wahrnehmungen reichen von:
- neutralem Druck,
- leichter Empfindlichkeit,
- Wärme,
- einem dumpfen Gefühl,
- bis zu keiner besonderen Reaktion.
Die Empfindung hängt unter anderem von Körperhaltung, Druckrichtung, Gewebespannung und individueller Sensibilität ab.
Für Qigong ist eine auffällige Reaktion nicht erforderlich. Der Punkt dient als Orientierung und nicht als Test dafür, ob das Qi richtig fließt.
Kann man Bachpunkte selbst drücken?
Viele Bachpunkte sind gut erreichbar. Dennoch sollte besonders in der Nähe von Gelenken, Sehnen, Arterien und Nerven vorsichtig gearbeitet werden.
Für eine sanfte Selbstmassage gilt:
- zuerst den Bereich anatomisch orientieren,
- locker mit der Fingerkuppe Kontakt aufnehmen,
- Druck nur langsam erhöhen,
- nicht bohren oder stark quetschen,
- bei stechendem Schmerz sofort nachlassen,
- anschließend Hand oder Fuß als Ganzes wahrnehmen.
Auf intensiven Druck sollte verzichtet werden bei:
- akuten Verletzungen,
- Schwellungen,
- entzündeter Haut,
- unklaren Gelenkbeschwerden,
- Gefühlsstörungen,
- frischen Operationen,
- oder zunehmenden Schmerzen.
Die Akupunktur mit Nadeln gehört in qualifizierte fachliche Hände.
Bachpunkte in der Akupressur
In der Akupressur können Bachpunkte ruhig gehalten oder sanft kreisend massiert werden.
Dabei ist es nicht notwendig, eine starke Empfindung hervorzurufen. Eine mögliche Vorgehensweise ist:
- Hand oder Fuß bequem ablegen.
- Den Punktbereich anhand anatomischer Merkmale bestimmen.
- Mit einer weichen Fingerkuppe Kontakt aufnehmen.
- Einen leichten, angenehmen Druck halten.
- Ruhig weiteratmen.
- Den Druck langsam wieder lösen.
- Die gesamte Extremität nachspüren.
Die traditionelle Auswahl eines Punktes richtet sich nicht nur nach seiner Empfindlichkeit. Sie berücksichtigt innerhalb der TCM den Meridian, die Punktgruppe und den gesamten Befund.
Bachpunkte im Qigong
Im Qigong können Bachpunkte vor allem die Wahrnehmung von Händen, Füßen und Gelenken unterstützen.
Hände bewusst führen
Viele Bachpunkte der Handmeridiane liegen an Handkanten, Handrücken oder Handgelenken. Beim Heben und Senken der Arme können die Hände weich bleiben, ohne schlaff zu werden.
Handgelenke durchlässig halten
Die Handgelenke verbinden die Bewegungen der Arme mit den Händen. Sie sollten weder starr fixiert noch unnötig abgeknickt werden.
Fußrücken und Fußkanten wahrnehmen
Bachpunkte der Fußmeridiane liegen auf dem Fußrücken sowie an Innen- und Außenkante. Diese Bereiche können beim Stehen als Teile eines zusammenhängenden Fußes wahrgenommen werden.
Fußgelenke bewegen
Kreisen, Beugen und Strecken der Fußgelenke verbindet Füße und Unterschenkel. Die Bewegung sollte klein und kontrolliert bleiben.
Aufmerksamkeit vom Körperende zur Mitte führen
Das Wasserbild kann als Wahrnehmungsrichtung dienen: von den Fingern und Zehen über Hände und Füße weiter zu Armen, Beinen und Körpermitte.
Eine einfache Qigong-Übung für Hände und Füße
Stelle dich aufrecht hin oder setze dich bequem auf einen Stuhl.
Lass die Schultern sinken und spüre zunächst einige ruhige Atemzüge.
Hebe die Unterarme langsam an. Die Handflächen zeigen zueinander, während die Handgelenke weich bleiben.
Öffne und schließe die Hände einige Male locker. Nimm dabei Handflächen, Handrücken und Handkanten wahr.
Kreise anschließend mit kleinen Bewegungen aus den Handgelenken. Die Unterarme bleiben möglichst ruhig und die Finger entspannt.
Lass die Arme wieder sinken und richte die Aufmerksamkeit zu den Füßen.
