Die Öffnungspunkte der außerordentlichen Gefäße bilden eine besondere Gruppe aus acht Akupunkturpunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie werden auch bezeichnet als:
- acht Meisterpunkte,
- acht Schlüsselpunkte,
- acht Konfluenzpunkte,
- acht Gefäßöffnungspunkte,
- Eight Confluent Points,
- Eight Master Points.
Jeder dieser Punkte liegt auf einem der zwölf Hauptmeridiane und wird traditionell mit einem der acht außerordentlichen Gefäße verbunden. Die Punkte werden häufig paarweise kombiniert:
- MI 4 und PE 6,
- LU 7 und NI 6,
- DÜ 3 und BL 62,
- GB 41 und 3E 5.
Diese vier Paare sind in der traditionellen Punktlehre den acht außerordentlichen Gefäßen Chong Mai, Yin Wei Mai, Ren Mai, Yin Qiao Mai, Du Mai, Yang Qiao Mai, Dai Mai und Yang Wei Mai zugeordnet.
Für Qigong-Übende sind die Öffnungspunkte besonders interessant, weil sie alle an Händen, Unterarmen, Füßen oder Fußgelenken liegen. Sie können dadurch als Orientierung dienen, um die äußeren Körperbereiche mit Brustkorb, Bauch, Rücken und Körpermitte zu verbinden.
Was sind die acht außerordentlichen Gefäße?
Neben den zwölf Hauptmeridianen beschreibt die Traditionelle Chinesische Medizin acht außerordentliche Gefäße:
- Ren Mai – Konzeptionsgefäß,
- Du Mai – Lenkergefäß,
- Chong Mai – Durchdringungsgefäß,
- Dai Mai – Gürtelgefäß,
- Yin Qiao Mai – Yin-Fersengefäß,
- Yang Qiao Mai – Yang-Fersengefäß,
- Yin Wei Mai – Yin-Verbindungsgefäß,
- Yang Wei Mai – Yang-Verbindungsgefäß.
In der traditionellen Lehre ergänzen diese Gefäße das System der zwölf Hauptmeridiane. Sie werden unter anderem mit der Verbindung größerer Körperregionen sowie mit der Regulation und Verteilung von Qi und Blut in Beziehung gebracht. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Funktionsmodell und nicht um anatomisch nachgewiesene Blut-, Lymph- oder Nervenbahnen.
Ren Mai und Du Mai besitzen eigene Punktreihen auf der vorderen beziehungsweise hinteren Körpermittellinie. Die übrigen sechs außerordentlichen Gefäße haben keine vergleichbare vollständige Reihe eigener Akupunkturpunkte.
Ihre traditionelle Einbeziehung erfolgt unter anderem über die acht Öffnungspunkte.
Was bedeutet „Öffnungspunkt“?
Der Begriff „Öffnen“ beschreibt keine körperlich sichtbare Öffnung.
Traditionell wird angenommen, dass ein Öffnungspunkt den Zugang zu einem bestimmten außerordentlichen Gefäß herstellt oder dessen Funktionsbereich in eine Behandlung einbezieht.
Man kann sich den Punkt deshalb bildlich als eine Art Schlüssel vorstellen:
- Der Punkt liegt auf einem Hauptmeridian.
- Er wird zusätzlich einem außerordentlichen Gefäß zugeordnet.
- Zusammen mit einem Partnerpunkt entsteht ein festes Gefäßpaar.
Die acht Punkte werden in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Akupunkturtheorie ausdrücklich als paarweise geordnete Meister- oder Konfluenzpunkte der außerordentlichen Gefäße beschrieben.
Diese traditionelle Zuordnung bedeutet jedoch nicht, dass sich das betreffende Gefäß naturwissenschaftlich messbar „öffnet“.
Die acht Öffnungspunkte im Überblick
| Öffnungspunkt | Hauptmeridian | Zugeordnetes Gefäß | Gekoppelter Punkt |
|---|---|---|---|
| MI 4 – Gongsun | Milz-Meridian | Chong Mai | PE 6 |
| PE 6 – Neiguan | Herzbeutel-Meridian | Yin Wei Mai | MI 4 |
| LU 7 – Lieque | Lungen-Meridian | Ren Mai | NI 6 |
| NI 6 – Zhaohai | Nieren-Meridian | Yin Qiao Mai | LU 7 |
| DÜ 3 – Houxi | Dünndarm-Meridian | Du Mai | BL 62 |
| BL 62 – Shenmai | Blasen-Meridian | Yang Qiao Mai | DÜ 3 |
| GB 41 – Zulinqi | Gallenblasen-Meridian | Dai Mai | 3E 5 |
| 3E 5 – Waiguan | Dreifacher-Erwärmer-Meridian | Yang Wei Mai | GB 41 |
Die Namen, Codes und anatomischen Lagen der Punkte gehören zur standardisierten Akupunkturpunkt-Nomenklatur. Die WHO beschreibt dafür insgesamt 361 klassische Akupunkturpunkte.