Verlagere das Gewicht langsam:
- etwas zur Innenkante,
- zurück zur Mitte,
- etwas zur Außenkante,
- und wieder zur Mitte.
Die Bewegung bleibt klein. Knie und Fußgelenke sind nicht starr.
Zum Abschluss spürst du Hände, Füße, Arme und Beine gemeinsam. Es muss keine besondere Empfindung an einem einzelnen Bachpunkt entstehen. Wenn du solche Bewegungen begleitet lernen möchtest, findest du in meinen Qigong-Übungsvideos der Kraftquelle einfache Anleitungen für zu Hause.
Die Handgelenke als Übergangsbereiche
Mehrere Bach- und Ursprungspunkte liegen im Umfeld der Handgelenke. Dadurch werden diese Gelenke in der Punktlehre besonders differenziert betrachtet.
Auch unabhängig vom traditionellen Modell sind Handgelenke wichtige Übergänge:
- Sie übertragen Armbewegungen auf die Hände.
- Sie beeinflussen die Ausrichtung der Handflächen.
- Sie reagieren sensibel auf zu viel Spannung.
- Sie ermöglichen feine Dreh- und Beugebewegungen.
Im Qigong sollten die Handgelenke daher weder völlig kraftlos noch festgehalten sein. Eine weiche, verbundene Ausrichtung ist meist günstiger.
Die Füße als zusammenhängende Fläche wahrnehmen
Die Bachpunkte der Fußmeridiane verteilen sich auf verschiedene Bereiche des Fußes.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fuß in isolierte Punktzonen aufgeteilt werden muss. Für die Qigong-Praxis ist eine zusammenhängende Wahrnehmung häufig sinnvoller:
- große und kleine Zehe,
- Innen- und Außenkante,
- Ballen,
- Fußrücken,
- Ferse,
- Fußgelenk.
Wenn diese Bereiche gemeinsam wahrgenommen werden, lässt sich das Gewicht meist ruhiger verteilen. Einzelne Punktlagen können anschließend als zusätzliche Orientierung dienen.
Bachpunkte müssen nicht einzeln stimuliert werden
Für eine Qigong-Übung ist es nicht erforderlich, alle zwölf Bachpunkte auswendig zu kennen oder einzeln zu drücken.
Sie können indirekt einbezogen werden durch:
- Öffnen und Schließen der Hände,
- Kreisen der Handgelenke,
- Bewegen der Finger,
- Kreisen der Fußgelenke,
- Gewichtsverlagerungen,
- Wahrnehmen von Innen- und Außenkanten der Füße,
- sanftes Ausstreichen von Händen und Füßen.
Damit bleibt die Aufmerksamkeit weit und der gesamte Körper beteiligt.
Häufige Missverständnisse
Bachpunkte sind dasselbe wie Rücken-Shu-Punkte
Nein. Bachpunkte sind Shu-Stream-Punkte an Händen und Füßen. Rücken-Shu-Punkte liegen entlang des Blasen-Meridians auf dem Rücken.
Jeder Bachpunkt ist ein Ursprungspunkt
Nein. Dies gilt nur für die sechs Yin-Meridiane. Die Yang-Meridiane besitzen getrennte Bach- und Ursprungspunkte.
Bachpunkte liegen an Unterarmen und Unterschenkeln
Die meisten liegen noch an Händen, Füßen oder in der Nähe der Gelenke. Weiter körpernah folgen erst die Flusspunkte.
Ein schmerzhafter Bachpunkt zeigt eine Organstörung
Nein. Druckempfindlichkeit ist unspezifisch und kann durch örtliche anatomische oder mechanische Ursachen entstehen.
Bachpunkte müssen kräftig massiert werden
Nein. Gerade an Händen, Füßen und Gelenken genügt ein sanfter, gut kontrollierter Kontakt.
Ein Punkt kann nur einer Kategorie angehören
Nein. Mehrere Bachpunkte gehören zusätzlich zu anderen Gruppen, etwa den Ursprungspunkten oder den Öffnungspunkten außerordentlicher Gefäße.