Warum werden die Punkte paarweise kombiniert?
Die acht Punkte bilden vier feste Paare. Dabei wird jeweils ein außerordentliches Gefäß mit einem zweiten Gefäß verbunden:
- Chong Mai und Yin Wei Mai
- Ren Mai und Yin Qiao Mai
- Du Mai und Yang Qiao Mai
- Dai Mai und Yang Wei Mai
Die Paarung folgt der traditionellen Akupunkturlehre und stellt Beziehungen zwischen verschiedenen Körperräumen her:
- Vorderseite und Innenseite,
- Rückseite und Außenseite,
- Brustkorb und Bauch,
- Wirbelsäule und Beine,
- seitliche Körperbereiche,
- Hände und Füße.
Traditionelle Akupunkturkonzepte verwenden die Meisterpunkte daher häufig als Kombination und nicht ausschließlich als einzelne Punkte.
Für Qigong ist keine feste Punktkombination erforderlich. Die Paare können jedoch als Orientierung dienen, um verschiedene Bewegungs- und Wahrnehmungsräume miteinander zu verbinden.
MI 4 und PE 6 – Chong Mai und Yin Wei Mai
MI 4 – Gongsun
Milz 4 liegt an der Innenseite des Fußes nahe der Basis des ersten Mittelfußknochens.
Der Punkt ist:
- Luo-Verbindungspunkt des Milz-Meridians,
- Öffnungspunkt des Chong Mai,
- traditionell mit dem gekoppelten Magen-Meridian verbunden.
Der Chong Mai wird häufig mit „Durchdringungsgefäß“ oder „Penetrationsgefäß“ übersetzt. Innerhalb der TCM wird er unter anderem mit der Körpermitte, dem Bauchraum und einer tiefen Verbindung verschiedener Meridianbereiche in Beziehung gebracht.
MI 4 im Qigong wahrnehmen
Die Region kann über die innere Fußkante wahrgenommen werden.
Stelle dich ruhig hin und spüre:
- die große Zehe,
- den Großzehenballen,
- die innere Fußkante,
- die Ferse,
- die Verbindung zum inneren Bein.
Das Gewicht sollte dabei nicht vollständig nach innen sinken. Die äußere Fußkante bleibt ebenfalls mit dem Boden verbunden.
PE 6 – Neiguan
Herzbeutel 6 – Neiguan liegt auf der Innenseite des Unterarms zwischen zwei tastbaren Sehnen und oberhalb der Handgelenksfalte.
Der Punkt ist:
- Luo-Verbindungspunkt des Herzbeutel-Meridians,
- Öffnungspunkt des Yin Wei Mai,
- traditionell mit dem Dreifacher-Erwärmer-Meridian verbunden.
Der Yin Wei Mai wird als Yin-Verbindungsgefäß bezeichnet. Traditionell wird er mit der Verbindung der Yin-Bereiche des Körpers sowie mit Brustkorb und Körperinnerem in Beziehung gebracht.
PE 6 im Qigong wahrnehmen
PE 6 kann über die gesamte innere Unterarmfläche einbezogen werden.
Wenn die Handflächen nach oben zeigen, spüre die Verbindung von:
- Handflächen,
- Handgelenken,
- inneren Unterarmen,
- Ellenbogen,
- Brustkorb.
Es ist nicht notwendig, zwischen den Sehnen kräftig zu drücken.
Das Paar MI 4 und PE 6 im Qigong
Dieses Punktpaar verbindet räumlich:
- innere Fußkante,
- innere Beinlinie,
- Bauchraum,
- innere Unterarme,
- Brustkorb.
Eine einfache Wahrnehmungsübung:
- Stelle dich hüftbreit hin.
- Spüre die inneren Fußkanten, ohne die Knie nach innen fallen zu lassen.
- Hebe die Hände langsam vor den Bauch.
- Drehe die Handflächen nach oben.
- Führe die Hände bis vor den Brustkorb.
- Lass sie beim Ausatmen wieder sinken.
Die Bewegung kann als Verbindung von Füßen, Bauch, Unterarmen und Brustraum verstanden werden.
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LU 7 und NI 6 – Ren Mai und Yin Qiao Mai
LU 7 – Lieque
Lunge 7 – Lieque liegt auf der Daumenseite des Unterarms oberhalb des Handgelenks.
Der Punkt ist:
- Luo-Verbindungspunkt des Lungen-Meridians,
- Öffnungspunkt des Ren Mai,
- traditionell mit dem Dickdarm-Meridian verbunden.
Der Ren Mai verläuft in der traditionellen Darstellung auf der vorderen Körpermittellinie. Er besitzt eine eigene Punktreihe vom Unterbauch über Brustkorb und Hals bis zum Gesicht.
LU 7 liegt nicht auf dem Ren Mai. Der Punkt befindet sich auf dem Lungen-Meridian und stellt innerhalb der traditionellen Punktlehre den Zugang zum Ren Mai her.
LU 7 im Qigong wahrnehmen
Die Region kann über eine weiche Daumenseite und ein bewegliches Handgelenk einbezogen werden.
Beim Heben der Hände:
- Daumen nicht anspannen,
- Handgelenke nicht abknicken,
- Ellenbogen weich lassen,
- Brustkorb nicht herausdrücken.
NI 6 – Zhaohai
Niere 6 – Zhaohai liegt in einer Vertiefung unterhalb des Innenknöchels.
Der Punkt ist der Öffnungspunkt des Yin Qiao Mai.
Der Yin Qiao Mai wird häufig als Yin-Fersengefäß übersetzt. Traditionell wird er mit der Innenseite der Beine, dem Aufsteigen von den Füßen und der Beziehung zwischen Yin-Seite, Ruhe und Körpervorderseite verbunden.
NI 6 liegt in der Nähe von Knochen-, Sehnen- und Gelenkstrukturen. Starkes Bohren unterhalb des Innenknöchels ist nicht erforderlich.
NI 6 im Qigong wahrnehmen
Spüre im Stand:
- Innenknöchel,
- innere Ferse,
- innere Fußkante,
- Knie,
- Becken.
Die Füße bleiben dabei flächig und ruhig aufgesetzt.
Das Paar LU 7 und NI 6 im Qigong
Dieses Paar verbindet traditionell Ren Mai und Yin Qiao Mai.
Für die Körperwahrnehmung entsteht eine Linie von:
- inneren Füßen und Beinen,
- Becken und Unterbauch,
- vorderer Körpermittellinie,
- Brustkorb und Hals,
- Armen und Händen.
Eine einfache Übung:
- Lege die Hände zunächst auf den Unterbauch.
- Spüre beide Innenknöchel und inneren Fußkanten.
- Hebe die Hände langsam entlang der Körpermitte bis vor den Brustkorb.
- Öffne die Hände leicht nach außen.
- Lass sie wieder zum Unterbauch sinken.
Der Atem bleibt ruhig und wird nicht erzwungen.
DÜ 3 und BL 62 – Du Mai und Yang Qiao Mai
DÜ 3 – Houxi
Dünndarm 3 liegt an der Kleinfingerseite der Hand nahe dem Grundgelenk des kleinen Fingers.
Der Punkt ist:
- Bachpunkt des Dünndarm-Meridians,
- Holz-Punkt dieses Yang-Meridians,
- Öffnungspunkt des Du Mai.
Der Du Mai verläuft traditionell auf der hinteren Körpermittellinie über Kreuzbein, Wirbelsäule, Nacken und Kopf.
DÜ 3 befindet sich nicht auf dem Du Mai. Seine Bedeutung als Öffnungspunkt beruht auf der traditionellen Beziehung zwischen dem Dünndarm-Meridian und dem Lenkergefäß.
DÜ 3 im Qigong wahrnehmen
Beim Öffnen der Hände wird die Kleinfingerseite häufig weniger beachtet als die Daumenseite.
Achte darauf, dass:
- der kleine Finger nicht verkrampft,
- die Handfläche weit bleibt,
- das Handgelenk weich ist,
- die Bewegung über Unterarm und Ellenbogen bis zur Schulter weiterläuft.
BL 62 – Shenmai
Blase 62 liegt in einer Vertiefung direkt unterhalb des Außenknöchels.
Der Punkt ist der Öffnungspunkt des Yang Qiao Mai.
Der Yang Qiao Mai wird als Yang-Fersengefäß bezeichnet. Traditionell wird er mit der Außenseite der Beine, dem Aufsteigen vom äußeren Fuß sowie mit der Yang-Seite und der hinteren Körperregion verbunden.
Die Region unter dem Außenknöchel kann durch Schuhe, Fußfehlbelastungen oder frühere Verletzungen empfindlich sein. Eine Druckempfindlichkeit beweist keine Störung des Yang Qiao Mai.
BL 62 im Qigong wahrnehmen
Im Stand können wahrgenommen werden:
- Außenknöchel,
- äußere Ferse,
- Kleinzehenballen,
- äußere Beinlinie,
- Hüfte.