Traditionelle und moderne Einordnung
Die Bachpunkte bilden eine traditionelle Punktgruppe der TCM. Ihre gemeinsame Einordnung beruht auf:
- der Position innerhalb der fünf Shu-Punkte,
- dem Bild eines anwachsenden Wasserlaufs,
- der Zuordnung zu den fünf Wandlungsphasen,
- und bei den Yin-Meridianen der Überschneidung mit den Ursprungspunkten.
Modern betrachtet liegen die zwölf Körperstellen in unterschiedlichen anatomischen Regionen. Dort befinden sich je nach Punkt unter anderem:
- Gelenkkapseln,
- Sehnen,
- Muskeln,
- Blutgefäße,
- Nerven,
- Bindegewebe,
- Knochen und Zwischenräume.
Diese Strukturen können erklären, warum Druck oder Bewegung an den jeweiligen Stellen wahrgenommen wird. Sie belegen jedoch nicht automatisch die traditionellen Meridian-, Organ- oder Wandlungsphasenzuordnungen.
Ein bodenständiger Zugang unterscheidet daher:
Die Bachpunkte sind anatomisch lokalisierbare Körperstellen. Ihre gemeinsame Bedeutung als Shu-Stream-Punkte gehört zum Ordnungssystem der TCM.
Weiterführende Beiträge zu Bachpunkten
Die folgenden Beiträge ergänzen die Bachpunkte um die übrigen Stufen der fünf antiken Punkte und stellen verwandte Punktgruppen vor.
Brunnenpunkte an Fingern und Zehen
Brunnenpunkte liegen an den äußersten Enden der Hauptmeridiane. Der Beitrag erklärt ihre Lage an Fingern und Zehen und zeigt, wie sich die Körperenden in einer sanften Qigong-Praxis bewusster wahrnehmen lassen.
→ Brunnenpunkte an Fingern und Zehen
Flusspunkte der Meridiane
Flusspunkte folgen auf die Bachpunkte und liegen überwiegend an Unterarmen und Unterschenkeln. Der Beitrag erklärt ihre Position als Jing-River-Punkte und ihre Zuordnung zu Metall beziehungsweise Feuer.
→ Flusspunkte der Meridiane
Meerpunkte an Ellenbogen und Knien
Meerpunkte bilden die fünfte Stufe der Punktreihe und liegen im Bereich von Ellenbogen oder Knie. Der Beitrag erklärt ihre traditionelle Einordnung und ihre Bedeutung als körpernächste Punkte des Wasserbildes.
→ Meerpunkte an Ellenbogen und Knien
Ursprungspunkte der Meridiane
Bei den Yin-Meridianen fallen Bach- und Ursprungspunkt zusammen, bei den Yang-Meridianen sind sie getrennt. Der Beitrag stellt die zwölf Yuan-Source-Punkte und ihre traditionelle Einordnung vor.
→ Ursprungspunkte der Meridiane
Quellpunkte der Meridiane
Quellpunkte bilden die zweite Stufe des Wasserbildes und liegen körperferner als die Bachpunkte. Der Beitrag erklärt die zwölf Ying-Spring-Punkte und grenzt Quell- und Ursprungspunkte voneinander ab.
→ Quellpunkte der Meridiane
Die fünf antiken Punkte einfach erklärt
Brunnen-, Quell-, Bach-, Fluss- und Meerpunkte bilden eine zusammengehörige Reihe auf den zwölf Hauptmeridianen. Der Beitrag gibt einen Überblick über Lage, Wasserbild und Wandlungsphasen.
→ Die fünf antiken Punkte einfach erklärt
Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Akupunkturpunkte können im Qigong als Orientierung für Bewegung, Berührung und Aufmerksamkeit dienen. Der Beitrag zeigt, wie sich Punktbereiche einbeziehen lassen, ohne besondere Empfindungen zu erzwingen.
→ Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Fazit: Bachpunkte als dritte Stufe der fünf antiken Punkte
Bachpunkte bilden die dritte Gruppe der fünf antiken Punkte. Jeder der zwölf Hauptmeridiane besitzt einen Shu-Stream-Punkt.
Sie liegen überwiegend an Händen und Füßen oder nahe den Hand- und Fußgelenken. Im traditionellen Wasserbild hat sich das am Brunnen hervortretende und an der Quelle sammelnde Wasser hier zu einem Bach entwickelt.
Eine wichtige Besonderheit besteht bei den Ursprungspunkten: Auf den sechs Yin-Meridianen ist der Bachpunkt zugleich der Ursprungspunkt. Auf den sechs Yang-Meridianen sind beide Kategorien getrennt.