Das Gewicht sollte nicht nur auf die Außenkante des Fußes verlagert werden.
Das Paar DÜ 3 und BL 62 im Qigong
Dieses Paar verbindet traditionell Du Mai und Yang Qiao Mai.
Räumlich können damit verbunden werden:
- äußere Fußregion,
- Rück- und Außenseiten der Beine,
- Kreuzbein,
- Wirbelsäule,
- Nacken,
- Kleinfingerseiten der Hände.
Eine einfache Übung:
- Stelle dich aufrecht hin.
- Spüre Fersen und Außenknöchel.
- Hebe beide Hände vor den Körper.
- Drehe die Handflächen nach außen.
- Öffne die Arme, während der Rücken weit bleibt.
- Richte den Hinterkopf sanft nach oben.
- Lass die Arme wieder sinken.
Die Wirbelsäule wird dabei nicht steif durchgedrückt. Aufrichtung und Beweglichkeit bleiben miteinander verbunden.
GB 41 und 3E 5 – Dai Mai und Yang Wei Mai
GB 41 – Zulinqi
Gallenblase 41 – Zulinqi liegt auf dem Fußrücken zwischen dem vierten und fünften Mittelfußknochen.
Der Punkt ist:
- Bachpunkt des Gallenblasen-Meridians,
- Holz-Punkt dieses Yang-Meridians,
- Öffnungspunkt des Dai Mai.
Der Dai Mai wird als Gürtelgefäß bezeichnet. Im traditionellen Modell verläuft er als einziges der acht außerordentlichen Gefäße überwiegend quer um den Rumpf.
Er wird dadurch mit dem seitlichen Körper, dem Becken und der Verbindung zwischen oberer und unterer Körperhälfte in Beziehung gebracht.
GB 41 im Qigong wahrnehmen
Die Region auf dem äußeren Fußrücken kann über kleine Gewichtsverlagerungen einbezogen werden.
Spüre:
- den Fußrücken,
- die vierte und fünfte Zehe,
- die äußere Fußkante,
- den Außenknöchel,
- die Außenseite des Beines.
Die Zehen sollten nicht krampfhaft in den Boden greifen.
3E 5 – Waiguan
Dreifacher Erwärmer 5 – Waiguan liegt auf der Rückseite des Unterarms oberhalb der Handgelenksfalte.
Der Punkt ist:
- Luo-Verbindungspunkt des Dreifacher-Erwärmer-Meridians,
- Öffnungspunkt des Yang Wei Mai,
- traditionell mit dem Herzbeutel-Meridian verbunden.
Der Yang Wei Mai wird als Yang-Verbindungsgefäß bezeichnet. Traditionell wird er mit der Verbindung der Yang-Bereiche sowie mit der Außenseite des Körpers in Beziehung gebracht.
3E 5 im Qigong wahrnehmen
Bei geöffneten oder gedrehten Armen kann die Rückseite der Unterarme bewusst wahrgenommen werden.
Bewege die Hände langsam:
- nach außen drehen,
- wieder nach innen drehen,
- heben und senken,
- öffnen und schließen.
Handgelenke und Ellenbogen bleiben dabei gelöst.
Das Paar GB 41 und 3E 5 im Qigong
Dieses Paar verbindet traditionell Dai Mai und Yang Wei Mai.
Für die Körperwahrnehmung können einbezogen werden:
- äußere Füße,
- Außenseiten der Beine,
- Hüften und Becken,
- Flanken,
- Schultern,
- Rückseiten der Unterarme.
Eine einfache Übung:
- Stehe ruhig und verlagere das Gewicht leicht nach links und rechts.
- Spüre die äußeren Fuß- und Beinlinien.
- Hebe beide Hände seitlich bis ungefähr auf Brusthöhe.
- Drehe den Oberkörper sanft nach links und rechts.
- Das Becken bleibt beweglich, aber stabil.
- Die Arme folgen der Rumpfbewegung.
Die Bewegung kann die quer und seitlich ausgerichteten Körperräume bewusst machen, ohne dass ein einzelner Punkt stimuliert werden muss.
Vier Öffnungspunkte sind gleichzeitig Luo-Punkte
Vier der acht Öffnungspunkte gehören zusätzlich zur Gruppe der Luo-Verbindungspunkte:
- MI 4,
- PE 6,
- LU 7,
- 3E 5.
Diese vier Punkte besitzen damit mindestens zwei traditionelle Zuordnungen:
- Verbindung zum gekoppelten Hauptmeridian,
- Öffnung eines außerordentlichen Gefäßes.
Die Überschneidung zeigt, dass die traditionellen Punktgruppen nicht vollständig voneinander getrennt sind.
Ein Punkt kann je nach Betrachtungsweise:
- Luo-Punkt,
- Bachpunkt,
- Ursprungspunkt,
- Öffnungspunkt,
- oder ein anderer Sonderpunkt sein.
Zwei Öffnungspunkte sind gleichzeitig Bachpunkte
Dünndarm 3 und Gallenblase 41 gehören zusätzlich zu den fünf antiken Punkten.
Beide sind Bachpunkte ihrer jeweiligen Yang-Meridiane:
- DÜ 3 ist Bachpunkt des Dünndarm-Meridians.
- GB 41 ist Bachpunkt des Gallenblasen-Meridians.
Als Bachpunkte der Yang-Meridiane werden sie traditionell der Wandlungsphase Holz zugeordnet.
Ihre Bedeutung als Öffnungspunkt gehört jedoch zu einem anderen Ordnungssystem.
Öffnungspunkte und Xi-Punkte sind nicht dasselbe
Vier außerordentliche Gefäße besitzen zusätzlich einen eigenen Xi-Spaltenpunkt.
| Außerordentliches Gefäß | Öffnungspunkt | Xi-Spaltenpunkt |
|---|---|---|
| Yin Qiao Mai | NI 6 | NI 8 |
| Yang Qiao Mai | BL 62 | BL 59 |
| Yin Wei Mai | PE 6 | NI 9 |
| Yang Wei Mai | 3E 5 | GB 35 |
Öffnungs- und Xi-Punkt dürfen deshalb nicht verwechselt werden.
Der Öffnungspunkt stellt traditionell den Zugang zum Gefäß her. Der Xi-Punkt wird mit einer tieferen Ansammlung des Gefäß-Qi verbunden.
Ren Mai, Du Mai, Chong Mai und Dai Mai besitzen zwar Öffnungspunkte, werden in der üblichen Gruppe der 16 Xi-Punkte jedoch nicht mit einem eigenen Xi-Punkt aufgeführt.
Öffnungspunkte und Ursprungspunkte
Keiner der acht Öffnungspunkte ist in erster Linie wegen seiner Funktion als Yuan-Source-Punkt ausgewählt.
Einige liegen räumlich nahe an Ursprungspunkten:
- MI 4 liegt nahe MI 3,
- DÜ 3 nahe DÜ 4,
- GB 41 nahe GB 40,
- NI 6 nahe NI 3.
Die Kategorien bleiben dennoch getrennt.
Ursprungspunkte werden traditionell mit dem Yuan-Qi des jeweiligen Hauptmeridians verbunden. Öffnungspunkte stellen nach traditioneller Vorstellung eine Beziehung zu den acht außerordentlichen Gefäßen her.
Müssen Öffnungspunkte immer paarweise verwendet werden?
In der traditionellen Akupunktur werden die acht Punkte häufig in den beschriebenen Paaren kombiniert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ausschließlich paarweise vorkommen dürfen. In verschiedenen Schulen und Behandlungskonzepten können einzelne Punkte auch aus anderen Gründen ausgewählt werden.
PE 6 kann beispielsweise gleichzeitig betrachtet werden als:
- Punkt des Herzbeutel-Meridians,
- Luo-Verbindungspunkt,
- Öffnungspunkt des Yin Wei Mai,
- lokal wirkender Unterarmpunkt.
Die konkrete Auswahl gehört in den Gesamtzusammenhang einer fachlichen Behandlung.
Für Qigong ist keine starre Paarung notwendig.
Lassen sich die außerordentlichen Gefäße durch Druck öffnen?
Die Formulierung „ein Gefäß öffnen“ ist traditionell und bildhaft.
Ein kurzer Druck auf LU 7, NI 6 oder einen anderen Meisterpunkt erzeugt keine anatomisch sichtbare Öffnung. Ebenso lässt sich nicht anhand einer Empfindung feststellen, ob ein Gefäß geöffnet oder geschlossen ist.
Berührung kann lokal wahrgenommen werden als:
- Druck,
- Wärme,
- Kribbeln,
- Entspannung,
- leichte Empfindlichkeit,
- oder ohne besondere Reaktion.
Diese Wahrnehmungen können durch Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven, Gefäße und Aufmerksamkeit erklärt werden. Sie beweisen nicht, dass ein außerordentliches Gefäß aktiviert wurde.
Warum können die Punkte empfindlich sein?
Die acht Öffnungspunkte liegen in anatomisch sensiblen Regionen:
- nahe Hand- und Fußgelenken,
- zwischen Sehnen,
- an Mittelhand- oder Mittelfußknochen,
- unterhalb von Innen- und Außenknöcheln,
- in muskulären und bindegewebigen Übergängen.