Bachpunkte der Yin-Meridiane werden traditionell der Wandlungsphase Erde, Bachpunkte der Yang-Meridiane dem Holz zugeordnet.
Für die Qigong-Praxis können sie die Aufmerksamkeit zu Hand- und Fußbereichen sowie zu den Gelenken führen. Dafür müssen sie weder stark gedrückt noch millimetergenau gesucht werden.
Ein sanfter Zugang reicht aus: Hände öffnen, Gelenke locker bewegen, Füße bewusst belasten und die Verbindung von den Körperenden zur Mitte wahrnehmen.
Häufige Fragen zu Bachpunkten (Shu-Stream)
Was sind Bachpunkte?
Bachpunkte (englisch Shu-Stream) sind die dritte Gruppe der fünf antiken Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auf jedem der zwölf Hauptmeridiane gibt es einen Bachpunkt – insgesamt also zwölf. Sie werden im traditionellen Wasserbild mit einem sich deutlich formenden Wasserlauf verglichen.
Warum heißen sie Shu-Stream-Punkte?
„Shu-Stream“ ist die international gebräuchliche Bezeichnung. „Stream“ bedeutet Bach oder kleiner Wasserlauf. „Shu“ wird in diesem Zusammenhang mit Transportieren oder Weiterleiten verbunden – deshalb werden die fünf antiken Punkte auch als fünf Transportpunkte bezeichnet. Der Begriff „Shu“ kann leicht mit den Rücken-Shu-Punkten verwechselt werden; das sind jedoch andere Punktgruppen.
Wo liegen die Bachpunkte am Körper?
Bachpunkte liegen überwiegend an Händen und Füßen oder unmittelbar in der Nähe der Hand- und Fußgelenke. Viele befinden sich zwischen Mittelhand- oder Mittelfußknochen, in Vertiefungen zwischen Knochen und Sehnen oder am Übergang zwischen Hand und Unterarm beziehungsweise Fuß und Unterschenkel.
Wie viele Bachpunkte gibt es?
Es gibt genau zwölf Bachpunkte – je einen auf jedem der zwölf Hauptmeridiane. Eine Besonderheit: Bei den sechs Yin-Meridianen ist der Bachpunkt zugleich der Ursprungspunkt (LU 9, MI 3, HE 7, NI 3, PE 7, LE 3). Bei den sechs Yang-Meridianen sind Bachpunkt und Ursprungspunkt zwei getrennte Punkte.
Welche Bedeutung haben Bachpunkte in der TCM?
Bachpunkte werden in der traditionellen Akupunkturlehre als besondere Stellen des Meridianverlaufs betrachtet. Ihnen werden je nach Meridian und Lehrsystem Aufgaben wie den Meridian regulieren, Qi bewegen, Schwere beeinflussen oder Gelenkbereiche ansprechen zugeschrieben. Diese Angaben beruhen auf dem traditionellen TCM-Modell und sind nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Wirkung gleichzusetzen.
Wie unterscheiden sich Bachpunkte von Quell- oder Meerpunkten?
Der Bachpunkt ist die dritte Stufe der fünf antiken Punkte – nach dem Brunnen- und Quellpunkt, vor dem Fluss- und Meerpunkt. Im Wasserbild steht der Bach für einen stärker werdenden Fluss, während die Quelle das beginnende Sammeln beschreibt und der Meerpunkt für die körpernächste, größte Stufe steht. Räumlich liegen Bachpunkte gewöhnlich etwas körpernäher als Quellpunkte und deutlich weiter außen als Meerpunkte.
Können Bachpunkte in der Selbstanwendung oder im Qigong genutzt werden?
Die Akupunktur von Bachpunkten gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen. Für Qigong-Übende lassen sie sich sanft in die Bewegung einbeziehen: Hände und Handgelenke weich führen, Finger locker öffnen und schließen oder Fußgelenke ruhig kreisen – ohne stechenden Druck oder gezieltes Bohren. Ein Beispiel für einen bekannten Bachpunkt ist Lunge 9 (LU 9) Taiyuan am Handgelenk, der auf dem Yin-Meridian der Lunge zugleich der Ursprungspunkt ist.
Hinweis zur Einordnung
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.
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