Empfindlichkeit kann entstehen durch:
- ungewohnte Belastung,
- langes Gehen oder Stehen,
- Arbeiten mit Händen und Handgelenken,
- enges Schuhwerk,
- Sehnenreizungen,
- frühere Verletzungen,
- Gelenkbeschwerden,
- individuelle Druckempfindlichkeit.
Ein schmerzhafter Öffnungspunkt beweist keine Störung des zugeordneten außerordentlichen Gefäßes.
Kann man die Punkte selbst berühren?
Die acht Punkte sind grundsätzlich gut erreichbar. Für eine sanfte Selbstwahrnehmung genügt leichter Kontakt.
Eine mögliche Vorgehensweise:
- Hand oder Fuß bequem ablegen.
- Zunächst die gesamte Region wahrnehmen.
- Mit einer Fingerkuppe sanft Kontakt aufnehmen.
- Den Druck nur langsam und mäßig erhöhen.
- Ruhig weiteratmen.
- Nach einigen Atemzügen wieder lösen.
- Hand- oder Fußgelenk anschließend locker bewegen.
Vermeide:
- bohrenden Druck,
- stechende Schmerzen,
- elektrisierende Empfindungen,
- starke Reizung von Sehnen,
- Druck auf geschwollene oder verletzte Gelenke.
Akupunktur ist bei sachgerechter Durchführung mit sterilen Nadeln im Allgemeinen sicher. Unsachgemäße Anwendung kann jedoch unter anderem Infektionen und Verletzungen verursachen.
Die acht Öffnungspunkte im Qigong wahrnehmen
Für Qigong ist es meist sinnvoller, die Punkte in größere Bewegungslinien einzubetten. Wie sich einzelne Akupunkturpunkte grundsätzlich sanft in Bewegung, Berührung und Aufmerksamkeit einbinden lassen, zeigt der Beitrag Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen.
Hände und Füße verbinden
Jeweils ein Punkt eines Paares liegt am Arm beziehungsweise an der Hand, der andere am Fuß oder Fußgelenk.
Dadurch entsteht eine natürliche Verbindung zwischen:
- oberen und unteren Extremitäten,
- Händen und Füßen,
- Armen und Beinen,
- äußerem Körper und Körpermitte.
Vorder- und Rückseite wahrnehmen
LU 7 und NI 6 können als Orientierung für die vordere und innere Körperseite dienen.
DÜ 3 und BL 62 lenken die Aufmerksamkeit stärker zur hinteren und äußeren Körperseite.
Körpermitte und Flanken verbinden
MI 4 und PE 6 können mit Bauch- und Brustraum in Beziehung gesetzt werden.
GB 41 und 3E 5 lenken die Aufmerksamkeit stärker zu Flanken, Hüften und seitlichen Körperlinien.
Gelenke weich halten
Alle acht Punkte liegen an beweglichen Übergängen:
- Hand,
- Handgelenk,
- Fuß,
- Fußgelenk.
Werden diese Gelenke starr gehalten, verliert die Bewegung häufig ihre Durchlässigkeit.
Im Qigong sollten sie:
- beweglich,
- kontrolliert,
- stabil,
- aber nicht angespannt sein.
Eine einfache Übung mit allen vier Paaren
Stelle dich ruhig und aufrecht hin. Die Füße stehen etwa hüftbreit.
1. Innere Verbindung
Spüre die inneren Fußkanten und Innenknöchel.
Hebe die Hände mit nach oben gerichteten Handflächen vor den Körper.
Nimm innere Unterarme, Brustkorb und Bauch wahr.
2. Vordere Körpermitte
Führe die Hände langsam entlang der Körpermitte nach oben und wieder zum Unterbauch zurück.
Die Schultern bleiben locker.
3. Rücken und Außenseite
Drehe die Handflächen nach außen und öffne die Arme.
Spüre die Kleinfingerseiten, die Rückseiten der Arme, den oberen Rücken und die äußeren Fußregionen.
4. Seitliche Verbindung
Verlagere das Gewicht langsam nach links und rechts.
Die Arme folgen der Bewegung seitlich.
Spüre Flanken, Hüften, Außenbeine und Unterarme.
5. Abschluss
Lass die Hände zum Unterbauch sinken.
Stehe einige Atemzüge ruhig und nimm Hände, Füße und Körpermitte gleichzeitig wahr.
Es muss kein einzelner Punkt deutlich spürbar werden. Wenn du solche Ganzkörperbewegungen begleitet lernen möchtest, findest du in meinen Qigong-Übungsvideos der Kraftquelle einfache Anleitungen für zu Hause.
Häufige Missverständnisse
Die Öffnungspunkte liegen auf den außerordentlichen Gefäßen
Nicht unbedingt. Alle acht Punkte liegen auf den zwölf Hauptmeridianen.
Ihre Beziehung zu den außerordentlichen Gefäßen entsteht durch die traditionelle Sonderpunktlehre.
Jeder außerordentliche Meridian besitzt eine eigene Punktreihe
Nein. Eine vollständige eigene Punktreihe besitzen vor allem Ren Mai und Du Mai.
Öffnungspunkte und Xi-Punkte sind identisch
Nein. Vier außerordentliche Gefäße besitzen getrennte Öffnungs- und Xi-Punkte.
Die Punkte müssen immer gleichzeitig gedrückt werden
Nein. Die Paarung gehört zur traditionellen Akupunkturlehre. Für Qigong ist keine gleichzeitige Punktstimulation erforderlich.
Ein Kribbeln zeigt, dass sich das Gefäß geöffnet hat
Nein. Kribbeln ist eine unspezifische Empfindung und kann unter anderem durch Nerven, Druck, Haltung oder Aufmerksamkeit entstehen.
Die außerordentlichen Gefäße sind anatomisch nachgewiesene Leitungsbahnen
Nein. Sie gehören zum traditionellen Meridianmodell.
Ein empfindlicher Meisterpunkt zeigt eine Erkrankung
Nein. Druckempfindlichkeit kann zahlreiche örtliche Ursachen besitzen.
Öffnungspunkte müssen kräftig stimuliert werden
Nein. Für Wahrnehmung und Qigong genügt eine sanfte Einbeziehung der gesamten Körperregion.
Traditionelle und moderne Einordnung
Traditionell verbinden die acht Öffnungspunkte:
- Hauptmeridiane und außerordentliche Gefäße,
- Hände und Füße,
- Innen- und Außenseiten,
- Vorder- und Rückseite,
- Körpermitte und äußere Körperbereiche.
Modern betrachtet liegen die Punkte an unterschiedlichen anatomischen Strukturen:
- Sehnen,
- Muskeln,
- kleinen Gelenken,
- Knochenrändern,
- Nerven,
- Blutgefäßen,
- Bindegewebe.
Diese Strukturen können erklären, weshalb Berührung und Bewegung an den Punktregionen deutlich wahrgenommen werden.
Sie bestätigen jedoch nicht automatisch die traditionelle Vorstellung, dass ein Punkt ein außerordentliches Gefäß öffnet.
Ein bodenständiger Zugang unterscheidet deshalb:
Die acht Öffnungspunkte sind anatomisch lokalisierbare Akupunkturpunkte. Ihre Verbindung zu den acht außerordentlichen Gefäßen gehört zum traditionellen Ordnungssystem der Chinesischen Medizin.
Weiterführende Beiträge zu den Öffnungspunkten
Die folgenden Beiträge vertiefen weitere Punktgruppen und Konzepte der traditionellen Akupunkturlehre.
Ren Mai und Du Mai
Ren Mai und Du Mai sind die beiden bekanntesten der acht außerordentlichen Gefäße. Sie verlaufen entlang der vorderen und hinteren Körpermitte. Der Beitrag erklärt sie als Yin- und Yang-Achse des Körpers und zeigt ihren Bezug zur Qigong-Praxis.
→ Ren Mai und Du Mai
Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Vier Öffnungspunkte sind gleichzeitig Luo-Punkte. Der Beitrag erläutert die traditionellen Verbindungen zwischen gekoppelten Yin- und Yang-Meridianen.
→ Luo-Verbindungspunkte der Meridiane
Xi-Spaltenpunkte der Meridiane
Vier außerordentliche Gefäße besitzen zusätzlich einen eigenen Xi-Spaltenpunkt. Diese Punkte unterscheiden sich von den Öffnungspunkten. Der Beitrag stellt sie im Detail vor.
→ Xi-Spaltenpunkte der Meridiane
Die acht einflussreichen Punkte
Die acht Hui-Punkte werden traditionell Zang und Fu, Qi und Blut sowie Sehnen, Gefäßen, Knochen und Mark zugeordnet. Der Beitrag stellt diese Punktgruppe vor.
→ Die acht einflussreichen Punkte
Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Akupunkturpunkte können als Orientierung für Hände, Füße, Bewegungslinien und Körperräume dienen, ohne eine bestimmte Wirkung erzwingen zu müssen.
→ Akupunkturpunkte im Qigong wahrnehmen
Fazit: Acht Punkte verbinden Hauptmeridiane und außerordentliche Gefäße
Die acht Öffnungspunkte sind:
- MI 4 für den Chong Mai,
- PE 6 für den Yin Wei Mai,
- LU 7 für den Ren Mai,
- NI 6 für den Yin Qiao Mai,
- DÜ 3 für den Du Mai,
- BL 62 für den Yang Qiao Mai,
- GB 41 für den Dai Mai,
- 3E 5 für den Yang Wei Mai.
Traditionell werden sie in vier Paaren kombiniert:
- MI 4 und PE 6,
- LU 7 und NI 6,
- DÜ 3 und BL 62,
- GB 41 und 3E 5.
Alle acht Punkte befinden sich an Händen, Unterarmen, Füßen oder Fußgelenken. Sie stellen damit nach traditioneller Vorstellung eine Verbindung zwischen den äußeren Körperbereichen und größeren Gefäß- beziehungsweise Körperräumen her.
Für Qigong müssen die Punkte nicht kräftig gedrückt oder exakt paarweise stimuliert werden. Ihr Grundgedanke lässt sich über ruhige Ganzkörperbewegungen aufnehmen:
- Hände und Füße verbinden,
- Innen- und Außenseiten wahrnehmen,
- Vorder- und Rückseite koordinieren,
- Körpermitte und Flanken einbeziehen,
- Gelenke weich und beweglich halten.
Häufige Fragen zu den acht Öffnungspunkten der außerordentlichen Gefäße
Was sind die acht Öffnungspunkte?
Die acht Öffnungspunkte sind eine Sondergruppe von Akupunkturpunkten in der Traditionellen Chinesischen Medizin, die jeweils den Zugang zu einem der acht außerordentlichen Gefäße darstellen sollen. In der klassischen Punktlehre werden sie in vier Paaren verwendet, jedes Paar öffnet zwei zusammengehörige Gefäße.
Was bedeutet „Öffnungspunkt“?
Der Begriff bezieht sich auf die traditionelle Vorstellung, dass die außerordentlichen Gefäße normalerweise nicht so oberflächlich zugänglich sind wie die zwölf Hauptmeridiane. Über die Öffnungspunkte kann nach klassischem Verständnis der Zugang zu einem außerordentlichen Gefäß geöffnet werden.
Welche acht Öffnungspunkte gibt es?
Die vier klassischen Paare sind: MI 4 und PE 6 (Chong Mai und Yin Wei Mai), LU 7 und NI 6 (Ren Mai und Yin Qiao Mai), DÜ 3 und BL 62 (Du Mai und Yang Qiao Mai), sowie GB 41 und 3E 5 (Dai Mai und Yang Wei Mai).
Warum werden die Punkte paarweise kombiniert?
Nach der klassischen Punktlehre öffnet ein Punkt allein nicht das gesamte Gefäßpaar. Erst die Kombination zweier zusammengehöriger Öffnungspunkte soll den vollen Zugang ermöglichen – z.B. LU 7 (Ren Mai) mit NI 6 (Yin Qiao Mai). Die Paare sind traditionell festgelegt und werden in dieser Zusammensetzung gelehrt.
Welche Bedeutung haben Öffnungspunkte in der TCM?
Öffnungspunkte werden in der klassischen Punktlehre mit dem Zugang zu den außerordentlichen Gefäßen und tieferen, konstitutionellen Themen verbunden. Sie werden je nach Meridian und Lehrsystem in unterschiedlichen therapeutischen Kontexten eingesetzt. Diese Angaben beruhen auf dem traditionellen TCM-Modell und sind nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Wirkung gleichzusetzen.
Sind Öffnungspunkte dasselbe wie Xi-Spaltenpunkte oder Ursprungspunkte?
Nein. Xi-Spaltenpunkte werden mit akuten Beschwerden entlang eines Meridians verbunden. Ursprungspunkte (Yuan-Source) werden mit dem grundlegenden Yuan-Qi eines Hauptmeridians assoziiert. Öffnungspunkte hingegen sind spezifisch für den Zugang zu den außerordentlichen Gefäßen – ein völlig eigenes Punktsystem außerhalb der zwölf Hauptmeridiane.
Können die acht Öffnungspunkte in der Selbstanwendung oder im Qigong genutzt werden?
Die Akupunktur der Öffnungspunkte gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen. Für Qigong-Übende können die zugehörigen Regionen sanft in die Wahrnehmung einbezogen werden – Hand- und Fußgelenke locker halten, Innenknöchel und Unterarme bewusst spüren – ohne die Punkte gezielt zu drücken. Ein Beispiel für einen bekannten Öffnungspunkt ist Niere 6 (Ni 6) Zhaohai am Innenknöchel, der klassisch mit Yin Qiao Mai verbunden wird.
Hinweis zur Einordnung
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.
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